Warum Du nach der Geburt nicht aussehen musst wie Kate Middleton!

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Photo by Janko Ferlič on Unsplash

Da steht sie, nur Stunden nach der Geburt ihres dritten Kindes geschniegelt, gestriegelt, geföhnt, geschminkt und frisiert und sieht rank und schlank aus wie eh und je. Kate Middleton hält ihr drittes Kind in die Kameras und lächelt uns strahlend zu.

So ist das doch nach Geburten, oder? Das Strahlen aus dem Inneren hast du während der Schwangerschaft ja schon geübt. Jetzt kannst du es ganz raus lassen. Du bist blendend drauf, denn dein Kind ist ja nun da. Und es war natürlich ein Spaziergang. Schließlich hast du dank Hypnobirthing alles freudig weggeatmet, du hattest deinen Mann, eine Doula und bestimmt mindestens eine Hebamme ständig an deiner Seite, aber ey, eigentlich wär das auch gar nicht nötig gewesen. Spaziergang, das alles.

Häh, was quatscht die denn da?

Ihr habt es sicher schon gemerkt, da hat sich doch glatt ein wenig Sarkasmus in den Text geschlichen. Und das ausgerechnet bei der Trulla, die doch ständig erzählt, dass Geburten toll sein können. Also mir. Was hat die, also ich, denn nun schon wieder?
Ich sag es euch: ich freue mich, dass Kates dritte Geburt offenbar um einiges leichter war, als ihre von Hyperemesis Gravidarum, aka. extremes Erbrechen, geprägte Schwangerschaft.

Was ich nicht gut finde, ist das Bild, dass Kate anderen Frauen mit diesem Auftritt vermittelt.
Dabei glaube ich nicht mal, dass sie eine Wahl hatte. Ohne sie zu kennen, denke ich, dass auch eine Kate Middleton nach der Geburt ihres Kindes lieber in Ruhe mit eben jenem kuscheln möchte, anstatt sich von Stylisten aufbrezeln zu lassen und sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Ich unterstelle jetzt einfach mal dem britischen Königshaus, seine Finger im Spiel gehabt zu haben.

Eine Geburt ist ein Kinderspiel, stell dich nicht so an.

Das ist es, was dieses Bild den anderen Frauen vermittelt. Und wäre dem nicht so, würden seit gestern nicht Kate / Stallone Memes und andere Herrlichkeiten durchs Netz geistern. Nach der Geburt soll die Frau ihren nun nicht mehr instagramtauglichen Bauch möglichst schnell wieder in Form bringen und wieder an ihrer Fuckability arbeiten. Aber pronto. Heidi spaziert ja auch nach der Geburt ihres drölften Kindes wieder bauchfrei über irgendeinen Laufsteg und die ist zu allem Überfluss auch noch ungefähr 36754 Jahre alt. Also stell dich gefälligst nicht so an. Der Mann soll nach der Geburt zuhause bleiben und sich um dich kümmern? Die Hebamme schwafelt was von Wochenbett? Seriously? Das ist doch Firlefanz mit Räucherstäbchen. Nope!

Eine Geburt ist ein Kraftakt und du musst dich erholen!

Ich erzähl dir jetzt mal, wie das wirklich ist mit diesen Geburten. Ja, auch mit den schönen. Und solltest du jetzt sagen, ey, aber meine Geburt war ganz easy und ich bin sofort wieder los und hab die Welt gerettet, und zwar allein. Dann Klappe halten. Du hattest einfach Glück! Oder Superheldenkräfte! Wie auch immer, schweigen und genießen.

sonja
Müde, aber glücklich. Hier ist meine zweite Tochter knapp drei Wochen alt. Ich habe noch viel Bauch, ein sehr rundes Gesicht und schon wieder Augenringe. Glücklich war ich trotzdem. 🙂

Warum Du nach der Geburt nicht aussehen musst wie Kate Middleton:

1. Du hast vermutlich mindestens eine Nacht nicht mehr geschlafen. Verrückerweise beginnen Geburten total gerne nämlich nachts. Das heisst, du gehst mit einem ordentlichen Schlafdefizit in dein neues Leben. Gratuliere. But thats’s the way it is. Heiße deine Augenringe liebevoll willkommen.

2. Eine Geburt ist ein Kraftakt. Gern wird sie ja mit Marathonläufen verglichen. Und ja, außerdem kann das auch echt wehtun mit den Wehen. Das ist anstrengend. Schau dir mal an, wie die Marathonläufer aus dem hinteren Viertel bei ihrem Zieleinlauf aussehen. Nicht diese zähen-45 Kilo-Menschen, die als erste ins Zielband flattern. Die anderen. Na? Erinnern die dich an Supermodels nach einer Frischzellenkur? Mich jedenfalls nicht.

3. Du verlierst Blut. Ja, Mann. So ist es. Die schöne aufgebaute Gebärmutterschleimhaut, das Nest deines geliebten kleinen Babys wird nicht mehr benötigt. Also raus damit. Und zwar gefühlt alles auf einmal. Und her mit den schicken Netzschlüppis und den Surfbrettern. Und jetzt die Highheels dazu kombinieren?

4. Möglicherweise zickt dein Kreislauf ordentlich rum. Das mit dem Blut verlieren hat halt so seine Tücken. Du willst zwar duschen, weil du echt ordentlich geschwitzt hast, während der Geburt, aber leider wird dir zuverläsig schwummerig und schwarz vor Augen, sobald du nur einen Fuß aus dem Bett setzt.

5. Du hattest Wassereinlagerungen? Na prima. Dann wollen auch die jetzt ganz fix raus aus deinem Körper. Monatelang hatten sie deine Knöchel, deine Finger, ja vielleicht sogar dein Gesicht fest im Griff und du sahst zwar proper aus, hattest dafür aber eine Haut wie ein Babypopo. Damit ist jetzt Schluss. Und wie kommt das Wasser raus? Halt mal, ich muss schon wieder…

6. Vielleicht hast du auch Geburtsverletzungen und musstest genäht werden. Sitzkissen und kalte Kamilleumschläge könnten jetzt zu liebgewonnenen Begleitern werden.

7. Heiß und kalt. Und heiß und kalt. Und wieder von vorne. Du hast Hitzewallungen und dann frierst du wieder? Und das im ständigen Wechsel. Tja, my dear, deine Hormone spielen verrückt. Dein Körper stellt um, von schwanger auf nicht mehr schwanger. Erinnerst du dich noch an das Durcheinander, dass die Hormone zu Beginn der Schwangerschaft veranstaltet haben? Jetzt gibts die Rolle rückwärts. Gerne inklusive Heultage. Wenn es ganz schlecht läuft, mit Wochenbettdepression.

8. Huch, ich bin da so locker, unten rum. Wenn du dich vor der Schwangerschaft noch gefragt hast, was denn das Gewese um den Beckenboden soll, jetzt weisst du es. Die Muskulatur, die normalerweise dafür sorgt, dass alles, ja auch Pippi, an seinem Platz bleibt, außer du gibst das Kommando zum Loslassen, genau die ist jetzt ein wenig erschöpft. Und sie will geschont werden. Und später wieder trainiert. Aber jetzt heißt es, nichts Schweres heben. Erst mal entspannen, kuscheln, stillen üben, klar kommen.

9. Von Hämorrhoiden, Kaiserschnittnarben, Stillproblemen und dem ganzen anderen Zirkus. Es gibt noch so vieles mehr, dass dir nach der Geburt Probleme bereiten kann. Oder eben nicht. Das ist bei jeder Frau ein wenig anders. Alle Dinge haben aber eines gemeinsam: Sie sind ganz normal und vor allem nicht deine Schuld.
Am besten: Du wurschtelst dich da durch, nimmst die Hilfe an, die du bekommst und konzentrierst dich ganz auf dein Baby. Denn das ist doch hier das Wunder, um das sich der ganze Zirkus dreht.

Und ja, sie haben alle Recht. Es lohnt sich. Riech mal am Köpfchen, streichel den Flaum, bewundere die zarten Fingerchen, bestaune das wunderschöne kleine Gesicht. Lass den Spiegel Spiegel sein. Und sei froh, dass du keine Kate sein musst. Vielleicht ist das Gras auf der anderen Seite des Lebens nämlich nicht annähernd so grün wie gerade bei dir!

Liebe zukünftige Mamas, lasst euch nicht verunsichern. Lernt eure Baby kennen, verliebt euch und bestaunt euren eigenen Körper, für all das, was er in den letzten Monaten und Momenten geleistet hat. Ihr seid großartig, auch wenn ihr es noch nicht wieder unter die Dusche schafft. Love, eure Sonja <3

 

 

8 thoughts on “Warum Du nach der Geburt nicht aussehen musst wie Kate Middleton!

  1. Liebe Frauen,
    Ihr seid AUCH grossartig, wenn ihr euch kurz nach der Geburt aufbrezeln und euer Kind den Menschen zeigen möchtet.
    Es ist AUCH grossartig, wenn ihr auf den ersten Fotos mit dem Baby hübsch aussehen möchtet.
    Es ist AUCH grossartig, wenn ihr von diesem wundebaren Akt der Geburt noch ganz geflasht und aufgedreht seid und ganz und gar nicht müde.
    Es ist AUCH grossartig, wenn ihr ambulant gebärt und gleich nach der Nachgeburt nachhause fahrt!! (was in GB übrigens üblich ist)

    Jede Geburt ist anders, jede Frau ist anders. Und verdammt noch eins, jede ist ok! Also lasst die Prinzessin doch jetzt einfach in Ruhe ihre Geburt so feiern, wie sie es möchte.

    1. Ich kann dir in allem beipflichten. Aber einen Angriff auf Kate kann ich in dem Text nicht raus lesen. Natürlich soll sie die Zeit mit ihrem Kind genießen. ❤

      1. Dass Du Dein eigenes Erleben als “normal” setzt und Kate’s normal als abnormal empfinde ich schon als Angriff. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass ambulante Geburten – also direkt nach der Geburt aus dem Krankenhaus heimgehen – in Grossbritannien normal sind. Du wirfst ihr also tatsächlich vor, dass sie dasselbe tut, was die meisten Engländerinnen tun, wenn die Geburt komplikationslos verlaufen ist.

      2. Ich spreche aus meiner eigenen subjektiven Perspektive. Ja natürlich. Genau wie du aus deiner subjektiven Perspektive diesen Text gelesen hast. Niemals aber würde ich irgendeine Art der Geburt verurteilen. Jede Geburt ist wertvoll und wenn du meinen Blog mal etwas quer liest, wirst du genau diesen Tenor hier wiederfinden. Ich habe ein Kind im Krankenhaus und eins zuhause geboren und ich würde sicherlich auch keine Frau verurteilen, weil sie ambulant ihr Kind bekommt. Lese ich hier aber auch nirgends. Hab ich auch nicht geschrieben. Ich denke, du liest hier sehr viel zwischen den Zeilen, was da gar nicht steht. Ich werfe Kate überhaupt nichts vor. Was ich nicht gut finde, ist das Bild, das imho mitgeliefert wird, wenn Promis, egal wer genau, sich so kurz nach der Geburt überhaupt der Öffentlichkeit präsentieren müssen. Und damit darf ich mich genauso kritisch auseinander setzen, wie du das wiederum ablehnen kannst.

  2. Hallo Sonja!
    Es wird aktuell eben Hype darum gemacht in den Medien 🙂 So oder so würde die Presse berichten. Aber was du im Text beschrieben hast ist zutreffend nach der Geburt und auch eine Prinzessin ist nur ein Mensch. Es ist in jedem Fall auch bei jeder Mama anders vor und nach der Geburt was Unterstützung und co. angeht.
    Und niemand verlangt das man perfekt ist. Perfekt gibts nicht und das ist gut so 🙂
    Alles Liebe
    Anne

    1. Liebe Anne, ja das hast du schön zusammen gefasst. Klar gibt’s den Hype. Ist mir völlig klar. Und da kann sie natürlich auch nicht raus aus dem Medienzirkus. Und Gott bewahre, ich verstehe natürlich auch, dass sie nicht im Jogger da raus geht. Ich wünschte aber, die Gesellschaft, die Medien oder wer auch immer, hätte auch für eine Prinzessin mehr Verständnis und würde sie gar nicht erst zwingen, sich kurz nach der Geburt überhaupt der Öffentlichkeit zu stellen. Denn, das Bild das mitgeliefert wird, kann, nicht muss, aber kann eben doch einen Druck auf andere Mütter ausüben. Liebe Grüße, Sonja

  3. Ich gebe dir recht, dass eine Frau nach der Geburt andere Prioritäten haben darf als ihr Styling. Ich verstehe aber auch, dass eine Frau (egal ob Herzogin oder nicht) sich etwas vorteilhaftes anziehen und möglichst gut aussehen möchte, wenn sie von einer Schar Fotografen abgelichtet wird. Und zuhause wird sie es sich wohl mit ihrem kleinen Prinzen wieder gemütlich gemacht haben und die Zeit mit ihrem Baby genossen haben – wie die meisten Mamas 🙂
    Liebe Grüße, Simone

    1. Liebe Simone, oh ja natürlich darf sie sich etwas Vorteilhaftes anziehen und muss da nicht im Jogger vor die Presse. Ich find es nur schade, dass sie sich so kurz nach der Geburt überhaupt mit sowas auseinander setzen muss.
      Klar, kann man sagen, das bringt der Job halt mit sich. Man kann aber auch mal kurz innehalten und das System in Frage stellen.
      Ich hoffe sehr, dass sie nun ganz viel Zeit für sich und ihre Kinder hat. Und natürlich wünsche auch ich ihr nur das Beste. Wie eben jeder anderen Mama auch. Egal, ob sie sich nun nach der Geburt stylen mag oder nicht. 🙂 Liebe Grüße, Sonja

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