Sei achtsam Mama – von guten Vorsätzen und der rauhen Realität

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Die Kinder spiegeln nur deine Gefühle las ich abends in einem dieser 23433 anderen Mamablogs. Und die Autorin meinte es sicher gut, als sie an unsere Geduld appellierte. Es hörte sich in der Theorie auch alles wieder so toll an. Sind die Eltern entspannt, sind es die Kinder auch. Aber hatte ich diesen Satz nicht schon zu Schreibaby-Zeiten verflucht? Stimmt, da war ja was.

Nichts desto trotz nahm ich mir abends vor gaaaanz entspannt in den ersten Ferientag mit den Kindern zu starten. Ferien – hört sich super an, oder? Meint aber: der Kindergarten ist zu, einer von uns ist arbeiten und der andere schmeißt den Tag mit den Kids zuhause allein.

 

Pfingstferien klingt für mich ja irgendwie eh unnötig. Zwischen Ostern und Sommer und dem Jede-Woche-ein-bis-zwei Feiertage-Mai hangeln wir uns ja ohnehin schon wieder von Betreuungsproblem zu Betreuungsproblem. Aber was soll’s. Ein bisschen Eis essen gehen, ein bisschen am Spielplatz sitzen – klingt doch ganz gechillt. Was hast du denn immer, fragte ich mich. Entspann dich doch endlich mal. Du kannst es ja wenigstens mal versuchen, rede ich auf mich selber ein. Die Zeit mit den Kindern bedeutet dir doch so viel. Und wir sollen das doch genießen, denn sie werden so schnell…. ihr kennt das.

Von tanzenden Unterhosen und angemalten Fußsohlen

Während ich hier sitze und die Kinder gebeten habe, doch einmal ein paar Minuten ohne mich klar zu kommen, holt die Große sich Wasser für die Wasserfarben. 10, 9, 8.. der Countdown läuft. Ein paar Minuten Ruhe bleiben mir noch, doch sobald ich das nächste Mal vom Rechner aufschaue… ich will es gar nicht wissen. Die Kleine tanzt derweil zum 346533 Mal zur Katze auf einem Bein und trägt die Unterhosen auf dem Kopf, die wir heute Morgen gekauft haben. Ah  Moment, ich muss mal kurz weg …..

Klirr, Schimpf——————– Ruhe

So, da bin ich wieder. Der Kater hat mit dem Deckweiß gespielt, das Wasser ist runtergefallen, die Kleine hat das Blau abgefummelt und in ihr Wasser geworfen, die Große heult, weil sie am Kindertisch rechts sitzen wollte. Minuten später hat sie ihre Füße angemalt und ich trage sie heulend zum Waschbecken. Während ich versuche das schimpfende Kind im winzig kleinen Gäste-WC zu waschen, spüre ich, wie sich in meinem Unterleib ein Schwall Blut aufmacht ans Licht der Welt zu treten. Auch das noch.

Also alle anziehen, rein ins Auto, ab zur Apotheke. Sonst halt ich das nicht aus. Die nette Frau bietet mir an, das günstigere Präparat zu bestellen. Ich solle in zwei Stunden wiederkommen. Mit zugekniffenem Mund bezahle ich das teure Original gegen Bauchkrämpfe und öffne noch im Auto die Packung. Aus den Boxen schallt dazu: Auf der Mauer, auf der Lauer...  und ich brauche einen Kaffee.

Achtsam essen mit Kindern oder wie ich einmal laut lachte

“Genießen Sie jeden Bissen und überlegen Sie, ob sie gerade wirklich hungrig sind. Ist ihr Hunger eventuell nur emotionaler Natur? Lernen Sie das anzunehmen. Auch dieses Gefühl geht vorbei.” Ach klingt das toll. Abends im Bett übte ich Entspannungsübungen, horchte in mich hinein, besann mich auf meine inneren Stärken. Der Geist war ja so willig, das Fleisch würde gar keine andere Chance haben, als sich zu fügen. Dachte ich. Wirklich. Lacht nur.

Essen mit kleinen Kindern ist ja ungefähr so entspannt wie die politische Lage in Nahost. Von umfallenden Bechern über herunterfallende Gabeln bis hin zu Grün im Essen gibt es so viele Unwägbarkeiten, die den Frieden trüben können, dass man es sich eigentlich gleich sparen könnte.

Ständig sind Mama und Papa am schneiden, aufheben, trösten oder aufwischen – da ist man bin ich froh, wenn überhaupt mal ein Bissen im eigenen Mund landet. Was da drauf ist, ist dann auch schon fast egal. Die kulinarische Auswahl ist – seit die Kinder sprechen und selber entscheiden – eh auf ein Minimum zusammen geschrumpft. Aß das Krabbelkind noch fröhlich Pastinaken, Süßkartoffeln oder Kürbis, rümpft das Kindergartenkind über alles, was nicht Nudel oder Fleischwurst heißt entsetzt die Nase. Zuckerfreie Dinkelkekse, Brot mit Rinde – eher nicht so.

Also werden ganz pragmatisch Fischstäbchen reingeschoben und optimistisch ein Salat dazu angeboten, den ich hinterher größtenteils vom Boden wieder aufwische. Aber vielleicht hat es ja doch eine Gurke oder eine Paprika in den Bauch geschafft. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Zentrieren und den Moment genießen

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Photo by Maria Freyenbacher on Unsplash

“Ich nicht Pupsi” – schreit die Kleine aus vollem Hals. Die Große rennt derweil hinter dem Kater her und ist sich keiner Schuld bewusst. Die 30 Mal, die sie ihrer kleinen Schwester das Wort entgegengeschleudert hat, sind schon wieder völlig aus ihrem Bewusstsein gelöscht.

Ich habe es heute nicht geschafft, die Wäsche zu waschen, ich habe es nicht geschafft zu saugen und zu wischen oder wenigstens unter dem Tisch das Krümelchaos zu entfernen. Dafür waren wir einkaufen – wie alle nach den Feiertagen. Wir waren außerdem die dringend benötigten besagten Unterhosen kaufen, wir haben tatsächlich ein Eis gegessen und sind auf dem Spielplatz gewesen.

Dann sind wir vor einem Gewitter geflohen, dass dann doch nicht kam. Wir haben zusammen gekocht. Ja, Fischstäbchen. Große Kunst. Und wir haben gebaut, uns verkleidet und gezaubert. Wir haben Diskussionen geführt, die Große hat mich gefragt wo die Seele nach dem Tod hingeht, wir haben uns über das Wort Donner gewundert und ich habe den klingenden Prinzessinennamen Golgowski bekommen. Meinen Mädchennamen. Hah.

Und dann haben wir eine ganze Stunde Ben und Holly geguckt und ich habe einen großen Kaffee getrunken und ich habe mich zentriert. Und zwar so richtig. Ich bin nämlich weggenickert und nur aufgewacht, weil das große Kind mir laut ELFENJUXTAG ins Ohr gebrüllt und mich dann in den weichsten Bauch der Welt gestupst hat.

Mit dieser Achtsamkeit und der Entspannung und mir ist das also so eine Sache…
Vielleicht lese ich heute Abend wieder ein bisschen in meinem Achtsamkeitsbuch, vielleicht gehe ich irgendwann mal wieder zum Yoga, vielleicht aber auch nicht.

Vielleicht schlafe ich wieder vor dem Fernseher ein und dann ist das auch gut so. Weil ich mir nicht noch zusätzlich den Stress mache, mich zu entspannen. So. Und jetzt hol ich mir die Schokolade aus dem Schrank. Ganz bewusst. Punkt. Und ihr so? Love, eure Sonja <3

6 thoughts on “Sei achtsam Mama – von guten Vorsätzen und der rauhen Realität

  1. Oooh du sprichst mir aus der Seele, liebe Sonja. Sehr authentisch und ehrlich. Ich habe soviel gelacht beim lesen und mich immer wieder in deinen Worten erkannt :-).
    Meine Tochter sagte mir einmal; “Mama, beim Fasching brauchst du dich nicht verkleiden, denn du benimmst dich schon wie ein Clown. Du kannst im Supermarkt brüllen, beim Auto fahren uns anschreien, denn du weißt schon, wenn wir die Zuckerl im Auto stehlen wollen ohne nach hinten zu schauen – und in der nächsten Minute wieder lachen und mit uns ein Lied so laut vorsingen, wie eine Verrückte”…..:-)…

    Herzlich Glückwunsch, willkommen im Clown Club und viel Spaß dabei :-)….
    Niemals vergessen; für deine Kinder bist du die beste Mutter der Welt. Perfekt wirst du niemals sein. Du kannst dich entspannen, wenn sie mal ausziehen ;-)..

    Und jetzt hole ich mir eine Schokomuffin, vielleicht später auch ein großes Eis!

    LG, Easter.

    1. Hahaha.. super Geschichte von deiner Tochter! Na dann Prost! Auf uns Clown-Mamas! Und lass es dir schmecken! Genau das hab ich mir auch gedacht.. das Haus wird schon früh genug wieder ruhig. 🙂 Schippern wir durch das Chaos und freuen uns über diese verrückten, bunten Tage jetzt gerade. Liebe Grüße, Sonja

  2. Danke liebe sonja! ….ich versuche auch grad entspannter mit unseren 4 kids zu werden… hab dabei interessante 😏erfahrungen gemacht…selbstironie geübt, anstriche vom bestemutterderwelt-ideal zugelassen und manchmal ist es tatsächlich gelungen das mit dem entspannen…

    1. Selbstironie und Abstriche von perfekten Mamabild finde ich super! Schön, dass es dir immer besser gelingt. LG Sonja

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