Mummy Meltdown – Wie ich mal versuchte geduldiger zu werden…

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Photo by Sunset Girl on Unsplash

An manchen Tagen bin ich nach dem morgendlichen Anziehen, den Kindern hinterherrennen, über Hausschuhe diskutieren, die Zahnbürsten wieder einsammeln, zum frühstücken überreden, zum wieder hinsetzen ermahnen, verschüttete Milch aufwischen, das Müsli wieder wegbringen und gegen ein Wurstbrot austauschen, zankende und hinterher heulende Kinder wieder auseinander zerren und iwie alle in Winterjacken, Schals und Mützen und schließlich in den Kindergarten bugsieren, schon durch mit dem Tag.

Wie – bei euch läuft das anders? Dann verratet mir mal bitte wie zur Hölle – entschuldigt meine Kraftausdrücke – macht ihr das?

Sitzen eure Kinder wohlerzogen – also ohne ständig aufzustehen oder rumzuhampeln und dabei alles umzuschubsen – am Tisch? Suchen eure Kinder selbstbestimmt und natürlich angemessen zur Temperatur ihre Anziehsachen aus? Und wenn nicht, seid ihr entspannt genug, erst im Kindergarten Badeanzug gegen Strumpfhose zu tauschen? Brauchen eure Kinder keine 3408833 Minuten, um die Treppe im Kindergarten heraufzusteigen und dabei wahlweise die Decke, ihre Schuhspitzen oder mit offenen Mündern andere Kinder zu beobachten und natürlich stehen zu bleiben? Und könnt ihr stets gelassen darüber hinweg sehen, weil Kinder eben so sind und ihr dann halt zu spät zur Arbeit kommt, weil ihr seid ja schließlich selber schuld, hättet ja auch eine halbe Stunde eher los gehen können? Ich kann das nicht. Ich war schon immer ungeduldig. Ich gebe mir wirklich große Mühe, mich zu entspannen. Mit Geduld und Spucke höre ich meine Oma sagen, das Problem hatte ich möglicherweise wohl schon als Kind.. Aber wie, nur wie?!

 

Ich kenne die Tipps, die in Blogs oder Elternmagazinen verbreitet werden. Nur bringen die mir scheinbar nichts. 

Ich stehe früh, sehr früh auf. Ich versuche mir Zeit für mich zu nehmen, um meine Reserven wieder aufzutanken. Ich versuche so geduldig wie ein alter Esel zu sein. Und doch reißt mein Geduldsfaden manchmal schon nach wenigen Minuten mit meinen beiden geliebten Mädels. Geduld mit meinen Kindern, Geduld mit anderen Menschen, Geduld mit mir selbst – an manchen Tagen habe ich das alles nicht. Dann bin ich nach fünf Minuten schon auf 180.

Gestern zum Beispiel hatte ich den Vormittag frei. Ich war morgens einkaufen, habe mich um den Haushalt gekümmert, mir was Leckeres gekocht und eine halbe Stunde mit Kaffee auf dem Sofa rum gelümmelt, bevor ich zu Fuß zum Kindergarten los bin. Die Kinder kommen gut gelaunt auf mich zu gelaufen. Ich freue mich, sie freuen sich, alles gut.

Denkste. Nur fünf Minuten später liegt Kind 1 heulend auf dem Boden und Kind 2 schreit aus Solidarität laut mit. Das können sie schon ganz gut. Sich verbünden. Wenn einer kräht, ist der andere nicht weit und stimmt gern mit ein in das fröhliche ohrenbetäubende Konzert. Was war passiert? Kind 1 wollte mir nicht glauben, dass der Platz für seine Gummistiefel im Regal wirklich sein Platz ist. Es kann unglücklicherweise mit 3 Jahren noch nicht lesen, sicherlich meinem laschen Erziehungsstil zufolge, und soll nun glauben, was ich sage. Tut es aber nicht. Aus Prinzip. So aufgebracht möchte es nun auch ohne Winterjacke rausgehen. Ich bin ohnehin mit Wechselsachen, zwei Kinderrucksäcken und einem Kleinkind beladen und habe einfach keine Lust die Jacke zu tragen. Außerdem ist es wirklich kalt draussen. Verdammt. Kind 1 heult also. Kind 2 auch. Ich schimpfe mehr oder weniger leise vor mich hin.

Die Kinder trotten widerwillig hinter mir her.

Kind 2 muss nämlich auch noch umgezogen werden und der Kindergarten schließt in 5 Minuten. Also mit Sack und Pack nach unten in die Krippe. Ziehe Kind 2 aus. Gummistiefel aus, Tränen, Protest die Zweite. Kind 2 möchte die Matschhose anbehalten, darunter nur noch die Strumpfhose, die Jeans ist verschollen. Suche mit den Erzieherinnen die Hose. Kind heult, weil, ja warum eigentlich? Ah, Mimmi ist weg. Mimmi, die eigentlich Minnie Maus heißt und momentan zum Lieblingsspielzeug erkoren wurde und daher morgens UUUNBEDINGT mit in den Kiga musste. Tja Mama, selber schuld. Hätteste Mimmi mal heute morgen direkt ins Fach gelegt. Was soll ich sagen, wir verlassen irgendwann gemeinsam mit den Erzieherinnen den Kindergarten. Hose und Mimmi wieder da, Mutter genervt, Kinder springen gut gelaunt neben mir her.

Wenn ich das so niederschreibe, werde ich das Gefühl nicht los, dass ich selber oft das Problem bin. Mein Zeitplan im Hinterkopf, meine Entscheidung die Mimmi morgens im Ärmchen von Kind 2 zu lassen, mein Unwille, Kind 1 ohne Jacke losziehen zu lassen. Und dazu dann das normale Kleinkinderchaos hoch zwei oben als Sahnehäubchen noch mit drauf.

Aber wie kann ich geduldiger mit meinen Kindern werden? Und mit mir selbst?

Achtsamkeit ist ja so eines dieser modernen Zauberwörter. Wir sollen den Moment genießen. Achtsam mit uns umgehen, mit unserer Zeit, mit unseren Mitmenschen und innehalten, durchatmen. Aber jetzt mal ernsthaft, in mich reinatmen – das langt doch nicht. Oder?
Das ganze Internet ist voll mit Tipps für ein achtsames Leben. “Achtsamkeit ist eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form von Aufmerksamkeit.” verrät mir das Deutsche Fachzentrum für Achtsamkeit. Ja so etwas gibt es. Weiter heißt es: “Mit zunehmender Achtsamkeit reduzieren sich gewohnheitsmäßige automatische und unbewusste Reaktionen auf das gegenwärtige Erleben (…).”

Es geht also darum, gewohnte Muster zu durchbrechen. Das ist ja schön und gut. Vielleicht denke ich darüber nach, wenn ich es irgendwann mal wieder zum Pilates schaffe und nicht während der Tagesschau auf dem Sofa wegdämmere.
Eine Achtsamkeitstherapie, das klingt für mich wie etwas, das burnoutgefährdete Manager machen können, wenn sie dann krank geschrieben sind. Oder das ich mir für die Rente mal vormerken kann. Momentan stresst mich schon jeder weitere Termin, der aus dem normalen Arbeiten-Kinder-Familie-Haushalts-Rahmen fällt. Geburtstagseinladung? – Ja gern. Ach abends? Jaaaa, ich melde mich dann.

Ich bin einfach ausgelastet. Und das ist die meiste Zeit auch okay. Nur manchmal, da fehlt mir dann doch die Oma um die Ecke, die die Kids einfach mal spontan vom Kindergarten abholt. Oder die mir zumindest mal ein Kind entführt und mit ihm in den Zoo geht. So ähnlich stelle ich mir das jedenfalls mit Verwandten vor, die weniger als 300 km weit weg wohnen.
Halten wir also fest: Das Leben mit kleinen Kindern ist einfach manchmal kräftezehrend. Die eigenen Ansprüche machen es da nicht unbedingt einfacher. Und dann sind da noch die Kinder selber. Denn wenn wir mal ehrlich sind, haben kleine Kinder einfach von Natur aus ein großes Chaospotential in sich. Und das fordert.

Und auch die geduldigste Mutter der Welt ist mal (haha) unausgeschlafen oder einfach nicht so gut drauf. Und dann erwischen sie uns halt auf dem falschen Fuß, die lieben Kleinen, und alles läuft aus dem Ruder. Und zwar rasend schnell. Nichts desto trotz möchte ich versuchen, unseren Alltag gelassener zu nehmen.

So möchte ich in Zukunft versuchen, mehr Geduld im Familienalltag aufzubringen: 

  1. Akzeptieren 
    Ich versuche zu akzeptieren, dass die Situation so ist, wie sie nun mal ist. Wir alle sind gerade genervt, die Kinder sind laut, wir kommen nicht vorwärts. Scheiss drauf. So ist es nunmal. Wenn ich nicht mehr versuche, es krampfhaft zu ändern, dann werde ich tatsächlich sofort ruhiger. Was wir Mamas ja oft noch so im Hinterkopf haben, ist ein ganzer Rattenschwanz an Gedanken. Bei mir geht das dann so: Ich will nicht wieder laut werden, ich will nicht immer meckern, die Kinder hören nicht auf mich, ich bin hilflos, ich bin eine schlechte Mutter. Diese Spirale nutzt aber weder mir noch den Kindern. Also versuche ich, die Situation zu akzeptieren.
  2. Loslassen
    Ich versuche meine inneren Pläne loszulassen. Dann komme ich halt zu spät. Das ist ein Punkt, der mir persönlich echt Schwierigkeiten bereitet. Ich hasse Unpünktlichkeit. Folglich ist es für mich jedes Mal eine große innere Prüfung, mich auf den Rhythmus der Kinder einzulassen. Trödeln, in der Gegend rum gucken, den Gedanken nachhängen, das fällt mir schwer.
  3. Scheiss auf Prinzipien
    Die Kinder heulen, sind mies drauf, quengelig, der Tag war anstrengend? Scheiss drauf. Fernseher an, Schokokekse raus, Zwangspause für uns alle. Wenn weder die Kinder noch ich die Geduld haben, uns pädagogisch wertvolle Spiele auszudenken, dann lassen wir es halt. Mir ist das sonst wichtig. Viel rausgehen, zusammen basteln, gemeinsam backen und kochen. Aber kein Mensch kann das doch den lieben langen Tag von morgens bis abends. Oder? Und wenn die Kinder einen anstrengenden Tag im Kindergarten und ich auf der Arbeit hinter uns haben, dann ist vielleicht zusammen kuscheln und abhängen und zum tausendsten Mal Peppa  Wutz gucken gerade genau das Richtige.

Ich gelobe also Besserung. Mal wieder. Und versuche trotzdem auch zu akzeptieren, dass ich eben nicht immer geduldig sein kann. Wenn es besonders stressig ist, denke ich an den letzten Moment, an dem wir alle zusammen lachend über den Boden gekugelt sind. Und wie macht ihr das so? Habt ihr den absoluten Geheimtipp? Dann gerne her damit.
Ich warte mehr oder weniger geduldig hier.

Love & Peace,
Sonja

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5 thoughts on “Mummy Meltdown – Wie ich mal versuchte geduldiger zu werden…

  1. Meine Liebe, ich habe Dich für den Blogger Recognition Award nominiert. Es ist kein Muss mitzumachen aber ich mag Deinen Blog gerne und habe ihn deshalb erwähnt. Weitere Informationen dazu findest Du auf meiner Seite https://zweimalwunder.com/. Vielleicht bist Du dabei:-),
    Liebe Grüße
    Sonja

    1. Aaah du bist ja süß! ❤ ❤ Wie cool! Und wie ich mich freue!! Witzig, dass wir beide so ziemlich parallel gestartet bzw wieder eingestiegen sind. 🙂 Dann drück ich uns beiden mal die Daumen, dass er erfolgreich weiter geht. Und mache mich mal daran, mich einzulesen und weiter zu empfehlen. 🙂 Ganz liebe Grüße zurück, von Sonja zu Sonja

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