Und schon wieder keine Lust aufs Kinderturnen – Mama mag nicht mehr

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Photo by FuYong Hua on Unsplash

Draußen ist es warm. So um die 30 Grad. Und auch die Kids wirken kurz vor den Sommerferien irgendwie überhitzt. Kleinste Unachtsamkeiten wie abgebrochene Bananen, falschfarbige Becher oder was auch immer und schon wird gejammert, geweint und gezetert. Kein Bock überall. Kein Bock zu Fuß nach hause zu laufen, kein Bock in den Garten zu gehen und erst recht kein Bock aufs Kinderturnen.

Also bleiben wir zuhause. Verkrümeln uns ins abgedunkelte Wohnzimmer, schauen eine Weile Paw Patrol, essen Eis, kochen runter. Ganz schön enspannt, denke ich sehnsuchtsvoll. Und – so könnte es immer sein. Denn eigentlich stresst mich diese Fahrerei zum Turnen eh. Und überhaupt, wann  können die Kids endlich allein zu ihren Hobbies? Mit drei ist zu früh, oder?

Ey ich förder dich gleich!

Ich bin ja ohnehin eine Freundin des freien Spiels. Is eh gesünder, sacht meine innere Waldorfmuddi und kaut dabei lässig ein paar Chia-Samen. Aber so ein kleines bisschen Förderung der Kinder muss sein, höre ich Miss Oberlehrerin in mein anderes Ohr flüstern. Und nun?

Muss das wirklich sein? Reicht nicht das Programm im Kindergarten aus? Hier wird doch auch gesungen, gelacht und geturnt, was das Zeug hält? Allein, ich weiß es nicht. Meine Kinder gehen also beide einmal die Woche zum Turnen. Ihren Bewegungsdrang zu kanalisieren, hört sich für mich erstmal gut an. Wenn nur die Fahrerei nicht wäre. Und der ganze Rattenschwanz hintendran…

Kinder am Kindergarten abholen, anziehen, nachhause fahren oder gehen. Ausziehen. Etwas essen. Alle Pippi machen. Tasche packen. Anziehen. Zum Turnen fahren. Ausziehen. Kind 1 abgeben. Zum anderen Turnraum rennen. Mit Kind 2 turnen. Während des Abschlussliedes schnell anziehen. Zu Turnraum eins zurückrennen. Kind 1 in Empfang nehmen. Anziehen. Etwas essen. Das ganze Zeugs wieder zusammen packen. Die richtigen Kinder mitnehmen. Im Feierabendverkehr nachhause fahren. Endlich ab aufs Sofa. Ach nee, Abendessen machen.

Mich stresst das. Euch nicht? Ich würd in der Zeit viel lieber mit den Kids durch den Garten hopsen. Das Blöde ist nur, die Kinder lieben ihre Turnstunden. Also fahren wir. Meistens.

Und ewig grüßt der BiBabutzeMann!

Liebe KinderturnleiterInnen, wie zur Hölle haltet ihr das aus? Ich meine dieses ewige Wiederholen. Immer die gleichen Lieder, die gleichen Spiele, dasselbe Gequatsche der Eltern. “Der Jonas-Torben kann schon so gut – hier bitte beliebiges Feature einfügen – .” “Also ich versteh das nicht, wie du das schaffst mit den Kindern – den ganzen Tag zuhause / und zusätzlich noch arbeiten…” Liste beliebig fortsetzbar. Hell is in diesem Falle nicht other people, sondern other parents. Ihr kennt das.

Ich mache den Eltern-Kind-Turnkurs jetzt das dritte Jahr in Folge. Ohne nennenswerte Pause. Ich kenne jedes Lied. Ich kenne jedes Spiel. Ich werfe mich bei Feuer, Wasser, Sturm euphorisch auf den Boden und baue Bänke, Kästen und Matten ab, als hätte ich eine 30-jährige Sportlehrerkarriere bereits hinter mir. Und wenn ihr noch eure Hände zu AramSamsam auf eure Beine klatschen lasst, summe ich innerlich schon “Alle Leut!”

Ich mein es ja wirklich nicht böse. Echt jetzt.

Ich bin es einfach leid. Allein der Gedanke bei einem möglicherweise dritten Kind den ganzen Kladderadatsch nochmal zwei Jahre mitmachen zu müssen, stresst mich. Ich möchte endlich mit den anderen Muddis draußen auf der Bank in der Sonne sitzen und eine Stunde lang quatschen. Ohne, dass jemand an mir hochklettert, an meinem Bein zerrt oder mir aufs T-Shirt niest. Oder eine Stunde lang stumm in die Gegend starren. Einfach so.

Ich weiß, noch sind die Kinder klein. Noch wollen sie mich dabei haben. Die Zeit geht so schnell vorbei. Jaaa, aber so ein klitzekleines bisschen finde ich das ja schon auch toll, dass die Kinder älter werden. Und mehr können. Und selbstständiger werden.
Weil, dann kommen nämlich andere Sachen, die toll sind. Hab ich mir so sagen lassen. Und daran glaube ich.

So und jetzt genieße ich die sechs Wochen Sommerpause. Und danach wird aber sowas von abgeturnt. Dann bricht es nämlich an. Mein letztes Jahr Mutter-Kind-Turnen.  Ich feier schon mal ne Runde. “Theo Theo ist fit, wie ein Turnschuh und alle machen mit….”

Hmh… vielleicht sollte ich mal meine Spotify-Playlist überdenken.
Sportliche Grüße und wie immer viel Liebe, eure Sonja <3

4 thoughts on “Und schon wieder keine Lust aufs Kinderturnen – Mama mag nicht mehr

  1. 😂😂😂oh Gott, jedes einzelne genannte Lied gibts bei uns auch…. In beiden Turnstunden… Das spricht nicht unbedingt für die Kreativität der Turnlehrer. Aber hey, wenn man dann mit dem Kommentar “das ist hier nur für Kinder” zum ersten Mal auf die Bank geschickt wird, tut’s auch ein bisschen weh. 😉

  2. Glaub mir, beim dritten Kind lässte den ganzen Quatsch einfach sein! Dann quält Dich zwar Dein blödes Mutter-Gewissen (“aber die anderen zwei durften doch auch?!“), doch Dir geht’s so viel besser! Das Dritte wird durch zwei Geschwister genug gefördert! Übrigens ist’s irgendwann nicht nur für Dich Stress, sondern für die Kinder auch. Mein Sohn wachte ne Zeitlang mit folgendem ängstlichen Satz auf “Haben wir heute Termine?“ DAS kann ja wohl auch nicht gesund und Sinn der Sache sein! Schöne Ferien und ganz lieben Gruß!!!

    1. oh hah… ja der Satz sollte echt ein Warnschuss sein. und ich glaube du hast recht, von kind zu kind muss man ja mehr mit seinen Kräften haushalten… 😉 genießt euren urlaub noch!! ganz liebe grüße!!

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