Von der Sehnsucht nach dem dritten Kind

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Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Letzte Nacht waren wir nur so drei mal wach. Einmal der Mann, einmal ich, einmal beide. Ging also. Erst kam das große Kind rübergetapert, später wurde das Kleine vom Mann mit ins Elternbett geschleppt.
Heute morgen lagen wir also mal wieder alle vier übereinander gestapelt im Bett. Vor der Tür miaunzte das Katzenkind und begehrte Einlass. Also raus mit der Mutter und rein mit dem Kater.

Man könnte durchaus schlussfolgern, dass wir voll und ganz ausgelastet sind.

Sind wir auch. Beide Kinder brauchen mit ihren knapp zwei und vier Jahren noch jede Menge Mama und Papa. Beide streiten sich gern wie die Kesselflicker um dieses oder jenes Spielzeug. Beide springen, hampeln, rennen, lachen und purzeln durch unser Leben. Und das ist wirklich alles andere als langweilig. Unser Alltag ist proppevoll, dank fehlenden Großeltern vor Ort sind der Mann und ich nonstop im Einsatz. Zeit für Mama und Papa – Fehlanzeige. Das letzte Mal allein weg ohne die Kinder waren wir vor über einem Jahr.

Auch die Finanzen sind eher etwas knapper  kalkuliert. Die Miete für Haus und Garten ist recht ordentlich. Die Autos tun ihr übriges und das ganze Drumherum um so eine Familie eben auch. Der Kopf sagt also ganz klar: Die Familienplanung hier ist abgeschlossen.

Genießen wir es, wie die Kinder größer und selbstständiger werden. Genießen wir die kleinen aber feinen Freiräume, die sich auftun, wenn zum Beispiel abends beim Fernsehen keiner durchs Babyphone schreit. Raus mit den Babysachen, alles verkaufen, bloß schnell weg mit den Kram und nicht mehr zurück blicken.

“Du, ich bin wieder schwanger.” Von Nachrichten, die mich ins Wanken bringen.

Tja und dann kommt da diese Freundin. Zwei Kinder an der Hand, im selben Alter wie meine. Genau zwei Jahre auseinander. Und der Bauch schon wieder ordentlich rund. Ebenfalls keine Großeltern in der Nähe. Ihre Familien sogar in der ganzen Welt bis nach Mexiko verstreut. Einzig das Finanzielle steht wohl auf etwas rosigerem Grund. Und schon beginne ich zu schwanken.  Ja, ein weiteres Kind wäre momentan alles andere als vernünftig. Aber ach… schön wäre es halt doch.

Und dann stelle ich mir vor, wie das so wäre mit drei  Rabauken hier und denke, oh nein, das langt so alles. Und dann sehe ich in die kleinen Gesichter, betrachte die süßen Speckärmchen der Kleinen, sehe, alles, was sie schon können und die gesammelte Liebe will mir überlaufen.

Und dann weiß ich, im Herzen, ja da habe ich sehr wohl noch mehr Platz.

Und da weiß ich auch, dass ich auch all die durchwachten Nächte auch ein drittes Mal überstehen würde. Und da weiß ich, dass sich auch das mit den zwei Armen für drei Kinder irgendwie machen lässt. Und das sich immer alles regelt. Doch die Angst, die bleibt. In keines unserer Autos passen drei Kindersitze. Auch drei Kinder in einem Zimmer fühlen sich eventuell etwas gestapelt. Und da weiß ich, dass wir damit die nächsten 15 Jahre knapsen müssten mit dem Geld. Und da graut mir vor dem Jonglieren von noch mehr Bedürfnissen. Noch mehr Turnstunden, Hausaufgaben, Verabredungen, noch weniger ich.

Aber ach, wenn das Herz sich doch von Vernunft leiten ließe..

Dann wäre das hier jetzt einfach geritzt. Doch tief in mir drin war da schon immer der Wunsch nach einer großen, trubeligen Familie. Und da sehe ich, das andere das ja auch schaffen. Es einfach machen, wo ich zurück schrecke.
Aber vielleicht gilt das ja für ganz viele Familien? Das sie sich eigentlich noch mehr Kinder wünschten, wenn die Umstände anders wären. Ein Bekannter mit drei Töchtern meinte, rein vom Herzen her hätte er auch noch Platz für Kind Nummer 4. Aber das sei einfach nicht mehr drin.
Beuteverzicht nenne man das, lese ich in der EditionF. Wir passen uns dem an, was wir zu händeln glauben können.

Aber wer mag schon immer vernünftig sein? Mein Mann sagt, ich war so viele Jahre lang (vor den Kindern natürlich!) unvernünftig, jetzt könne ich das ruhig mal probieren. Und das mache ich ja auch. Und trotzdem blicke ich wehmütig meiner Freundin hinterher. Und bewundere sie für ihren Mut.

 

Kennt ihr das auch? Habt ihr Sehnsucht nach weiteren Kindern oder fühlt ihr euch so richtig richtig komplett? Ich freu mich, von euch zu hören.  Love, eure Sonja <3

2 thoughts on “Von der Sehnsucht nach dem dritten Kind

  1. Ich fühle mich komplett mit 2en und ich bin voll und ganz ausgelastet, allerdings kenne ich das Gefühl, wenn eine Freundin schwanger ist, dann kommt kurz die Sehnsucht nach einem Baby auf, aber ich denke, die würde auch nach 3 und 4 und 5 auch noch aufkommen. Mal abgesehen von meinem Alter, möchte ich trotzdem keines mehr. Da siegt dann die Vernunft. Aber Platz hat man im Herzen wahrscheinlich immer, wenn man Kinder hat und weiß, wie es ist ein kleines Baby zu haben.
    LG Nicole

    1. Diese Vermutung habe ich auch, dass da einfach ganz viel Wehmut mit drin steckt und ganz viel Erinnerungen an die eigenen Kinder! 😁

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