Miteinander statt gegeneinander – Lasst uns endlich Schluss machen mit dem Mom-Bashing

 

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash
Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Rückblick: Es ist 2014 und ich sitze mit meiner neugeborenen Großen in der Babymassage. Das acht Wochen alte Baby neben meiner kleinen Zappelmaus liegt total gechillt da und lässt alles Rummassiere klaglos über sich ergehen. “Ist immer so” lacht die Mutter und legt gleich noch nach: “Sie schläft auch schon 12 Stunden am Stück. Irgendwas haben wir wohl richtig gemacht.” Sagt sie, lacht und zuckt mit den Schultern.

Puh.. das war hart. Ein Schlag ganz tief in meine unausgeschlafene Magengegend. Und dann sehe ich es. Die Mutter holt eine Flasche heraus. Na klar, denke ich. Ein Flaschenkind. Typisch.

Zwei Jahre später

Ich sitze mit Töchterchen Nummer 2 zwischen kleinkindstillenden Müttern und versuche mich zu rechtfertigen, weil ich mein Baby jetzt schon abstillen muss, abstillen will. Der Grund könnte egoistischer nicht sein. Ich will alleine verreisen. Ach du Himmel!

Und das arme Kind muss mit seinen neun Monaten ganze fünf Tage mit dem Papa (!!) zuhause bleiben. Gut, ich will nicht nur einfach so weg. Mein Bruder heiratet in Tokio und das möchte ich auf keinen Fall verpassen. Und für vier Personen sind uns Flug und Reise nach Japan nicht nur zu lang, sondern auch zu teuer. Aber sei es wie es will, mein Ruf als Supermama ist spätestens jetzt hinüber.

Von zu schnellen Urteilen und dem ständigen Besserwissen

Während ich so mit der kleinen Tochter da sitze, muss ich an diese Situation zwei Jahre zuvor denken. Und schäme mich gehörig. Klar, ich – geplagt vom Schlafentzug – ärgerte mich über die Mutter. Musste sie mit ihrem Superschläferkind auch noch hausieren gehen?

Aber ist das allein Grund genug, mein Gegenüber direkt zu verurteilen, nur damit ich mich besser fühle? Eigentlich nicht. Ich fühlte mich schlecht, weil ich mich genauso verhalten hatte, wie die anderen Mütter, die ihre Nasen über mich rümpften. Die über mein Tragetuch lästerten oder über meine Nachgiebigkeit gegenüber meinen Kindern.

Egal ob stillen, tragen oder nicht – Jede Mama hat ihre Gründe

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Diesen tollen Anstecker habe ich mir bei muthahoodgoods.com selber gekauft. Ist aber natürlich trotzdem Werbung, weil ich ja verlinke und die Marke nenne und überhaupt…

Jede Familie muss ihre eigenen Entscheidungen treffen (dürfen) und ich habe da überhaupt nicht mit zu reden. Für die einen passt das Familienbett. Für die anderen nicht. Für die einen passts mit Breifüttern, für die nächsten nicht.

Wir alle suchen nach unserem Weg mit den Kindern. Und wer wie ich noch ein zweites oder sogar noch mehr Kinder bekommt, der merkt auch schnell, dass alles was man meinte schon zu kennen, nun auch wieder ganz anders kommen kann.

Und das ist auch gut so. Jeder Moment ist neu und anders. Jedes Kind ist anders. Das ist es doch, was unser Leben so spannend macht. Die Sekunde, in der wir unser Urteil fällen, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtgebilde Familie und taugt höchst selten für ein abschließendes Urteil. Ihr kennt das selber. Noch vor Minuten hattet ihr das netteste, süßteste Würmchen dabei. Und plötzlich steht da ein kleiner Wutzwerg, der mit hochrotem Kopf die Supermarktregale auseinander nimmt. Ganz schön schlecht erzogen. Oder etwa nicht?

Meinungen können sich ändern  – zum Glück

Ich habe meine Große sehr gerne gestillt, bis sie ungefähr eineinhalb Jahre alt war. Für die einen ist das lang, für andere kurz. Und alles in allem ist es überhaupt nur eine Sache zwischen meiner Tochter und mir. Und vielleicht noch meinem Mann. Und jetzt kommt das Verrückte:

Bei der kleinen Tochter habe ich es nach allem inneren Hin und Her sehr genossen, ihr die Flasche zu geben. Und nach fast vier Jahren Dauerstillen oder Schwangersein mal wieder meinen Körper für mich zu haben. Und meinem Mann zuzusehen, wie er die Flasche gibt und die Nähe mit ihr genießt. Ich musste erst diese Erfahrung machen, um milder mit anderen Müttern und anderen Erziehungswegen zu werden.

Heute gelingt mir das (hoffentlich) besser. Als ich gestern bei Insta  über den Hashtag #coolmomsdontjudge stolperte, musste ich deswegen fix meinen Senf dazu geben und ihn weiter verbreiten. Denn je öfter wir darüber sprechen, umso gütiger können wir hoffentlich miteinander umgehen.

Gemeinsam sind wir stark – #mamasrocken

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Die Aktion passt aber auch zu gut zu meiner Blogparade #mamasrocken, die noch immer gerne weiter wachsen darf.

Wir alle sind Löwinnen und wir brauchen in dieser verrückten Zeit mit den Kindern unsere gegenseitige Unterstützung. Das Leben ist so schon anstrengend genug. Also verteilen wir lieber Komplimente (ernst gemeinte natürlich) anstatt uns auch noch gegenseitig ans Bein zu pissen. Oder?

Ich bin nämlich echt alles andere als perfekt. Manchmal fahre ich meine Kinder mit dem Auto in den Kindergarten, obwohl wir um die Ecke wohnen. Und manchmal gucken wir den halben Nachmittag Fernsehen. Und manchmal essen wir zuviel Süßes und manchmal bin ich ungerecht und werde laut, weil ich so gestresst bin. Vielleicht bin ich aber trotzdem noch gut genug, um eine gute Mutter zu sein. Wer weiß. Ich mach mal ne Wiedervorlage aus dem Text und frag die Kids in zwanzig Jahren.

Und ihr so? Habt ihr dieses Mom-Shaming auch schon mal erlebt? Oder habt ihr andere Mamas um euch herum, die euch eine Stütze sind? Ich schieb euch nen Schokoriegel rüber und warte gespannt auf eure Geschichten.

Love, eure Sonja <3

 

 

4 thoughts on “Miteinander statt gegeneinander – Lasst uns endlich Schluss machen mit dem Mom-Bashing

  1. Toller Text und wahre, schöne Worte. Ich glaube, es ist deswegen so schwer, weil jede Mama natürlich davon ausgeht, dass sie das Beste für ihr Baby/Kind tut und daher ihren Weg für den richtigen hält.
    Menschen tun sich glaube ich allgemein damit schwer, andere Wege als den eigenen anzuerkennen und wertzuschätzen.
    Was es mir schwer macht, ist bspw. eine Mama zu beobachten, die es anders macht (als ich) und zu sehen, dass ihr Kind darunter leidet, z.B. wenn die Mama in meinen Augen unnötig streng ist und ihr schon weinendes Kind anschreit oder alleine auf dem Spielplatz stehen lässt und sagt „Ich geh jetzt ohne Dich, weil Du Dich so
    schlecht benimmst.“
    Ich weiß, dass sie es vielleicht tut, weil
    sie es nicht besser weiß, gerade überfordert ist, eigene ähnliche Erfahrungen gemacht hat usw.
    Aber mir fehlt dann das gefühlte Verständnis bei mir und es entsteht eher ein „Wie kann sie nur?“ Gefühl und ganz viel Mitleid für das Kind.

    1. Danke für deinen ausführlichen Kommentar! <3 ja, das verstehe ich. Da komme ich auch an meine Grenzen. Und nichts desto trotz würde ich es nicht ansprechen. Weil- es könnte ja immer noch sein, dass die Mama selber weiß, dass der Spruch scheisse ist und das sie sich den halben Tag lang bemüht hat, geduldig und verständnisvoll zu sein und sie nun am Ende ist... möglich wäre es. Aber natürlich sehe ich auch Dinge, die ich blöd finde. Wenn ich die Menschen gut kenne, würde ich auch versuchen, vorsichtig nachzufragen. Aber diese schnellen Urteile versuche ich tatsächlich sein zu lassen. Zum Glück musste ich aber auch noch nie wirklich Gewalt an Kindern erleben. Das ist schon eine Grenze für mein Verständnis. Ich weiß nicht, wie ich dann reagieren würde...

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