Blogparade: Was ist Geburt? – Von einer Krankenhaus- und einer Hausgeburt

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Das Bild entstand vier Wochen nach der Geburt unserer zweiten Tochter.

Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind. – Gertrud von Le Fort (1876-1971)

Den Spruch habt ihr sicher schon tausend Mal gehört. Dennoch passt er perfekt zur Frage #wasistgeburt, die die liebe Tanja von herzbauchwerk.ch in ihrer Blogparade stellt. Denn genau das beschreibt es für mich. Eine Transformation für alle Beteiligten. Das Kind wird in eine neue Welt hinein geboren und seine Eltern auch. Wie wir diesen Weg gestalten, ist unendlich wichtig, denn dieses Erlebnis begleitet uns ein Leben lang. Sowohl das Kind, als auch seine Eltern.

Es ist nicht egal, wie wir geboren werden.

Ich habe zwei sehr unterschiedliche Geburten erlebt, die mich in der Summe zu einer unermüdlichen Fürsprecherin für Hebammen und zur Erhaltung einer menschenwürdigen und wohnortnahen Geburtshilfe gemacht haben. Warum ich so drastische Worte benutze? Weil ich es menschenunwürdig finde, wenn Frauen das Recht auf eine “schöne” Geburt abgesprochen wird. Ich finde es unwürdig der Mutter gegenüber, wenn es hinterher heißt, “Ach Hauptsache, alle sind gesund.” Denn das augenscheinlich alle atmen, heißt noch lange nicht, dass nicht sowohl Kind als auch Mutter unter einem überstürzten oder anderweitig heftigen Start ins Leben leiden können.
Anpassungsstörungen bei Neugeborenen kommen nicht von ungefähr und nicht wenige Frauen leiden jahrelang  unter ihren Geburtserlebnissen. Und vieles davon würde sich verhindern lassen, wenn wir achtsamer mit unseren Gebärenden umgingen.

Mir ist noch eine Sache sehr sehr wichtig bei diesem Thema: Absolute Offenheit. Was mir geholfen hat, war das Wissen um das, was mit mir passiert. Deswegen halte ich es für absolut wichtig, dass wir über unsere Geburten sprechen. Das wir uns austauschen und stark machen. Und zeigen, Geburten können etwas Tolles sein. Etwas Kraftvolles, etwas Starkes. Und deswegen erzähle ich euch heute von meinen beiden sehr unterschiedlichen Geburten.

Krankenhausgeburt oder Hausgeburt – Ja was denn nun?

Ich habe beides erlebt. Und das eine wäre ohne das andere nicht möglich gewesen. Als Erstschwangere stellte ich mir die Frage gar nicht. Kinder werden im Krankenhaus geboren. Punkt. Ein Geburtshaus gab es in unserer Nähe nicht, alles andere tat ich als esoterischen Hokuspokus ab. Räucherkerzen können gern andere zünden, dachte ich.

Von der Fehldiagnose zum Schreikind – Geburt Nummer 1

Die ganze Schwangerschaft lang machte mich meine Frauenärztin verrückt. Dieser blöde  Zuckerwert im Urin passte einfach nicht in die Richtlinien. Dreimal schickte sie mich zur Diabetes-Expertin, dreimal machte ich den Zuckerbelastungstest, dreimal Entwarnung. Keine Auffälligkeiten. Zur Vorsicht dokumentierte ich über Wochen alles, was ich aß. Und maß 5 mal am Tag den Zuckerwert im Blut. Wochenlang Angst, wochenlang Fingerpieksen, wochenlange Aufregung. Ergebnis bei der Diabetologin: Alles im Lot. Keine Panik. Die Richtwerte für Schwangere seien ohnehin sehr streng. Von ihr aus gebe es keine weiteren Bedenken, ich solle meine Schwangerschaft endlich genießen.

Trotz allem verunsichert ging ich zum Vorgespräch in die Klinik. Dort dann der Schock. Wenn das Kind bis zum ET nicht auf natürlichem Wege käme, sollte auf jeden Fall eingeleitet werden. Es wäre ohnehin jetzt schon ganz schön groß, vielleicht sei ja auch ein Kaiserschnitt besser. Alles nur das nicht, dachte ich.
Und ergab mich also in mein Schicksal. Wir standen also wie verabredet am ET aufgeregt wie blöd morgens um acht im Kreißsaal. Jetzt würde sie nun endlich bald bei uns sein. Dachten wir.

Aber erstmal passierte nichts. An diesem Tag kamen auf der Station die Babys quasi im Stundentakt zur Welt. Deswegen wollte bei mir niemand jetzt auch noch mit der Einleitung beginnen. Nachhause durfte ich aber auch nicht mehr.

Nachmittags um vier gab es dann doch mal die erste Tablette zum Einleiten der Geburt.

Da passierte erstmal gar nichts. Also vier Stunden später noch eine Tablette. Und nachts um zwölf ging es dann doch los. Es folgte das, was man heute wohl als typische Geburt mit vielen Interventionen bezeichnen würde. Bei deutschlandfunk.de könnt ihr nachlesen, warum das alles andere als ideal ist.
Ich habe mir später den Geburtsbericht vom KH schicken lassen. Den müssen die Krankenhäuser zehn Jahre aufheben und sie sind verpflichtet, der Gebärenden Einsicht zu ermöglichen. Anhand des Berichtes konnte ich die Nacht dann viel besser Revue passieren lassen. Ich mach es kurz, es war alles dabei.

Eingeleitete Wehen werden oft als schmerzhafter empfunden als natürliche.

Ich vermute, weil einfach nicht der komplette Hormoncocktail ausgestossen wird wie sonst. Bei mir war es jedenfalls genau so. Die Eröffnungsphase über Stunden war kaum auszuhalten, so krass waren die Schmerzen. Ständig kam außerdem irgendjemand rein. Ob Hebamme, Arzt oder Pförtner, jeder im Krankenhaus schien mal kurz meinen Muttermund fühlen zu wollen.
Dazu kamen ein Wehentropf, Schmerzmittel, irgendwas, von dem mir so übel wurde, dass ich eine Zeitlang zwischen jeder Wehe brechen musste, natürlich Dauer-CTG, dreimal ein Blasenkatheter zum Pippi ablassen.. (toll) und morgens dann völlig entkräftet das Go für die PDA. Die ganze Zeit nur ein Gedanke in meinem Kopf: Nein, ich will das nicht. Was passiert mit mir? Das soll aufhören. Nicht die beste Affirmation für eine gelungene Geburt. Völlig von Sinnen hab ich irgendeinen Zettel unterschrieben, die Hebammen hatten Schichtwechsel, und die Neue ordnete erstmal einen Stellungswechsel an. Wir brauchen hier die Schwerkraft, erklärte sie mit einer strengen Stimme.

Und plötzlich hing ich wie ein Äffchen an dem hochgefahrenen Bett. Arme oben, endlich wieder in der Senkrechten und Beine breit. Irgendjemand im Raum hatte die tausend Kabel zwischen meinen Beinen wegsortiert, eines steckte am Köpfchen meines Babys, um direkt seinen Puls zu messen. Und dann ging es so schnell, dass nicht mal eine Ärztin mehr gerufen werden konnte.

Das Köpfchen kommt, die Hebamme scheucht meinen Mann los ihren Koffer zu holen, hat ein Ohr am Telefon, sagt noch Warte und ich denke, einen Scheiss mach ich.

Und dann war sie da. Um 8.46 Uhr am nächsten Morgen. Nach fast zehn Stunden Schmerzen und Kampf.

Und ich war so unendlich erleichtert, dass es endlich vorbei war. Über meinen Rücken versuchte ich einen Blick auf das Bündel zu erhaschen, aber sie mussten erst wieder die Kabel zurück sortieren, bevor ich mich umdrehen konnte. Und ich war nicht total verliebt und den Tränen nahe, wie ich mir das immer so romantisch vorgestellt hatte. Ich war total im Sack und einfach nur froh, dass es vorbei war. Sie sah mich an und begann zu schreien. Schrie wie um ihr Leben, und hörte nur für wenige Minuten auf, um Kraft zu sammeln für eine neue Schreiattacke. Sie war genauso verstört wie ich.

Geburt Nummer 2 – tatsächlich eine Hausgeburt

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Meine beiden Mäuse und ich. Vier Wochen nach Geburt Nummer 2.

Nach der ersten Geburt war ich völlig geflasht, dass das sooo weh tut. Und das jeder Mensch auf diese fürchterliche Weise geboren werden muss. Ich sah die ganzen Menschen um mich herum laufen und sah nur Schmerz. Den Schmerz von Abermillionen Müttern auf der ganzen Welt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das was mir passiert war, auch anders ging. Und wer jetzt denkt, jetzt fängt sie doch noch an das Lied der schmerzfreien Geburt dank Hypnose und Seelenwanderung zu singen… nein. Auch die zweite Geburt tat weh. Aber aushaltbar weh. Zahnarztmässiges –  das geht jetzt noch ein paar Minuten und ist kacke, aber aaaah…jetzt ist gerade wieder Ruhe – weh.

Die Art der Betreuung während der Schwangerschaft kann einen Einfluss auf die Geburt haben. 

Da bin ich mir im Nachhinein völlig sicher. Beim zweiten Mal sollte alles anders sein. Ich hatte nach allen möglichen Alternativen gesucht. Ein anderes Krankenhaus, doch knapp 100 km bis ins nächste Geburtshaus fahren, einen hebammengeleiteten Gebärsaal in einer Nachbarstadt, doch all meine Recherchen liefen ins Leere. Alle waren überlastet, nie rief mich einer zurück und dann erzählte eine Mutter im Kindergarten von ihrer Hausgeburt. Und plötzlich war der Gedanke doch nicht mehr so absurd.
Über Umwege landete ich bei meiner Hebamme und es war sofort Sympathie da. Alles war nun anders als beim ersten Mal. Meine erste Hebamme verstand meine Frage nach Vorsorgeterminen bei ihr gar nicht. Viel Zeit für Persönliches blieb in den kurzen Besuchen der Nachsorge auch nicht.

Die Neue war genau das Gegenteil. Sie strahlte schon beim Betreten unseres Hauses so eine Ruhe aus, dass ich mich sofort geerdet fühlte.
Während der ersten Untersuchung auf meinem eigenen Sofa, begrüßte sie als erstes mein Kind, als sie ihre Hände auf meinen Bauch legte. Das war so anders, als alles was ich vorher an Untersuchungen erlebt hatte. DAS war Schwangerschaftsbegleitung! Sie hörte und sah mich. Mich und mein Kind. Und das fühlte sich so gut an. Sie besprach wieder und wieder alle meine Ängste und sezierte mit mir die erste Geburt. Sie machte mich stark. Indem sie ihr Wissen mit mir teilte und auf Augenhöhe mit mir sprach. Und ich fühlte mich von Monat zu Monat stärker und bereiter für eine erneute Geburt.

Plötzlich gute Werte

Der rumzickende Urinwert begleitete mich natürlich wieder. Doch diesmal war auch meine Frauenärztin etwas entspannter, zumindest bei diesem Thema. Kam die Hebamme, um mich zuhause zu untersuchen, waren plötzlich alle Werte viel besser. Der Blutdruck war auf einmal völlig entspannt. Wie ich. Meine Hebamme wunderte das nicht, im Gegensatz zu mir damals.

In dieser Schwangerschaft wollte ich alles wissen. Ich las Bücher über Bücher und vor allem Die selbstbestimmte Geburt von Ina May Gaskin wurde zu einem treuen Begleiter. Ich hörte mir Hypobirthing – Audios beim baden an und versuchte mich ganz auf mich zu konzentrieren. Gar nicht mal so einfach, mit einem 1 1/2 Jahre alten Kind an der Hand. 🙂 Außerdem wälzte ich die Statistiken zur Sicherheit von Hausgeburten und fühlte mich nun immer sicherer mit meiner Entscheidung.

Verunsicherung vs. Mut machen

Auch in dieser Schwangerschaft gab es etwas, das meine Ärztin ganz nervös machte. Mein Kind drehte sich fröhlich hin und her. Klingt erstmal gut, oder? Aber ab einer bestimmten Woche habe die Ärzte die Kinder am liebsten mit dem Kopf nach unten. Hat meinen Knirps nur nicht so recht interessiert. Bei jeder Untersuchung lag sie anders. Mal quer, mal in Schädellage, mal in Beckenendlage. Und schon in der 30. SSW hörte ich wieder das drohende Szenario: ich sollte mal über einen Kaiserschnitt nachdenken. Was hatte diese Frau nur mit Kaiserschnitten?

Schon die erste Tochter hatte sich erst durchs Moxen in die Schädellage überreden lassen. Knirps Nummer 2 trieb es nun noch bunter in meinem Bauch, der riesig war und wie wir später erfuhren und einen winzig kleinen Krümel beheimatete. Ich gab mir Mühe, mich nicht ständig von der Frauenärztin verrückt machen zu lassen. Meine Hebamme zeigte mir, wie ich selber ertasten konnte, wie das Kind lag.
So war auch die erste Frage, als die Wehen losgingen und die Hebamme vor mir stand: Wie liegt sie? Eigtl sah man immer gut, wenn sie quer lag. Diesmal konnte aber nur meine Hebamme mich überzeugen. Kopf ist unten, guck mal da ist der Poppo, da kommen die Herztöne, alles gut, kann los gehen.

Schwing die Hüfte, Baby! Jetzt wird’s ernst. 

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Das letzte Bild mit Bauch und “meinem” Gymnastikball. 🙂 (3 Tage vor ET)

Ihr kennt alle das Video von der tanzenden Frau im Kreißsaal? Ich hab zwar nicht getanzt, bin aber die komplette Eröffnungsphase auf meinem Gymnastikball rumgekullert. Hat sich einfach gut angefühlt. Ich hab dabei gelacht, mit meiner Hebamme gescherzt, ungläubig meine große gutgelaunte Tochter angesehen, die ums Verrecken nicht mehr ins Bett zu kriegen war und erstmal den Gebärhocker inspizierte.

Mein Mann sprang um uns rum und kümmerte sich um dieses und jenes, im Hintergrund lief die Lieblingsplaylist. Die Schwiegermutter war unterwegs, um später das große Kind zu beaufsichtigen. Gefühlt saßen und plauderten wir ein paar Minuten am Tisch rum, zwischen drin immer mal wieder eine Wehe. Ja, wird schon was stärker, erklärte ich und wunderte mich noch, dass die Hebamme meinen Mann anwies, doch schon mal die Handtücher aufzuwärmen.

Nur kurze Zeit später veratmete ich dann auf dem winzig kleinen Gästeklo Wehen, während ich mich am warmen Bauch meiner Hebamme festhielt.  “Sollen wir mal rüber zum Sofa” fragte sie sanft. Und ich fand das eigentlich noch viel zu früh. Ich müsste doch erst nochmal ähäm.. also so ein großes Geschäft machen. Aber da fiel mir wieder ein, dass genau das Gefühl ja doch ein eindeutiges Zeichen sein sollte. Also ab nach drüben und in den Vierfüssler.

Ich halte mich am Sofa fest und denke, ja, jetzt wird das knackiger, da klingelt es an der Tür. Meine Schwiegermutter steht da, mein Kind ruft, es kommt Kacka, was sich als Kindspech entpuppt und plötzlich ist klar, das Kind hat sich NOCHMAL gedreht. Es kommt in Beckenendlage. Ach du Schreck. Mein Mann fragt, geht das denn? Und ich weiß, ja das geht. Das kriegen wir hin. Meine Hebamme ist ganz nah bei mir und sagt mir, dass wird sich anders anfühlen als beim letzten Mal, da kommt schon der Po. Ich höre meine Große etwas sagen, halte inne, spüre die Dehnung und da kommt auch schon der Rest des Kindes mit der nächsten Wehe.  Das Kind hat die Nabelschnur mehrmals um den Hals gewickelt, ich drehe mich nach hinten, ist da alles gut? Da brüllt sie auch schon. Alles gut. Und diesmal ist wirklich alles gut.

Klingt etwas dramatisch, oder? Aber ganz ehrlich, im Krankenhaus hätte das auch passieren können. Und ich hatte ziemliches Glück, denn meine Hebamme hatte früher in einem Kreißsaal gearbeitet, in dem noch viele Kinder aus Beckenendlagen spontan geboren werden durften.

So war es für mich die sanfte und spontane Geburt, die ich mir so sehr gewünscht hatte. Ohne Geburtsverletzungen (im Gegensatz zur ersten Geburt) und im Kreise meiner Lieben. Zusammen mit meiner großen Tochter lagen wir danach auf dem Sofa, mein Mann hinter uns und die neugeborene kleine Maus suchte zum ersten Mal in ihrem Leben den Weg zur Brust.

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Wir beäugen neugierig unser neues Familienmitglied. Das Bild ist so unscharf, weil wir den Blitz ausgeschaltet hatten. Wir wollten ja niemanden verschrecken. 🙂

Wir warteten die Geburt der Plazenta ab, tranken Tee, ließen die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren und schließlich brachte die Hebamme uns alle ins große Bett und wir schliefen zum ersten Mal zu viert. Die Geburt dauerte von der ersten Wehe an nur dreieinhalb Stunden. Das ich gar keine Schmerzmittel bekommen hatte und auch gar keinen Gedanken daran verschwendet hatte, merkte ich erst eine Woche später. 

Und das Fazit? Hausgeburten für alle?

Nein. Jede Frau muss das individuelle Setting für ihre Geburt finden, dass ihr die größte Sicherheit gibt. Das kann zuhause sein, im Geburtshaus, manche möchten sogar in die Natur, andere fühlen sich im Krankenhaus am wohlsten. Das ist völlig okay. Aber es muss die Maxime sein, den Frauen die Wahlfreiheit zu ermöglichen. Und die Geburten müssen an jedem Ort die Chance haben, schön zu werden.

Für mich bedeutete das, dass ich die Selbstbestimmung über meinen Körper, über die Geburtsposition und sogar über die Bewegungsmöglichkeiten während der Eröffnung zurück erlangen musste. Ich brauchte Freiheit, um mich fallen lassen zu können. In meiner eigenen sicheren Höhle. Meine Hebamme hat mal gesagt, ihr Job ist es eigentlich im Hintergrund zu sitzen und einfach da zu sein. Und genau das war sie. Sie gab mir die professionelle Sicherheit und den Zuspruch, als es “hakelig” wurde. Aber ich hatte die Zügel in der Hand.

Viele dieser Dinge ließen sich auch in Krankenhäusern umsetzen.

Eine 1:1 Betreuung während der Geburt sorgt für weniger Interventionen und weniger Schmerzmittel. Weniger Menschen, die in Kreißsäle rein und wieder raus rauschen, sorgen dafür, dass sich die Frau besser entspannen kann. Einer Geburt ihre Zeit zu lassen, sollte auch in Krankenhäusern möglich sein.
Gerade ist eine ganz neue Studie herausgekommen, die zeigt, dass sich die Frauen besonders in sehr großen Kliniken eher schlecht betreut fühlten. Wo viele medizinische Hilfen vorhanden sind, werden sie auch schneller eingesetzt. Das ist ebenfalls erwiesen. Und doch, sterben gerade Geburtsstationen landauf und landab. Das ist eine Katastrophe, die wohl noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Und es kann nicht sein, dass wir da einfach zusehen.

Wir MÜSSEN endlich in die Förderung von Hebammen investieren.

Ich könnte jetzt noch Stunden so weiter reden. Denn wie man auch an der Länge dieses Artikels merkt, es ist mir wahnsinnig wichtig. Ich möchte, dass meine Töchter in 30 Jahren mal bessere und nicht noch schlechtere Bedingungen haben, wenn sie mal selber Kinder bekommen wollen. Und ich wünsche mir, dass wenn ich in Zukunft mal von meiner Hausgeburt erzähle, nicht jede zweite Frau mir sagt, dass sie selber ein ganz schlimmes Erlebnis im Krankenhaus hatte.

Allen werdenden Müttern möchte ich Folgendes mit auf den Weg geben: Erkundigt euch, wie eine Geburt abläuft. Welche Phasen gibt es, was passiert wann? Lest Geburtsberichte und macht euch schlau, was ihr euch für eure Geburt wünscht. Und dann beauftragt jemanden an eurer Seite, (Mann, Hebamme, Mutter, Doula) der während der Geburt eure Interessen im Sinn hat und sich für diese einsetzt. Ich bin sicher, dass auch in Krankenhäusern tolle Geburten stattfinden können. Aber es schadet nicht, wenn WIR uns vorher selber so gut es geht vorbereiten.

Wer mehr Infos zu dem Thema sucht, dem empfehle ich die Seite von mother-hood.de Der Verein setzt sich für bessere Rahmenbedingungen in der Geburtshilfe ein.

Absolut empfehlenswert ist auch der Film: Die sichere Geburt.

Wie immer freue ich mich sehr, von euch zu hören. Was habt ihr erlebt? Hattet ihr eine schöne Geburt? Oder was glaubt ihr, hätte anders laufen sollen? Habt ihr selber Geburtsberichte verbloggt? Dann verlinkt sie doch gern hier in den Kommentaren. 🙂

Love, eure Sonja <3

4 thoughts on “Blogparade: Was ist Geburt? – Von einer Krankenhaus- und einer Hausgeburt

  1. Liebe Sonja das ist ein sehr ausführlicher toller Bericht! Du ermutigst wirklich jede Frau damit, für ihr Recht auf eine schöne und“möglichst“Selbstbestimmte Geburt zu kämpfen!!
    Von Glück kann ich bei meinen Krankenhausgeburten mit sehr fähigem Personal sprechen und bin sehr dankbar darüber. Es erschreckt mich das es scheinbar leider nicht selbstverständlich ist . Traurig oft auch gerade aus Personalmangel oder Überforderungen das so schnell Fehler gemacht werden ubd Frauen übergangen werden. Meine Schwägerin musste ein echtes Trauma aufarbeiten. Es geht um hierbei menschlichkeit, Einfühlungsvermögen und Liebe. Immer. Meine Hebamme hat mich bei der Nachsorge umarmt und gezeigt wie stolz sie auf mich ist. Da konnte ich merken wie sehr sie den Beruf lebt. Das sollte allen so möglich sein diesen Beruf von Herzen gerne zu machen! Beste Arbeits-Bedingungen und Wohlfühlatmosphäre schaffen. So enorm wichtig . Under Kreissaal war auch eher Krankzimmer aber trotzdem durch eben besagte Hebamme echt ok für mich. Eine Hausgeburt würde ein drittes Kind auch werden!! Das packen wir wenns nochmal so sein sollte. Momentan genießen wir sehr die Zeit zu viert denn die ist sehr erfüllend!!
    Liebe Grüße
    Anne

    1. Liebe Anne, danke für deinen ausführtlichen Kommentar. 🙂 ich glaube auch, dass viele Sachen einfach durch Personalmangel und andere “Zwänge” schief laufen… Deswegen ist es ja so wichtig, dass sich an den Rahmenbedingungen wieder was ändert. Gerade wenn man betrachtet, dass die Geburtenzahlen ja auch schon wieder steigen. Uns geht es ähnlich mit der Kinderzahl. Wir fühlen uns auch gerade zu viert sehr wohl. Aber so ein Nachzüglerchen könnt ich mir evtl auch nochmal vorstellen… 😉 mal sehen, was die Zeit so bringt.
      Ganz liebe Grüße,
      Sonja

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