Stillen ist Liebe – und Flasche geben auch

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Zwei Kinder – und wieder mal zwei Wege.

Unsere Stillzeit liegt ja nun schon etwas hinter uns. Dennoch möchte ich euch gern von unseren zwei sehr unterschiedlichen Wegen erzählen. Denn ein Kind wurde deutlich länger als ein Jahr gestillt und eines eben nicht. Warum? Das erzähl ich euch jetzt.

Wie ihr ja wisst, mag ich nichts Dogmatisches. Und irgendwie passt es da auch rein, dass unsere Kinder ganz unterschiedlich gestillt wurden. Natürlich war das nicht so geplant. Aber das Leben ist ja das, was passiert, während wir andere Pläne machen, nicht?

Das erste Kind – Huch wir stillen ja viel länger als die anderen

Die WHO empfiehlt Kinder in den ersten sechs Monaten ihres Lebens ausschließlich zu stillen. Danach sollen Kinder am besten noch bis zum zweiten Lebensjahr zusätzlich zur Beikost nach Bedarf gestillt werden. Nun kann man sich über die genauen Ausprägungen und Empfehlungen natürlich gut streiten. Man kann es aber auch einfach lassen und schauen, wie es dem Kind geht. Die meisten Kinder in Deutschland stillen insgesamt nur rund 7 Monate. 

Meine große Tochter wurde gute vier Monate ausschließlich gestillt. Dann zeigte sie erstes Interesse an Beikost und war auch motorisch schon sehr fit. Sie durfte deswegen  ab da sowohl Brei als auch Fingerfood kosten und wurde nach den Mahlzeiten noch weiter gestillt. Nach und nach verringerten sich die Stillmahlzeiten am Tag. Ohne Zwang oder Plan, einfach nach Gefühl.
Dennoch galten wir für viele Bekannte um uns herum als Exoten. Auch wenn ich mich mit dieser Stilldauer noch nicht zum Langzeitstillen gezählt hätte. Andere sahen das durchaus so.

Denn nachts trank die Motte ungerührt alle zwei Stunden. Und zwar bis sie knapp ein Jahr und neun Monate alt war.

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Stillen und kuscheln – eine unserer liebsten Beschäftigungen.

Das war deutlich länger als die meisten Kinder in unserem Umfeld. Einzig eine andere Freundin stillte nochmal bedeutend länger.
Meine Tochter wurde also stillend in die Krippe eingewöhnt und ich begann wieder zu arbeiten. Und nachts holte sie sich die Nähe und Rückversicherung, die sie einfach noch brauchte.

Ich stillte auch noch als ich bereits wieder schwanger war. Ich machte mich schon schlau übers Tandemstillen, da wurde es mir plötzlich von einem auf den anderen Tag zu viel. Meine Brüste schmerzten, anders als vorher. Stillstreiks, Brustentzündungen, all das hatten wir immer mal wieder durchgemacht.

Aber dieses Mal war es anders. Mein Körper zog die Reißleine. Ich konnte einfach nicht mehr, sehnte mich nach Schlaf, der Bauch wuchs schon wieder ordentlich und die nächste Stillzeit klopfte ja auch schon fast an die Tür. Die Milch wurde immer weniger und so stillten wir dann doch innerhalb einer Woche nachdem die Entscheidung gefallen war endgültig ab.

Meine Tochter, die vorher jede Flasche und jeden Versuch, die Zeiten zu verlängern mit großem Protest quittiert hatte, schien ebenfalls zu spüren, dass sich jetzt etwas verändert hatte. Zwei Nächte lang meckerte sie zaghaft, dann war sie mit Milch in der Flasche auch zufrieden. Wer hätte das gedacht?!

Das zweite Kind – langsames Abstillen und trotzdem ein schlechtes Gewissen

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Suchbild mit Babyfüßen. 😉

Bei meiner kleinen Tochter war von Anfang an vieles anders. Während die Große sich an der Brust auch immer Trost und Nähe gesucht hatte, fand die Kleine das höchst befremdlich. Wenn ich sie trösten wollte und ihr die Brust anbot, wand sie sich hin und her. Trinken bei Hunger oder Durst war okay, aber zum einschlafen oder trösten wollte sie geschuckelt und getragen werden.

Abends in ihren Schreistunden und nachts machten wir plötzlich Meter. Hin und her und hin und her liefen mein Mann und ich – nur dann beruhigte sich das Kind. Einzig die Federwiege, die uns auch bei der Großen schon so manches Mal den Allerwertesten gerettet hatte, wurde auch von der Kleinen akzeptiert und gönnte uns kleine Pausen.

Und dann erzählte mein Bruder uns, er werde heiraten. In Japan, in Tokio, der Heimat seiner Verlobten.

Klar, dass ich da unbedingt dabei sein wollte. Also rechneten wir. Und suchten nach Flügen und überlegten. Und schließlich war klar, diese Reise wäre uns für vier Personen a) zu teuer und b) für die Kleinen auch ganz schön heftig. Eine Zeitverschiebung von 7 Stunden, ein Elf-Stunden-Flug, ein Baby von 9 Monaten und ein Kleinkind von 2 Jahren und neun Monaten – das erschien uns nicht wirklich ideal. Ich sollte also alleine fliegen. Und die Kleine müsste bis dahin abgestillt sein.

Zu diesem Zeitpunkt war ich seit ungefähr drei Jahren am Stück entweder schwanger oder stillte. Meinen Körper wieder ganz für mich zu bekommen, kam mir regelrecht verrückt vor. Ebenso wie der Plan, etwas ganz für mich allein zu machen. FÜNF (!!) Tage sollte ich alleine verreisen. Wie sollte ich das aushalten? Und wie meine Kinder? Ich fühlte mich wie die schlechteste Mutter der Welt. Aus purem Egoismus würde ich das Kind abstillen.

Zum Glück waren die Mütter in meinem Umfeld da ganz anderer Meinung. Die meisten bestärkten mich in meiner Entscheidung und fieberten gemeinsam mit mir dem Tag X entgegen.

Abstillen über mehrere Monate 

Da der Termin der Hochzeit feststand, hatten wir auch eine klare Deadline fürs Abstillen. Denn ich hatte keine Lust mit schmerzenden und überlaufenden Brüsten im Flieger zu sitzen. Und ich fand für die Kleine wäre es komisch genug, plötzlich “nur” den Papa um sich zu haben. (Natürlich ist er der tollste Papa der Welt für meine Kinder! Aber das Mamaherz, ach dieses Mamaherz..) Da wollte ich ihr nicht auch noch die Umstellung auf die Flasche zumuten.

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Ein bisschen Brei, ein bisschen Fingerfood und ein bisschen Milch gab später dann auch dazu.

Wir begannen daher im Dezember und hatten Zeit bis April. Sorgfältig hatte ich eine Ersatzmilch ausgesucht, die ohne Palmöl auskam. Und glücklicherweise schien die Kleine sie auch zu vertragen. Erst bot ich ihr die Milch tagsüber an, wenn ich wusste, sie würde jetzt gleich wieder Hunger bekommen. Das funktionierte am Anfang – überhaupt nicht. Doch ich blieb dabei. Jeden Tag. Und von einem Tag auf den anderen trank sie sie doch. Jedes Mal ein Schlückchen mehr.

Bei der Großen hatte ich immer mal wieder halbherzig versucht, ihr Alternativen anzubieten. Da aber ja keine Notwendigkeit bestand, hatte ich es halt wieder gelassen, wenn sie ablehnte. Jetzt hatten wir keine andere Wahl. Denn ich hatte eine Entscheidung getroffen und hinter der stand ich auch. Ich würde zur Hochzeit fliegen. Und meine Kleine sollte bis dahin an die Flasche gewöhnt sein. Wenigstens den Weg zum Abstillen wollte ich so sanft wie möglich gestalten, wenn der Zeitpunkt schon (aus meinen Augen) so früh sein sollte.

Wir stillten also tagsüber immer weniger und als das gut funktionierte, stellte ich auch nachts um.

Und dann passierte etwas, womit ich nie gerechnet hatte. Ich konnte es plötzlich genießen, dem Kind die Flasche zu geben. Und der Papa auch. Denn der konnte sich jetzt nochmal ganz anders um die Kleine kümmern. Und da Papa diesmal auch vier Monate Elternzeit nahm, statt zwei wie bei der Großen, hatte er die Gelegenheit die Babyzeit nochmal viel intensiver erleben zu dürfen als beim ersten Mal.

Muss ich noch erwähnen, dass die Kleine ein echtes Papakind ist?! Tatsächlich scheint die beiden die gemeinsame Zeit richtig zusammen geschweißt zu haben. Momentan macht unsere Maus zwar wieder eine sehr intensive Zeit durch und fordert auch wieder mehr Mama. Im Großen und Ganzen ist sie aber ziemlich auf den Papa geprägt. Und das ist auch für mich richtig schön zu sehen.

Was ich aus diesen zwei unterschiedlichen Wegen gelernt habe?

Sag niemals nie. Gründe für die Flasche kann es viele geben. Und niemandem steht es zu, darüber zu urteilen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich eine Flaschenmama sein würde. Ebenso hätte ich niemals gedacht, dass ich mal Langzeitstillen würde. Niemals hätte ich gedacht, dass beide Wege völlig in Ordnung sein können. Ein bisschen mehr Demut vor den Entscheidungen anderer Mütter nehme ich mir seitdem vor.

Ja, breast is best. Aber wenn es eben nicht klappt oder geht, warum auch immer, auch dann können die Kinder liebevoll und bedürfnisorientiert groß werden.

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Nochmal kurz gucken.. ja sind beide groß geworden die Kinder. 🙂

Denn ja, auch Flasche geben passt zu einer bedürfnisorientierten Erziehung. Klingt komisch, ist aber so. Ihr erinnert euch an meine Gefühle von weiter oben. Das ich die schlechteste und egoistischste Mutter unter der Sonne sei?!
Kann man so sehen. Muss man aber nicht. Bedürfnisorientiert erziehen heißt nämlich  nicht, nur auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Sondern abzuwägen zwischen allen Bedürfnissen.

Und ich denke, alles in allem, ist uns das dann doch noch ganz gut gelungen. Die fünf Tage in Tokio waren übrigens unvergesslich. Genauso wie der Empfang von Mann und Kindern bei meiner Rückkehr. 😉

Und ihr? Wie war oder ist eure Stillbeziehung? Hattet ihr Probleme beim Stillen oder habt ihr euch für die Flasche entschieden oder entscheiden müssen? Ich freu mich von euch zu hören. Love, eure Sonja <3

2 thoughts on “Stillen ist Liebe – und Flasche geben auch

  1. Liebe Sonja, ich glaube, die meisten machen sich da total unnötig Druck. Jeder muss selber wissen, wie, ob und wie lange man stillt. Bei meinem ersten Sohn habe ich studiert, deshalb habe ich ihn nach 6 Monaten abgestillt. Die Abpumperrei auch in der Uni wurden mir zuviel. Ich hatte trotzdem ein schlechtes Gewissen. Bei meinem zweiten Sohn habe ich 11 Monate gestillt und erst abgestillt, als er mich gebissen hat. Das Abstillen war total schmerzfrei und entspannt und wir brauchten keine Ersatzmilch. Also einfach machen und wenn man merkt, geht nicht, dann halt nicht. So unnötig, der Stress, den man sich selbst macht.

    Lieben Gruß, Bea.

    1. Liebe Bea, ich sehe es genau wie du. Aber gerade beim ersten Kind lässt man sich ja doch noch stark beeinflussen. Auf jeden Fal lging es mir so und ich habe mich ständig hinterfragt. Ich wollte es halt so gut wie möglich machen. Und bei der Kleinen fand ich mich füchterlich ungerecht, weil ich ihr nicht dieselbe Stillzeit ermögliche wie der Großen. Das sich hinterher heraus stellte, dass es eben auch so gut ging, war natürlich ein Glücksfall. Ja den meisten Druck machen wir uns einfach selber. Die Kinder sind da deutlich entspannter. 🙂 Liebe Grüße, Sonja

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