Fünf Minuten Entspannung für Mama – warum ist das so schwer, verdammt?

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Photo by NeONBRAND on Unsplash

Ich sitze am Tisch, starre in den Garten und nippe an meinem Tee. Die Kinder sind in der Kita, der Einkauf erledigt, die Spülmaschine ausgeräumt. Heute ist mein freier Tag. Bis kurz nach zwei. Denn dann gehts zurück zur Kita. An allen anderen Wochentagen sehne ich mich nach diesem freien Vormittag. Denn der verspricht durchatmen, mal ein paar Stunden Erwachsenenmusik hören, ein bisschen bloggen, was mir halt so einfällt. Also wenn der Wocheneinkauf erledigt ist, und der Schornsteinfeger da war und ich beim Frauenarzt mein neues Rezept abgeholt habe. Danach dann… dann kann ich mich endlich erholen.

Habe ich dann aber alles erledigt, sitze ich da, starre in der Gegend rum und fühle mich trotzdem rastlos. Im Kopf rattern Aufgaben, vor den Augen stehen Wäscheberge, die elternzeitgebeutelten Finanzen machen mir Sorgen – nur irgendwo anfangen mag ich nicht. Ich fühl mich schwer und seltsam antriebslos. Komme weder vor noch zurück. Abschalten ist gar nicht so einfach.

Wie machen das die anderen nur? 

Und dann daddel ich blöde mit dem Handy rum, vertrödel Zeit auf Instagram, Facebook  und Pinterest und sehe, wie viel Output die anderen Bloggerinnen raushauen. Und ich frage mich, wann zur Hölle machen die das nur? Schreiben die alle nachts? Lassen die alle von anderen ihre Wohnungen putzen? Kennen die überhaupt Geldsorgen oder sitzen die in ihren geleckten und perfekten Instastylishen Häusern und Vatti bringt nicht nur gutgelaunt die dicke Knatter mit nachhause, sondern gleich auch noch allein die Kinder ins Bett?! Oder ist einfach nur meine Zeitplanung scheisse? Also hey, ihr da draussen, wie macht ihr das?

No Mutti is perfect – und ich bin nicht allein 

Zum Glück bin ich auf die tolle Blogparade von Gänseblümchensonnenschein und Stadtmama mit dem mehr als coolen Hashtag #nomuttiisperfect gestossen und fühle mich wieder einmal aufgefangen in diesem wunderbaren Netz. Das eben nicht nur Hass und Neid  hervorrufen kann, sondern auch ein großes Miteinander, ein Wir-verstehen- uns und wir-stehen-uns-bei. Denn oh Wunder, vielen anderen geht es genauso wie mir. Auch die stylishste Wohnung ist vielleicht gerade nur in einem echt guten Winkel fotografiert worden; die Mama, die ohne Ende Content raushaut, macht das vielleicht wirklich nachts, weil sie nicht wieder einschlafen kann, wenn die Kinder ständig aufwachen und was brauchen. Und der Vatti, der zwar das dicke Konto mitbringt, ist dafür die ganze Woche unterwegs.  Irgendwas ist doch immer. Bei uns allen.

Wir müssen wieder lernen zufrieden zu sein

Warum ist es eigentlich so schwer, das Schöne zu sehen, dass wir selber haben? Warum müssen wir immer nach dem vermaledeiten grünen Gras der (Insta-) Nachbarn schielen? Irgendwie liegt das wohl in unseren Genen. Unsere Großmütter haben sich mit ihren Nachbarinnen verglichen, wir nehmen uns gleich die halbe Welt als Vorbild. Aber warum tun wir uns das an?

Weil wir es verdammt nochmal gut machen wollen. Weil wir die Kinder nicht nur irgendwie groß kriegen wollen. Wir wollen, dass sie eine schöne Kindheit haben. Und dabei schiessen wir dann gern mal übers Ziel hinaus. Weil wir glauben, dass wir alles selber backen, nähen und basteln müssen. Weil nur das Ökobio-Essen gut genug, nur das Montessori-Spielzeug wertvoll genug ist. Wie weit dieses Optimierungsverlangen gerade auch in der bedürfnisorientierten Community ist, hat Nora Imlau gerade ja sehr schön beschrieben. Und ich kann ihr nur beipflichten: Gut ist gut genug. No Mutti is perfect, man kann es ja gar nicht oft genug sagen.

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Und so sieht das dann aus, wenn ich versuche den Blogeintrag fertig zu schreiben, während die Kinder um mich rum tanzen. 🙂

Entspannung – aber wie denn nun? 

Zurück also zum Anfang. Ich sitze da mit meiner Tasse Tee und starre in den Garten. Ja und? Das langt doch! Verdammt! Selbst wenn es um Entspannung geht, erwarte ich immer noch mehr von mir. Was denk ich denn da eigentlich? Zählt nur die Meditation im Yoga-Kopfstand als “echte” Entspannung? Warum nicht einfach mal Zeit ganz blöde vertrödeln? Wenn doch die meisten Stunden der Woche immer mit sinnvollen Aufgaben aufgefüllt sind. Warum nicht einfach drei Stunden lang die Lieblingsserie binge-watchen statt den Blog auf tausend Social Media Seiten zu pushen? Wir sind es so gewohnt, uns ständig um alles Mögliche zu kümmern, dass wir dabei total verlernen, die Dinge einfach mal laufen zu lassen.

Ich behaupte: alles, was den Kopf frei macht, ist erlaubt. Alles, was hilft, mal ein paar Minuten nicht an Listen, Konten und To-Dos zu denken, ist gut. Gut genug. Punkt. So und jetzt mach ich mir meine Lieblingsschokolade auf und setz mich aufs Sofa.

Und dann kommt alles anders 

Tja, denkste. Während ich hier so die letzten Zeilen Korrektur lese, kommt ein Anruf aus dem Kindergarten. Die Große hatte einen Unfall und muss vielleicht genäht werden. Also nichts mit abschalten, stattdessen wieder Mama-Vollprogramm. Zwei Stunden, einen Kinderarzt- und einen Notaufnahmebesuch später, sitze ich mit der Großen auf dem Sofa. Und denke, scheiss drauf. Wer sagt eigentlich, dass ich nicht entspannen kann, wenn die Kinder da sind? Also gönnen wir uns eine Portion Eis und schauen gemeinsam eine Runde Paw Patrol, bevor wir losziehen, die Kleine aus der Krippe abzuholen. Wirklich planbar ist der Alltag mit Kindern halt nicht.  Also genießen wir jetzt einfach den Augenblick. Und wer sagt, dass zusammen kuscheln und gemeinsam die Lieblingsserie gucken, nicht auch manchmal genau das Richtige sein kann? Für Kinder und Eltern.

Fällt euch das Abschalten auch so schwer? Oder seid ihr total chillimilli unterwegs und das ganze Kinder-Arbeits-Alltags-Chaos lässt euch völlig kalt? Ich freu mich von euch zu hören.
Love, eure Sonja ❤

 

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5 thoughts on “Fünf Minuten Entspannung für Mama – warum ist das so schwer, verdammt?

  1. Hi Sonja, das ist ein sehr schöner Beitrag 🙂
    Meine beiden Jungs sind schon etwas älter, aber ehrlich gesagt, das Chaos bleibt. Mein Ältester hat aufs Gymnasium gewechselt und die Nachmittage drehen sich gefühlt nur noch um die Hausaufgaben. Zwischendrin dann mal schnell die Hausaufgaben des Kleinen und ein bisschen Haushalt oder Arbeit. Ich kenne das, was du von dir beschreibst sehr gut – und das jetzt schon 11 Jahre… Bei uns ist nix geleckt. Viel Chaos und aufgeschobene Hausarbeiten. Und oft das, was du beschreibst: Sehnsucht nach mehr Ruhe und Ordnung. Das Überlegen, ob es nicht schön wäre, eine Putzhilfe zu haben oder größere (= ordentlichere?) Zimmer usw. Was mir ab und zu gelingt – und was ich anstrebe auszubauen, ist Folgendes: Im Chaos entspannen. Innerlich ruhig bleiben. Genießen, dass die Kinder jetzt noch (ständig…ok, naja) was von einem wollen. Das Kind auf dem Schoß haben, oder bei einem Spiel etc neben sich – und es ganz intensiv anschauen und wahrnehmen und sich daran freuen, wer es ist. Stolz und glücklich sein, dass es da ist und ich diesen Moment haben kann. Das tut mir dann echt gut! Und füllt mein Akku auf. Wäscheberge erledigen, putzen, Orga… das ist alles nicht mein Ding – da muss ich durch. Aber die “Störmomente” mit den Kids anders auffassen – das ist der Dreh. So wie du und deine Tochter mit Eis vor dem Fernseher 🙂 Na klar ist das Glück!

    1. Oh danke für deinen tollen Kommentar. Ja dieses im Moment leben, können wir uns echt bei den Kindern abgucken. Kein Links und rechts, einfach mal genau das JETZT genießen. Und du hast natürlich völlig Recht: Ich bin so froh und dankbar für die vielen wunderbaren kleinen und großen Momenten mit den Zwergen. Das würde ich für nichts auf der ganzen Welt eintauschen wollen. 🙂 Egal wie schick die Wohnung dann wäre. Ich glaube, wenn die Kinder erstmal aus dem Haus sind, ist es wohl genau das Chaos und Durcheinander und eben Leben, was wir vermissen. 😉

  2. Tausend Daumen hoch für deinen Artikel! Denn genau so ist es. Der Kopf quillt über vor lauter To Dos und man reibt sich ständig nur selbst auf. Im Moment liegt meine kranke Tochter schlafend auf mir und ich kann nichts im Haushalt etc machen. UND ICH GENIEßE ES!

  3. Ich bin ganz bei dir meine Liebe… ich fühle mich nicht mehr schlecht nur weils hier eben nicht perfekt aussieht und ich einige Dinge einfach nicht schaffe. Dann ist es halt so. Meine Kinder sind glücklich und werden später bestimmt nicht sagen: Oh ja bei uns zu Hause sah es immer aus „wie geleckt“ meine Mutter hat den Haushalt immer perfekt gemacht das beste war die Ordnung und Sauberkeit und wir Kinder haben uns immer nur alleine beschäftigt das war total toll😂…Neeein sie werden hoffentlich zurückblicken und sagen wir hatten eine tolle Zeit miteinander♥️ Und das zählt

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