Danke Internet! Danke für Mamablogs und sogar für Mütterforen.

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Photo by Dawid Sobolewski on Unsplash

Liebes Internet,

Du bist oft voll von Idioten. Von Besserwissern, von Selbstdarstellern, Abnehmern, Dick-Auftragern, Sportlern, Köchen, Supermüttern oder selbsternannten Heilsbringern.

Aber wenn man die richtigen Ecken kennt, dann weist du mir den Weg zu den Guten. Zu den Klugen und Differenzierten, zu denen, die scheinbar meine Gedanken lesen können. Zu den wohl recherchierten Texten, die mich kurz entführen, mir die Augen öffnen oder den Horizont erweitern. Die mich zu Tränen rühren oder  in meinem Kopf nachhallen. Die mich zum Schmunzeln und Lachen bringen oder mir wenigstens ein kräftiges „Jawoll“ entlocken.

Seit ich Mama bin, suche ich meinen Weg.

Ich möchte es gut machen und richtig. Zumindest soweit, dass meine Kinder später mal nicht völlig verkorkst beim Psychiater sitzen und mich vielleicht sogar mal von alleine anrufen.
Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin. Und ich weiß, dass ich Fehler mache. Aber du sagst mir, dass das okay ist. Das ich Fehler machen darf. Und du hilfst mir dabei, mich selbst zu finden. Herauszufinden, welche Art von Mama ich sein möchte. Welches Mama-Ich da in mir schlummert. Und worauf ich Wert legen möchte.

Nach mittlerweile drei Jahren mit Praxiserfahrung und zwei Kindern, habe ich da so eine Ahnung. Ich bin zum Beispiel nicht die große Konsequenz in Person, ich bin oft nachlässig und wenn meine Töchter nur lange genug quengeln, dann bekommen sie doch das Eis, obwohl ich vor fünf Minuten noch gesagt, habe, dass es gleich Abendessen gibt.
Aber dank dir Internet habe ich auch gelernt, dass das völlig okay ist. Weil es eben nicht das Wichtigste für mich ist, immer konsequent zu sein. Unerzogen wiederum ist nun auch nichts für mich. Ich halte einfach gern die Fäden in der Hand. Ich gebe den Rahmen vor – es ist kalt draussen, wir tragen Mütze und Jacke und keine Badelatschen – aber innerhalb dieses Rahmens können die Kinder ihr kreatives Chaos veranstalten. Ob das Kind nun die von mir eher ungeliebte Felljacke von der Oma zu einer lila Federboa kombiniert, ist mir relativ egal, so lange es nur warm genug angezogen ist.

Bei vielen Dingen, die ich mit meinen Kindern mache, höre ich meine Oma vor meinem geistigen Ohr vor sich hin schimpfen.Sitz  gerade Kind, das Messer wird nicht abgeleckt, drinnen kein Ballspielen und rennen bitte auch nicht.” Sätze, die ich nicht sage.   

Ich gehöre zu einer Müttergeneration, die sich wie wohl kaum eine vorher endlich frei machen möchte von schwarzer Pädagogik und dem, was wir manchmal fälschlicherweise als Intuition begreifen, was aber in Wirklichkeit die gesammelten und unterbewusst abgespeicherten eigenen Kindheitserfahrungen sind.
Auch meine Eltern waren schon für gewaltfreie Erziehung, für Stillen und Haushaltsteilung und arbeitende Mütter. So weit, so fortschrittlich. Dennoch hatte auch bei uns zuhause der Krümel den Mund zu halten, wenn der Kuchen redet. Und nachts wurde gefälligst durchgeschlafen, auch wenn der Krümel – also ich- erst sechs Wochen alt war. Wir machen dafür andere Fehler.

Was das alles mit dir zu tun hat, fragst du liebes Internet?

Dank dir kann ich mich austauschen. Ich kann sie finden, die Mütter, die so ticken wie ich. Ich kann mich durch unsägliche Mütterforen suchen und ständig den Kopf schütteln. Und so nach und nach ausschließen, welcher Weg eben nichts für mich ist.
Dafür finde ich das Dorf, das es braucht, um ein Kind zu erziehen, dass ich dank mangelnder Großfamilie und überhaupt mangelndem Familienanschluss am Wohnort sonst eben nicht habe.
Ich finde kluge Frauen mit tollen Blogs, ich finde blöde Kommentare und lustige Familienschnappschüsse. Und immer wieder auch Vorbilder. Deswegen danke Internet. Danke, dass du mich auf diesem verrückten Mama-Weg ein Stück begleitest.

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