Meine Shopping Diät Teil 3 – Hallo Fastenhoch

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Photo by Courtney Prather on Unsplash

Wer traditionell fastet, berichtet ja gern vom Fastenhoch.  Das soll sich nach den ersten schwierigen Tagen einstellen. Auf einmal fühlst du dich leicht und kraftvoll, vorbei sind die Tage des Jammerns. Du bist energiegeladen, motiviert und könntest Bäume ausreißen. Was soll ich sagen, das  funktioniert auch beim Shoppingfasten. Ist das nicht toll?

Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten haben sich meine Entzugserscheinungen ziemlich gelegt. Mein Finger zuckt nicht mehr so oft um die Onlineshops herum, mich zieht es weniger in die Shoppingcenter, ich schaue nicht mehr so neidisch auf die vermeintlichen Dinge, die ich unbedingt haben muss.

Meine Einstellung zum Konsum verändert sich

Was hat sich in den letzten Wochen genau getan? Anscheinend kann Verzicht wirklich glücklich machen. Aber warum ist das so? Ein Erklärungsversuch:  In unserer heutigen Gesellschaft leben die meisten Mittelständler (zu denen ich mich zählen würde)  in ständigem Überfluss. Und das nehmen wir allzu oft nicht mal wahr. Warum? Weil wir ständig nur dorthin schielen, wo unserer Meinung nach die Sonnenseite des Lebens ist. Wir vergleichen uns mit Menschen, die mehr verdienen, mehr reisen, (angeblich) bessere Kleidung tragen, das schönere (teurere?) Auto fahren und dabei auch noch mehr Zeit vom Leben haben. Und dieses Vergleichen ist echt der letzte Scheiss. Sorry für die Wortwahl.

Dieses Streben nach MEHR ist nicht das, was uns glücklich macht.

Es erfüllt uns nicht tief in unserem Innersten, wenn wir die angesagteste Jeans tragen. Dazu braucht es etwas anderes und das hat wenig mit materiellen Werten zu tun. Natürlich hat Shoppen das Potential Glückshormone auszulösen. Aber diese sind eben nicht lange von Bestand. Zumindest ist das bei mir der Fall.

Als ich meinen erste richtige Anstellung nach dem Studium bekam, leistete ich mir einen Neuwagen. Jahrelang fuhr ich alte Gurken und träumte von funktionierenden Klimaanlagen und wasserdichten Fenstern. Ich kaufte mir daraufhin einen neuen Ford Ka. Kein Statussymbol,  aber neu und meins. Tja, was soll ich sagen… Am Anfang war ich stolz wie bolle, weil ich mir das hart erarbeitet hatte. Doch das Glück währte nicht lang. Nach kurzer Zeit bereute ich doch, so viel Geld ausgegeben zu haben, das nicht wirklich nötig gewesen wäre. Nicht, weil ich das Geld nicht mehr hatte. Sondern weil das Gefühl verloren war.
Langfristig glücklich macht mich eben etwas anderes. Meine Familie, Zeit mit meinen Freunden, mein Job, der mich erfüllt oder auch Zeit in der Natur.

Was hat das mit dem Shopping Fasten zu tun? Mein Verhalten ändert sich.

Auf etwas zu verzichten, öffnet den Raum für Neues. Ich ändere meine Gewohnheiten und habe so plötzlich Zeit für anderes. Minimalismus bedeutet auf Dinge zu verzichten, weil ich es kann. Diese bewusste Entscheidung macht mich frei, gibt mir Kraft und eröffnet mir neue Perspektiven. Ganz praktisch sieht das so aus:

  1.  Ich surfe nicht bei Zalando, sondern lese ein Buch. Wie wunderbar sich dieses ganz und gar Analoge anfühlt. Ich habe ein echtes Buch in der Hand, mit Seiten zum umblättern, verkrümel mich im Bett unter der Decke und schalte die Welt aus. Ganz schön oldschool, oder? 🙂
  2. Ich sehe mich nach Alternativen um. Wenn ich wieder einen Kleiderschrank-Rappel bekomme, laufe ich nicht sofort ins nächste Einkaufscentrum, weil ich nichts zum anziehen habe. Stattdessen stelle ich meinen Schrank richtig auf den Kopf und ziehe Sachen heraus, die ich ewig nicht getragen habe. Außerdem recherchiere ich gerade gut sortierte Secondhand-Shops und FairWear-Labels für die Zukunft. Tipps anyone? Immer her damit.
  3. Wenn die Sehnsucht nach einem neuen Kleidungsstück zu arg wird, setze ich mich an die Nähmaschine. Genug Stoff hab ich – oh Wunder- eh zuhause liegen.

Brauche ich das wirklich?

Ich merke, dass mir diese Frage wieder in Fleisch und Blut übergeht. Früher als Studentin habe ich mich notgedrungen ständig damit beschäftigt. In den letzten Jahren habe ich das sehr vernachlässigt. Dabei ist es – so simpel wie es klingt – so sinnvoll, einen Schritt zurück und in sich zu gehen. Nach ein paar Tagen oder Wochen zeigt sich sehr deutlich, welche Anschaffung tatsächlich nötig ist. Alles andere dient nur der schnellen Bedürfnisbefriedigung. Nur für den Kick, für den Augenblick. Tatsächlich.

So möchte ich weitermachen

Bis Ostern werde ich mich weiterhin wie geplant in Verzicht üben. Das bedeutet, es werden nur Lebensmittel oder Hygieneprodukte gekauft. Sollte für die Kinder etwas wirklich nötig sein, wie z.B. neue Frühlingsmatschhosen, weil sie aus den alten wirklich rausgewachsen sind, dann ist das so und dann wird das auch gekauft. Luxusartikel aber wie Kosmetik oder ähnliches für mich ist weiter tabu.

ABER…

und jetzt kommt das große Aber.  Ausnahmen bestätigen die Regel, oder? Eine Sache muss ich gestehen und ich bin gespannt zu hören, wie ihr dazu steht. Ich habe mir eine Ausnahme für meine Fastenzeit genehmigt. Leider ist meine Oma in der letzten Woche im Alter von 87 Jahren verstorben. Diese Woche steht ihre Beerdigung an und ich habe beschlossen, dass ich mir dafür eine schwarze Jeans kaufen werde. Shopping Diät hin oder her.
Ich möchte meiner Oma den nötigen Respekt zollen und nicht in der ausgeleierten und viel zu großen Schwangerschaftshose oder in dem glitzernden Abendkleid dort auftauchen. Das wären nämlich meine Alternativen gewesen, weil ich so gut wie nie schwarz trage.

Eine neue Jeans brauche ich tatsächlich. Das hat sich in den letzten Wochen herauskristallisiert und stand ohnehin auf der Liste für die Zeit nach Ostern. Meine beiden Lieblingsjeans lösen sich an den Schenkeln auf. Leider! Ich habe sie jetzt während meiner Shopping-Diät trotzdem tapfer getragen, aber so langsam fange ich an, mich zu schämen und vor allem den totalen Exitus – also ein Platzen der Nähte – zu befürchten. Ich sag nur #mermaidthighs. 😉

Und in der Zukunft?

Da werde ich NICHT so streng mit mir umgehen, wie ich das jetzt gerade tue. Ziel dieses ganzen Projektes war und ist kein völliger Verzicht, sondern ein bewussterer Konsum. Ich möchte also weiter Listen anlegen, Wünsche vertagen und überdenken. Für immer aus dem “herkömmlichen” Konsum auszusteigen, kann ich mir nicht vorstellen. Ich möchte mich lieber um das Thema Nachhaltigkeit kümmern.

Außerdem will ich ausmisten. Frühjahrsputz passt ja auch prima in die Osterzeit. Und da ich das ohnehin zweimal im Jahr mache, freue ich mich schon richtig auf mein Entrümpelungsdate mit meinem Kleiderschrank am nächsten Wochenende.  Erst vor kurzem habe ich unser Wohnzimmer, das ja ohnehin Spielplatz, Esszimmer und Sofaecke beheimatet, einem Update unterzogen. Und diese Klarheit, die die Regale nun ausstrahlen, die find ich ziemlich gut. Freunde schmunzeln jetzt sicher, weil hier im Haus trotzdem unendlich viel Zeugs rumfliegt. Aber ich will mich ja auch nicht verstellen, sondern einfach ein bisschen mehr Freiraum. 🙂

 

Also was sagt ihr dazu? Ist es verständlich für die Oma zu “schummeln” und einen Cheatday einzulegen oder ist das ein totaler Regelverstoß? Beschäftigt ihr euch mit nachhaltigem Konsum? Oder vielleicht sogar Zero Waste? Wenn ja, dann bin ich gespannt auf eure Tipps und Erfahrungsberichte. So oder so, ich wünsch euch allen einen guten Start in die Woche.  Love, eure Sonja <3

Weiterlesen:

Shopping Fasten – meine etwas andere 40 Tage Diät

Shopping Diät – Woche 1: Überall Verführungen

smoothie

 

3 thoughts on “Meine Shopping Diät Teil 3 – Hallo Fastenhoch

  1. Hallo meine Liebe,
    kauf die Jeans! Die kaufst ja kein komplettes Outfit drum herum. Bei den Temperaturen ist nackt gehen auch keine Alternative 😉 es ist ja kein Langeweile- Shopping sondern eine notwendige Anschaffung, vor allem wenn sich die anderen Jeans auflösen – auch zur Arbeit solltest du begleitet erscheinen 😉
    Ich hab den Shopping Konsum für mich fast völlig reduziert. Neulich hab ich mir ein Satz T-Shirts geholt, war notwendig. Socken wären es auch mal wieder. Die haben alle Löcher 😉 leider hab ich mich bei meinen Kindern nicht so im Griff 🙁 ich hab halt gern Kinderbücher im Petto, falls wir einen besonders miesen Tag haben und ich etwas zaubern muss 😉
    Zu den FairLabels:
    Armed Angeles
    Greenality
    Hess Natur
    Haben immer mal wieder schöne Dinge. Irgendwann will ich mich mal an ne bio fairtrade Jeans ran wagen 😉 wenn ich wieder eine beauche… 😉
    Xx

    1. Danke für deine lieben Worte Miriam. Mir fällt es bei den Mädels auch doppelt schwer. Denen passt auch noch so gut wie alles, im Gegensatz zu mir. Da sitzt das Geld bei mir noch lockerer. Und Kinderbücher .. ach die könnte ich auch ständig kaufen. Ich liebe das Lesen auch so. Danke für deine Tipps. Greenality hatte ich schon wieder total verdrängt. Und Hess Natur wollte ich mir auch schon ewig mal näher anschauen. Mache ich jetzt mal. Hab einen tollen Tag mit deinen Kids. LG Sonja

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