Shopping Diät – Woche 1: Überall Verführungen

“Mich kann man kaufen
und es gibt mich im Sonderangebot.
Ja ich bin käuflich und zwar täglich,
rund um die Uhr.
Also kauf mich, bitte kauf mich.
Komm und kauf mich! ”  – Toten Hosen

 

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Photo by Igor Ovsyannykov on Unsplash

Sind Kontaktlinsen eigentlich Luxus oder ein medizinisches Produkt? Mit dieser Frage starte ich grübelnd in den ersten Tag meines Shopping Detox Projektes. Beim morgendlichen Fertigmachen im Badezimmer fällt mir nämlich leider die rechte Kontaktlinse ins Waschbecken und verschwindet sogleich im Ausguss. Ich fummel also die Packung aus der Schublade und sehe, dass ich nur noch eine einzige Linse übrig habe. Mist. Höchste Zeit also für Nachschub zu sorgen.

Kontaktlinsen vs Brille

Im Vergleich zu meiner Brille, die ich einmal bezahlt habe, sind die Kontaktlinsen auf jeden Fall Luxus. Aber ich mag meine Linsen so. Gerade mit kleinen Kindern finde ich sie doch so viel praktischer. Keine Fingerpatscher auf dem Glas, niemand kann sie mir von der Nase reißen und lachend damit davon rennen, morgens rein, den ganzen Tag glücklich sein. Passt. Aber ach, selbst die zwei günstigen 3-er Packs (jedes Auge hat ja eine andere Stärke) kosten im Angebot zusammen noch rund 40 Euro. Ist jetzt nicht unendlich teuer, aber immer noch teurer als meine Brille. Ich beschließe, die Entscheidung erstmal zu vertagen. Wenn ich zwei Wochen lang meine 20 Euro-Reserve spare, dann kann ich mir die Linsen ja gönnen.

Von Shopping-Gutscheinen und Prospekten

Sie machen das ja schon ziemlich gut, diese Werbeheinis. Ständig werden wir mit Werbung zugeballert. Und ganz oft merken wir das nicht einmal. Als ich an diesem ersten Tag auf der Arbeit ankomme, finde ich in meinem Rucksack den Gutschein, den ich zu meinem Geburtstag bekommen habe. 10 Euro Rabatt beim nächsten Einkauf im Shoppingcenter um die Ecke. Den hatte ich mir schon mal in die Tasche gepackt, bevor ich mich zu meinem Minimalismus Test entschlossen hatte.
Später liegt der neue Prospekt mit Frühlingskleidung im Briefkasten. Vertbaudet, Jako-O, Mini Boden – alle wollen mein Geld. Seit ich Kinder habe, ist die Verführung gleich doppelt so groß. Wenn ich schon nichts für mich kaufe, dann finde ich doch sicherlich immer eine Kleinigkeit für meine Mädels. Die passen auch in alles rein. Bei denen zwickt und zwackt nichts am Bauch oder am Po. Und wenn es keine Kleidung ist, dann vielleicht ein neues Buch für abends? Kinderbücher gehen bei Bücherwürmern wie mir ja immer. Und da freuen sich die vorlesenden Eltern und die Kids gleich mit. Passenderweise trudeln auch gerade die letzten zwei Pakete von vor der Shopping Diät ein. Jetzt fehlt nur noch ein Paket mit neuen Stoffen, die nächste Verführungsquelle, dann ist aber Schluss. Dann müssen wir mit dem hinkommen, was wir hier im Haus haben. Das ist ja auch gar  nicht so wenig. Eigentlich.

Geld ausgeben gegen Langeweile

Als ich an meinem freien Tag alles im Haushalt erledigt habe, kommt bei mir fast ein bisschen Langeweile auf. Ich sitze also mit dem Handy auf dem Sofa. Bekomme Push-Nachrichten von Zalando, die ich direkt mal lösche. Hah, nicht mit mir. Ob ich auch die App löschen sollte? Hach… später vielleicht. Ich könnte ja mal ein wenig gucken… irgendwie fühlt sich das aber leer an. Lege das Handy weg.
Was mach ich jetzt mit meiner Zeit?
Beschließe endlich wieder Sport zu machen und unsere Fitness-Ecke unterm Dach zu entern. Ich bin ja auch eigentlich schon wieder gesund und wollte da längst mal wieder hin. Also los, ran an die Geräte. Das fühlt sich erstaunlicherweise richtig gut an. Könnte Bäume ausreißen. Habe danach noch so viel Energie, dass ich endlich auch den Stoff, der seit Wochen neben der Nähmaschine rumlungert bearbeite. Nähe mir also jetzt einfach ein neues T-Shirt und die neuen Bezüge für die Sofakissen, die ich auch schon längst nähen wollte. Fühle mich ziemlich gut danach. Super-Mum lässt grüßen. Hah, ich bin frei vom Konsumterror. Seht nur, wie ich der Versuchung trotze!!  Selber machen ist ja so viel befriedigender als am Handy Knöpfchen drücken.

Kribbeln in den Fingern und im Kopf

So ganz frei bin ich wohl doch noch nicht. Beim Spülmaschine einräumen, träume ich von neuem Geschirr. Im Kindergarten bewundere ich die coolen Sneaker der Mama neben mir. Am nächsten Morgen habe ich mal wieder einen “Ich habe nichts zum Anziehen Tag”. Finde jede Kombination blöd, fühle mich zu dick, die Jeans ist auch schon ganz schön oll. Na toll, so muss ich jetzt ins Büro. Hilft nix, keine Zeit mehr.

Fühle mich tatsächlich wie bei einer Diät, bei der ich anfange von Essen zu fantasieren. Fast wie  Phantomschmerzen. Hört das irgendwann auf? Das sind ja schon fast Suchtsymptome. In meinem Kopf taucht ein Gedanke immer wieder auf: “Ach, das brauchen wir auch echt mal wieder. Aber geht ja gerade nicht. Schade.” Das, was wir so dringend brauchen, ist meist irgendein Krempel. Eine neue Kaffeekanne, ein Trampolin für die Kids, neues Kindergeschirr, hab ich überhaupt schon von unserem ollen Geschirr erzählt? Und die Stühle, ach ich hätte so gern neue, moderne Stühle zu unserem selbstgebauten Tisch. Die will ich schon seit Monaten. Am Anfang brennt dieser Gedanke fast heiß in meinem Kopf. Nach und nach verblasst das Verlangen dann aber wieder, weil ich ihm ja nicht nachgebe. Und ein paar Tage später bin ich sicher, BRAUCHEN tun wir das sicher nicht. Und vor allem nicht sofort. Schon verrückt.

Gehts euch auch so da draussen, die ihr mit fastet? Habt ihr voll coole Tipps dagegen?
Bin schon sehr gespannt, wie die nächsten Tage laufen.

Love, eure Sonja <3

so funktioniert die shopping diät

 

10 thoughts on “Shopping Diät – Woche 1: Überall Verführungen

  1. Hi Sonja,
    Ich bin so fasziniert davon , wie unfassbar gleich wir ticken. 😆
    Tatsächlich bin ich die meiste Zeit doch recht abgelenkt von diesen Gedanken, aber wenn mal eine freie Minute besteht … 😱 Also ran an die Projekte: neues Buch angefangen zu lesen (lag noch im Regal), Nähmaschine rausgeholt, extra lange telefoniert, früh schlafen gegangen. Ha, hat erstmal gut funktioniert.
    In Woche 2 wird auf jeden Fall wieder gesportelt, bin nämlich auch wieder fit. Alles was im Haushalt vorhanden ist, wird als gut und ausreichend befunden. Und ich werde definitiv die Zalando-Wunschliste leeren/löschen.
    Meine neue Idee vorhin, ein Flash-Light fürs Smartphone zu kaufen, kommt auf eine andere Wunschliste. Hat sich als sinnvoll erwiesen, solche Ideen erstmal „reifen“ zu lassen. Manches erübrigt sich dann nämlich von allein.
    Soviel dazu ☺️

    1. Hihi… das hört sich echt sehr ähnlich an. Krass, wie viel wir eigentlich zuhause rumfliegen haben, was wir gar nicht mehr so wahrnehmen, oder? Früh schlafen gehen gefällt mir sehr als Tipp! 😁

  2. Ach so, meine Kontaktlinsen gehören für mich nicht zu Luxus. Die gehören wie Creme und Consealer zum „ich fühl mich so viel wohler“-Equipment.
    Klamotten für‘s Kind? Sind definitiv auch erstmal genug da. Aber wenn da was gebraucht wird, muss das natürlich schon sein. Dann kauft es am besten der Mann ein 😁

    1. Oh die Erklärung find ich gut! Ich werd auch neue bestellen. Die Brille nervt mich auch immer so und drückt an der Nase. Wir sind halt nicht so richtig Freunde. 😅

  3. Kontaktlinsen habe ich auch mal probiert. Bin aber bei Fielmann umgekippt, als ich die einsetzen musste 😀 ich kann einfach nicht im Auge rumpulen. Und mittlerweile liebe ich meine Brille wirklich, es hat zwar länger gedauert bis ich die richtige gefunden habe, aber jetzt bin ich total zufrieden.
    Beim joggen allerdings lass ich die Brille zu Hause, je nach Wetter sieht man nach spätestens 10 min sowieso nix mehr 😀

    Liebe Grüße!

    1. Hihi…. Ja am Anfang ist das echt fies mit den Linsen. Mir ist auch schon alles passiert. Links und rechts verwechselt, Linse auf links ins Auge, Linse versucht aus dem Auge zu pöbeln, die ist aber Stunden vorher verloren gegangen… 😅 Aber jetzt läuft’s ganz gut mit uns. Meistens. Brille hab ich während der Schwangerschaft und Stillzeiten auch mehrere Jahre getragen. War aber echt ein ständiges Angriffsziel für die kleinen Popel. 😁 Ist halt einfach Geschmackssache. Ganz liebe Grüße zurück!!

  4. Wow!!! Deine Idee mit dem
    shopping-detox ist so sinnvoll!!! Ich finde mich auch in vielen deiner Gedankengänge wieder. Eigentlich sind wir alle doch Konsumopfer… Wirklich schlimm mit den Verführungen überall 🙁 und wenn man sich was gönnt, was man ja so dringend (nicht) braucht…zack! Schlechtes Gewissen. Zumindest geht es mir oft so.In ein paar punkten schaff ich ein bisschen mehr Nachhaltigkeit:
    Ich versuch meine Klamotten und co. aufzutragen (ich passe da nich immer rein in meinen Schrank sind 3 Größen…hahaha), die Kinder bekommen viel Gebrauchte Kleidung aus der Familie. Ich shoppe tatsächlich wenig für die Kinder online.
    Immer wieder mach ich auch die Erfahrung das richtig shoppen im Laden viel sinniger ist, mehr Spaß machtbund man dann auch( manchmal)weniger mitnimmt. Anprobieren, einfach stöbern auch das ist ein anderes Gefühl. Ach ja…. immer diese Glückgefühle im h&m oder so… ich versuche mir jetzt mal ein Beispiel an dir zu nehmen!!

    1. Oh Anne, danke für deinen Kommentar. Ich hab auch drei Größen im Schrank. Momentan bin ich wieder am zunehmen, und weiß gar net so genau warum… heul… Jetzt nach den ersten Wochen gehts mir tatsächlich auch echt besser mit dem shopping detox. Dieser stete Drang was zu kaufen, ist schon erheblich besser geworden und ich bekomme ein Gespür für meine persönlichen Triggermomente. Ich werd diese Woche sicher den nächsten Beitrag dazu schreiben. 🙂 Ganz liebe Grüße

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