Me, my Mamaself and I – Vom ständigen Kampf den Afterbabybody zu akzeptieren

Jetzt sind die Osterferien wieder rum. Und was bleibt? Erinnerungen an viele nette Stunden mit Familie und Freunden. Und eine Schublade. Voll mit Schokohasen, Eiern und mehr. Und mein Bauch. Ja, der Bauch, der auch bald zwei Jahre nach der letzten Geburt so rund und weich aussieht, dass Nachbarn, Fremde oder meine Kinder dort noch immer ein Baby vermuten.

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Alles eine Frage der Perspektive. Auf diesem Bild find ich mich ausnahmsweise mal ganz okay. Aber dieses von oben fotografieren ist ja auch besonders schmeichelnd. 😉

Kein Baby mehr an Bord 

Da ist aber keins mehr. Nur weiche Haut. Und Speck. Und Erinnerungen. Und Streifen. An vielen Tagen ist das total okay. Body Positivity finde ich toll. An anderen Tagen aber nervt mich dieses weiche Ding in meiner Mitte einfach sehr.
Dann schaue ich die anderen Mamas an und natürlich sehe ich dann immer nur die Schlanken. Die, die sofort wieder ihre alte Figur haben. 20 Kilo zugenommen? „Tja, selber schuld“ rufen sie mir zu. Wärst du halt mal nicht so zügellos gewesen. Aber das ist bei jeder Frau anders.. möchte ich ansetzen, doch ich verstumme ganz schnell wieder.

Denn ihre Stimmen sind so laut. Sie rufen aus Facebook-Gruppen und ganz schlimm über Instagram. Sie schreien mich von Werbeplakaten und aus Zeitungen an. Und vielleicht fühlen die sich selber auch alles andere als perfekt. Aber das sagen sie mir nicht. Die anderen sind lauter.
Gerade vor ein paar Minuten erst lese ich bei Tollabea, einer Bloggerin, die ich wahnsinnig schätze, den Kommentar einer netten Dame: „Mädels sorry, aber Cellulite ist nicht natürlich!“ Echt jetzt? Ich würde dieser sensiblen und rücksichtsvollen Frau gerne links und rechts eine mitgeben. Ganz höflich versteht sich. Aber ich ärgere mich dann doch nur wieder still in mich rein.

Mein Kopf sagt mir, vergiss diese Stimmen. Aber mein Bauch, mein weicher Bauch, der hört sie doch. 

Und dann verkneife ich mir wieder die Schokolade. Und dann steige ich wieder auf den Crosstrainer unterm Dach. Und dann probiere ich dieses Intervallfasten. Und stemme Hanteln. Und esse kein Brot mehr zum Abendessen und sitze hungrig und schlecht gelaunt auf dem Sofa. Und kann nicht mal den ruhigen Abend genießen, obwohl sogar das Babyphone mal schweigt. Einzig – der Erfolg bleibt aus. Auch das noch.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch bleibt weich.

Dann zeigt die Waage trotzdem wieder mehr an, obwohl ich schwören könnte, dass die Jeans wieder viel besser sitzt. Der Mann erzählt mir dann etwas von Muskeln, die doch mehr wiegen als Fett und das das vom Krafttraining komme. Aber das zu glauben fällt mir schwer. Und dann fühle ich mich schlecht. Dieses Schlecht fühlen ist sehr konsequent. Es kennt keine Ausnahmen. Keine Feiertage, keine Verabredungen. Keine hormonellen Schwankungen, Perioden oder Wassereinlagerungen.

Nur Meckern. Mit mir selbst. „Du musst dran bleiben,“ sagen die Sportler. „Du darfst nicht sofort wieder aufgeben.“ Und „jahrelanges Rumhängen ist halt nicht in vier Wochen wieder abtrainiert. Kein Wunder.“ Und dann bekomme ich schon wieder schlechte Laune und motze mit den Kindern und dem Mann. Obwohl die doch echt nichts dafür können. Obwohl ja irgendwie schon. Aber irgendwie ja auch wieder nicht. Es ist kompliziert. Mit mir und meinem Körper.

Ein Mamakörper darf anders sein, als vor der Geburt.

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Hier haben mal zwei Kinder gewohnt. Das mein Bauch sich nun wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückziehen soll, sieht er gar nicht ein.

Das weiß ich. Und das finde ich auch. Man darf sehen, dass ich zwei Kindern das Leben geschenkt habe. Das ich geboren habe. Und gestillt. Man darf sehen, dass ich mittlerweile 35 und nicht 20 Jahre alt bin. Ich habe Falten, Augenringe und vielleicht auch schon ein graues Haar. Das sieht man in blonden Haaren nur nicht so. Und wenn schon?! Ich habe in den letzten vier Jahren vielleicht eine Handvoll Nächte durchgeschlafen. Das sieht man mir an. Und das ist okay. Dafür bin ich Profihändchenhalterin, Tränentrocknerin, Monstervertreiberin, PippiKackaundKotzewegwischerin. Und das ist gut so. Denn das ist hier gerade viel wichtiger als Popowackeln auf High-Heels. (Das konnte ich eh noch nie.)

Ich weiß auch, dass das Gemecker mit meinem Körper mich eigentlich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Und nie hab ich mich so wohl gefühlt wie heute. (Ja, ich war früher noch viel, viel, viel strenger mit mir.) Seit der Pubertät bin ich mehr #curvy als Bohnenstange. Das muss man auch mal so annehmen. Und die meiste Zeit kann ich das auch ziemlich in Ordnung finden.

Heidi hätte für mich auch vor zehn Jahren schon kein Foto gehabt. Zu klein, zu breite Hüften, zu große Nase. Und trotzdem voll in Ordnung.

Ich weiß das doch. Also warum lasse ich diese Stimmen überhaupt immer wieder an mich heran? Weil es so verdammt schwer ist, als Frau nicht nur nach dem Aussehen beurteilt zu werden? Weil ich mich selber so schwer davon lossagen kann und ja ich möchte mich auch gern selber schön finden. Aber Schönheit hat eben so viel mehr Facetten. Und Wandel braucht Zeit. Auch im Kopf. Weil ich noch immer erwarte, dass da dieses Pre-Baby-Mädchen vor dem Spiegel auftaucht und dann schaut mich da doch eine erwachsene Frau an. Huch.

Also warum kann ich mich nicht einfach immer gut finden? So wie ich bin?

Vielleicht ist das auch zuviel verlangt, sich IMMER zu mögen. Vielleicht ist genau das auch schon wieder viel zu streng. Vielleicht sollte ich mich viel mehr darauf konzentrieren, was gut für mich ist. Was sich gut anfühlt.
Sport ist gut, wenn er mir gut tut. Wenn ich mich auspowern und abschalten kann. Und Sushi mit der Freundin ist auch gut. Sogar abends. Mit Kohlehydraten und Nachtisch verdammt. Und meine Fresse, Cellulite hatte ich schon mit 14 und mit 20 Kilo weniger. Get over it.

Hast du das gehört mein lieber Körper? Du bist gut. So wie du bist.

Auch die weichen Stellen. Und die faltigen. Ausnahmslos. Und wenn du rennen möchtest, dann rennen wir. Und wenn du diese Praline dort essen möchtest, dann geb ich sie dir. Geben und Nehmen – verstehst du? Denn ich brauche dich noch. Und du mich auch. Eine ganze Weile. Für diese Kinder und das Leben. Das will ich JETZT genießen. Als die beste Mama und das beste Ich, das wir zur Verfügung haben. Und nicht als die dünnere aber ewig schlecht gelaunte Variante. Hörst du das Körper? Hör genau hin. Wer weiß schon, wie viel Zeit wir überhaupt miteinander haben. Dann soll diese Zeit es doch zumindest auch wert gewesen sein. Oder?

Kennt ihr diese inneren Kämpfe auch? Fühlt ihr euch immer wohl in euren Körpern? Und was macht ihr, wenn nicht? Ich freu mich, von euch zu hören. Love, eure Sonja <3

Nachtrag: Die Mädels von 40und8 haben diesen Text für ihre Podcastreihe zur Schwangerschaft vertont. Das ist echt toll geworden! Hört mal rein! <3

 

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12 thoughts on “Me, my Mamaself and I – Vom ständigen Kampf den Afterbabybody zu akzeptieren

  1. Hallo Sonja 🙂
    meine Tochter wurde auch auf diesen schönen Namen getauft – wird aber Zonja geschrieben
    nun…. du tust genau das Richtige – du bist so schön – dein Körper ist schön – höre auf deinen Körper – dein Herz – lebe – atme – liebe dich – Selbstliebe ist die Basis zu allem was danach kommt –
    alles was dich glücklich macht – befreunde dich mit Respekt dem *Reiferwerden* deines Körpers – auch der Geist benötigt jetzt mehr Achtsamkeit … lenke das Negative ins Positive um… die Vorteile und die Resonanz darauf lassen nicht auf sich warten …

    lieb grüß und drück
    Segen und viel Liebe deiner jungen Familie
    die zuzaly <3

    1. Ach du Liebe, das hast du so schön gesagt. Da wird mir ganz warm ums Herz! Danke für deine warmherzigen Worte. Eigentlich empfinde ich das Älterwerden auch gar nicht als Last, sondern bin dankbar dafür. Manchmal hinkt der Kopf dem Körper vielleicht bloß ein wenig hinterher! 🤷‍♀️ Zonja höre ich heute zum ersten Mal! Das jast du ja toll ausgewählt. Hab auch du einen wunderbaren Tag mit deinen Lieben! 💙

  2. Hey Sonja! Du hattest doch auch schon vor 10 Jahren eine tolle Figur und auch jetzt find ich alles prima an dir! Wir Mamis sollten echt versuchen, nicht so selbstkritisch zu sein, aber ich weiß natürlich selbst, wie schwer das ist. Jeden Tag wieder. Aber wir sollten stolz sein, auf das, was unser Körper zu leisten imstande ist und vor allem immer daran denken, dass wir für den Alltag, den wir alle Tag für Tag wuppen, viel Kraft brauchen, und die sammeln wir am
    Besten, wenn wir gut zu uns sind und das Leben genießen. 🙂 Danke für den tollen Beitrag!

    Viele Grüße
    Sabine

    1. Oh Sabine! Ihr seid alle so toll! Ich hab echt ein bisschen Pippi in den Augen! Du hast so Recht. Mehr stolz, weniger Mimimi!! Ich schreib mir das jerzt ganz dick hinter die Ohren! Ganz liebe Grüße an dich!

  3. Liebe Sonja,

    was tun wir Frauen uns eigentlich immer selbst an?! Wir sind wundervoll! Genau so wie wir sind. Unsere Körper leisten erstaunliches. Nicht nur, das in uns neues Leben heran wächst. Wir versorgen es auch. Schlaflose Nächte zollen ihren Tribut. Und mit jedem Jahr, dass man älter wird werden die Haare grauer und der Körper weicher. Und doch versucht man auszusehen wie in den Zwanzigern. Die Medien zeigen uns ja auch das es geht. Nur haben diese Frauen drei Nannys, Personal Trainer und eigene Köche. Wenn ich gefragt werde, wann es soweit sei, obwohl sie schon zehn Monate alt sind, dann gibt mir das auch einen Stich. Aber unsere Kinder lieben uns genau so, wie wir sind. Und das sollten wir auch. Ich gehöre zu den Frauen die während des Stillens zunehmen. Habe ich mir auch irgendwie anders vorgestellt. Gerade jetzt wo es warm wird hadere ich mit den Kilos. Aber ich will mein Leben nicht von der Waage und abgezähltem Essen bestimmen lassen. Wir müssen großzügiger uns selbst gegenüber sein.

    1. Liebe Jess, vielen lieben Dank für deine netten Worte! Meine Tochter hat mir gestern innerhalb weniger Minuten gesagt.: „mama, du bist wunderschön! und „Mama, dein Dickbauch ist der allergrößte hier.“ 🙂 Danke Peppa Wutz. 😀 Für die Kids ist das gar kein Widerspruch. Also warum für uns? Weil es einfach verdammt schwer ist, sich von diesem ganzen oberflächlichen Quatsch, der auch durch Blogs und die herkömmlichen Medien immer wieder verbreitet wird, loszusagen. Wenn einem alle entgegen schreien, NIMM AB, ist das halt nicht so einfach. Ich nehme mir vor, viel mehr zurück zu schreien. MACH DU DOCH! Und lass mich in Ruhe. Ganz liebe Grüße, Sonja <3

  4. Liebe coole Sonja,
    Merci für diesen wunderbaren Artikel und großartigen Bilder. Wieder einmal sprichst du mir aus der Seele. Wenn Frau in den 90ern als Teenie großgeworden ist, hat sich die Ära der Supermodels sehr ins Unterbewusstsein gegraben. DAS werde ich nie mehr los. Und deshalb kann ich mich nicht einfach so auf Knopfdruck akzeptieren. Vor dem Baby superschlank, stören mich heute 3,5 Jahre später immer noch diese verdammten übrigen 2-3 kg. Die Waage habe ich weggeworfen und mit SlowCarb seit einiger Zeit mehr oder weniger Erfolg. Was ich endlich geschafft habe? Akzeptanz für Schwankungen durch die Periode zu bekommen. Leider braucht mein ICH zum HappySein Bestätigung von außen und die gibt’s nur mit WohlfühlBody. Das ist menschlich und seit Urzeiten so. Eben was man ausstrahlt.
    Reicht wenn ich da verkorkst bin. Mein Kind bekommt ein Umfeld, was ihm ein großes Selbstwertgefühl bescheren wird.
    Liebe Grüße

    1. Liebe Silvana, ja das ist die große Kunst. Die balance zwischen Wohlfühlen und etwas für sich tun zu finden. Ich merke, dass ich ein bestimmtes Gewicht nur halten kann, wenn ich mich sehr stark einschränke. Da ist es wohl gesünder die paar Kilo mehr zu akzeptieren. Was andersrum natürlich nicht heißt, dass ich ab jetzt alles abstellen kann und fröhlich weiter zunehmen kann bis ultimo. Es ist und bleibt kompliziert.
      Und ich versuche irgendwo dazwischen mein Gleichgewicht zu finden. Und den Mädels die Portion Selbstbewusstsein mitzugeben, um sie davon etwas freier zu machen und sie stärker zu machen gegen diese Reize von außen.
      Ganz liebe Grüße zurück <3

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