Und ewig dieses schlechte Gewissen – Juhuu mein Kind ist krank. Said no Mum ever.

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Während ich das hier schreibe, liegt meine kleine Tochter in  ihrem Bett und kuriert sich aus. Den ganzen Tag über wurde sie von Papa betreut. Die letzten Tage von mir. Sie fiebert, bekommt Zähne und eine Kehlkopfentzündung gesellt sich auch noch gleich dazu. Warum auch nicht – ist ja grad so gemütlich hier bei uns. Nicht.

Es ist Ende November, wir haben zwei Kindergartenkinder, die jüngste ist gerade ihre erste Wintersaison in der sogenannten “Fremdbetreuung”.  Erfahrene Eltern wissen: Klingelingeling – Jackpot.
Gefühlt sind wir öfter beim Kinderarzt als auf der Arbeit,  zuhause und im Büro stapeln sich wahlweise Wäschekörbe oder unbearbeitete Emails. Wir haben das Gefühl ständig nur hinterherzurennen, immer nur das Dringendste zu erledigen und obendrein auch noch ständig was zu vergessen. Also zumindest geht es mir so. Korrgiert mich gern, wenn es euch anders geht.  Und verratet mir, wie ihr das macht.

Kranke Kinder sind glaube ich für alle Mütter schwer zu ertragen.

Ja, auch weil sie quengelig sind und unausgeschlafen und wir also auch. Aber ganz besonders doch auch, weil wir uns ständig Sorgen machen, oder? Ist das jetzt ein normaler Husten oder etwa doch dieses Pseudokrupp? Ist das Kind schon wieder warm oder bilde ich mir das nur ein? (Nein, das tust du nicht. Als Mama weißt du  einfach, wie sich ein normal warmes Kind und ein fieberndes anfühlt.)
Und der Alltag mit einem aus der Bahn geschossenen kleinen Klebezwerg wird auch nicht einfacher. Kochen, Wäsche machen, Einkaufen – alles wird wieder zu einem ähnlich großen Aufriss, wie damals als wir noch den unhandlichen  Maxi Cosi überall mithinschleppen mussten und ständig mit Stillen, zum Schlafen bringen oder zur Beruhigung durch die Gegend schleppen und rhythmisch schuckeln beschäftigt waren.

Die Ablösung naht

Die letzten Tage habe ich das Kind also im wahrsten Sinne des Wortes geschaukelt, doch als heute morgen die Ablösung in Form meines Mannes nahte, der nun den Rest der Woche zuhause managt und ich mich zwar verquollen und ohne Kaffee oder Frühstück und trotzdem verspätet aber dennoch juhuu endlich raus  mit dem Auto auf den Weg zur Arbeit machen durfte, war ich heilfroh.
Endlich raus hier – mein erster Gedanke. Und direkt im Anschluss das Gefühl ein sinkendes Schiff zu verlassen. Ein verantwortungsloser Kapitän zu sein, der sich lieber versteckt zwischen Frauen und Kindern von Bord schleicht, anstatt mit Ehre und Anstand mit dem Schiff in die Tiefe zu sinken.

Aber woher kommt dieses blöde schlechte Gewissen, dass mich begleitet seit ich Mama bin?

Ist es das viel beschworene Nicht-Loslassen-Können von uns  (Helikopter?-) Müttern, mein persönlicher angeblicher Kontrollzwang (behauptet mein Mann) oder doch das Jonglieren als sogenannte “Working-Mum” –  dieses auf allen Bällen tanzen und dann nirgends so richtig dazu gehören, was heute so viele von uns Müttern betreiben? Ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben also?
Ich weiß es. Es ist das Nicht-Verzichten-Wollen der heutigen Müttergeneration, die ihre eigenen Interessen nicht einfach mal zehn bis zwanzig Jahre hinten anstellen wollen, um dann hinterher für eine Jüngere verlassen und ohne Chance auf Rückkehr in den Beruf, ABER wenigstens mit dem Wissen “für die Kinder alles getan zu haben” leben wollen. Okay, ich fange an mich reinzusteigern… Krankes Kind und berufstätig ist einfach eine Scheisskombination. Machen wir uns nichts vor.

Das schlechte Gewissen begleitet mich aber eigentlich so gut wie immer. Auch wenn die Kinder kerngesund sind. Es begleitet mich, wenn ich zum Sport gehe (also wenn ich mal wieder gehen würde); wenn ich mal einen Abend mit einer Freundin im Kino verbringe, anstatt neben dem Babyphone vor dem Fernseher;  wenn ich morgens zur Arbeit fahre und wenn ich mal später heimkomme. Also eigentlich immer, wenn ich nicht wenigstens ein Kind im Schlepptau habe.  Und das obwohl ich unsere Kinder wirklich mehr als gut betreut weiß. Sowohl zuhause von meinem Mann als auch im Kindergarten.
Bin ich aber dann wiederum mit krankem Kind zuhause, habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber der Arbeit. Ich habe ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Freundinnen, denen ich schon wieder absagen muss. Ich habe ein schlechtes Gewissen meinem Mann gegenüber, weil ich lieber um acht ins Bett gehe, anstatt mich mal wieder in Ruhe mit ihm zu unterhalten oder was man sonst so ohne Kinder alles abends macht.

An guten Tagen kann ich das alles ganz gut abschütteln.

Ich kann mir sagen, dass ich nicht perfekt sein kann und muss. Ich kann Fünfe gerade sein und die Wäsche stehen lassen. An schlechten Tagen, an denen eine Hiobsbotschaft die andere jagt, möchte ich mich am liebsten eingraben und fühle mich wie die schlechteste Mutter/ Freundin/ Arbeitnehmerin der Welt. Dabei hilft das ja nichts.
Kranke Kinder gehören nach Hause und nicht in den Kindergarten oder die Schule. Da sind wir uns wohl alle einig. Aber natürlich können auch Oma oder Papa die Kinder adäquat zuhause betreuen und Mama kann im Büro mal durchatmen, einfach weil es mal um etwas anderes geht als um Rotznasen und Stinkewindeln. Und das ist auch völlig okay. Auch Mama-Reserven sind schließlich endlich.

Mein Kopf weiß das alles. Wäre nur nett, wenn er diese Botschaft auch mal meinem Bauch übermitteln könnte.

Und jetzt ihr? Wie geht ihr mit eurem schlechten Gewissen um? Oder habt ihr gar keines? Ich bin gespannt.

 

Love ❤ Sonja

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10 thoughts on “Und ewig dieses schlechte Gewissen – Juhuu mein Kind ist krank. Said no Mum ever.

  1. I feel you guuuuurl. Meiner war auch in der Nacht auf Montag 5 Std wach wegen Husten und co., woraufhin ich mich morgens soooo geärgert habe, weil ich ne Vorlesung verpasst habe. Einfach, weil diese Vorlesung mein Zufluchtsort ist. Weil ich da nicht “Mamaaaa” oder “Schahaaatz” bin, sondern einfach nur ich. Und das brauche ich zum Ausgleich. Ich möchte auch auf nichts verzichten. Und doch nagt immer wieder das schlechte Gewissen keiner meiner Rollen gerecht zu werden *seufz*

    1. So blöd eigentlich, dass man das so schlecht abstellen kann, oder? Ich frag mich dann immer, ob die Männer das eigentlich auch kennen oder ob das wieder son frauenspezifisches Ding ist… *grübel*

  2. Hallo Sonja,
    mir geht es ganz genauso. Ständig sage ich mir die richtigen Dinge und versuche es trotzdem gleichzeitig allen recht zu machen. Kopf zu Bauch = Fehlanzeige. Total nervig…
    Danke für Deine Gedanken! Und einen schönen Blog hast Du! Schau doch mal bei mir vorbei, wenn Du Lust hast.
    Liebe Grüße,
    Sophia

  3. 1A liebe Sonja. Du sprichst mir aus dem Herzen. Egal was ich tue, ein schlechtes Gewissen ist nahezu immer dabei. Gerade erst rief mich die Kita an, ich solle den Kurzen holen, weil er ein paar rote Pünktchen auf der Haut hat. Ich verfiel sofort in Schnappatmung und Stress und reagierte der Erzieherin gegenüber auch nicht ganz angemessen. Schließlich kostete mich das “früher von der Arbeit gehen” wertvolle 3 Gleitzeitstunden, die ich mühsam über Wochen aufgebaut habe (viele kennen das Problem sicher, wenn man nachmittags das Kind holen muss) und für ganz wichtige Termine brauche. Also direkt den Chef angesprochen, alles stehen und liegen gelassen, obwohl die Deadline für’s nächste Projekt nicht mehr weit ist und zum Kind gerast. Währenddessen den Arzt konsultiert und den allerletzten Freitags-Nachmittag-Termin ergattert, um diese Pünktchen abchecken zu lassen. Zum Glück für alle waren die nur harmlose Begleiterscheinungen der Erkältung und umso mehr ärgerte ich mich über die verschwendeten 3 Stunden.
    Beruf, Familie, Partnerschaft, Ich-sein … eigentlich mag ich alle Komponenten sehr gern, wenn nicht dieses schlechte Gewissen wäre gegenüber den anderen dreien, wenn ich mich gerade auf eine konzentriere. Ich will das nicht haben. Aber allem gerecht werden zu wollen, wurde mir in die Wiege gelegt. Blöd.
    Zum Glück ist der Mann und Papa vom Kurzem ähnlich gestrickt und wir teilen alle Aufgaben so gut es geht. Aber ich merke ihm diese Belastung an. Und er ist lange nicht so taff, das locker wegzustecken.

    1. Liebe Silvana! Wow, da hattest du ja auch mal einen richtig stressigen Tag. Irgendwie ist man da auch immer hin und hergerissen, ne? Tendenzielle haben die Erzieher natürlich auch Recht damit, vorsorglich zu reagieren. Nur leider halten die Chefs da halt in der Regel weniger von. 😦
      Ich mag auch alle diese Komponenten und hätte mir einen kompletten Verzicht auf meinen Beruf auch nicht vorstellen mögen. Und genauso will ich auch Ich-Sein. Das kommt ja eh meistens erst an allerletztter Stelle. Aber ist es nicht doof, dass es uns so schwerfällt, das dann auch einfach mal durchzuziehen ohne dieses blöde Gefühl im Bauch wieder nicht allen gerecht zu werden? Schön, dass dein Mann mit am selben Strang zieht!! Das ist so viel Wert. So kann man die Belastung wenigstens teilen. Ich wünsche dir einen guten Start ins Wochenende und einen tollen ersten Advent ganz bald! LG Sonja

  4. Wow Sonja!
    Danke für deine witzigen, ehrlichen und sehr inspirierenden Beschreibungen des Familienalltags mit kleinen Kindern. Mir ging es vor einigen Jahrzehnten ähnlich, auch wenn sich manche Dinge etwas geändert haben, die eigentliche Problematik der Überlastung und der nicht ausreichenden Zeit für all die vielen Aufgaben ist die gleiche. Für mich ist das der Motor, wenn möglich und erwünscht sogar täglich für einige Stunden der nächsten Generation mit den nun jungen Kindern, meinen Enkelkindern, zur Verfügung zu stehen.
    Bitte schreib weiter über euer Erleben oder zumindest über deine journalistische Verarbeitung dessen. Es ist so inspirierend, deine Texte zu lesen.
    Bib

    1. Oh Bib, das ist aber sehr lieb von dir. Deine Worte gehen ja runter wie Öl! ❤ Vielen Dank dafür! Ich hab gerade auch richtig Spaß daran, wieder richtig zu schreiben und freue mich umso mehr über euer tolles Feedback! Ich bin grad ganz sprachlos. 🙂

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