Wer zuerst schläft, hat gewonnen – Von Abendritualen und Einschlaftücken

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“Mamaaaaa, ich bin noch gar nicht müde. Mama, erzählst du uns eine Geschichte? Mama, ich hab noch eine einzige Frage. Wirklich nur eine. Warum können Fische im Wasser atmen? Mama? Maaaamaaaa? Mama, schläfst du?” 

Na, Hände hoch, wer von euch auch schon vor den Kindern bei der Einschlafbegleitung davon geschlummert ist? Ich bekenne mich schuldig. Der Mann und ich haben schon diverse Stunden auf dem Teppich vor dem Kinderbett verbracht. Also seit die Kids halt in ihren eigenen Betten einschlafen mit Mamas oder Papas Hand dabei. Bisweilen wurden aus den paar Minuten Hand halten auch schon mehrere Stunden auf dem kalten und harten Boden und ein sehr verknittertes Aufwachen..

Abendrituale sind ja sooo wichtig! 

Ja, als belesene und erfahrene Eltern kennt ihr das. Rituale sind sehr sehr wichtig für die Entwicklung der Kleinen. – Bitte stellen Sie sich hier einen erhobenen Zeigefinger vor – “Am besten legen Sie die Spieluhr schon während der Schwangerschaft auf den Bauch, damit sich das Baby dran gewöhnt.” Klingt ja in der Theorie ganz nett. Dass ihr die Melodie aber danach noch ungefähr 358 Millionen Mal hören müsst, bis das Plüschvieh irgendwann endlich den Geist aufgibt, ja das sagt wieder keiner.

Und überhaupt, warum laufen diese Dudeldinger eigentlich nur gefühlte 30 Sekunden? Und dann musst du dich wieder verrenken und das Baby / Kind soll natürlich nicht wieder aufgeschreckt werden und dann fällt was runter und dann ziehst du an der viel zu laut surrenden Schnur und dann geht es auf einmal viel zu laut wieder weiter mit “Weisst du wieviel Sternlein steeeeheeen…” ??? Warum nicht drei Meter Schnur, einmal aufziehen und dann ist Ruhe im Karton? DAS wäre doch mal eine Marktlücke.

Do it yourself – Weisst du wieviel Lalelu guten Abend, gute Nacht…

Spätestens bei Kind 2 war ich so dermaßen fertig mit Spieluhren, dass ich beschloss selber zu singen. Ist doch eh viel romantischer. Da sitzt die Mutter versonnen am Bettchen, das Haar fällt ihr luftig um die Schultern, durch das Fenster scheint der Mond und dann trällert sie mit Vogelstimmchen ein so wunderbares Lied, dass der Nachwuchs  sich noch Jahrzehnte später an seine wunderbare Kindheit erinnert. Im Ohr die sirenengleiche Singstimme der Mama. Gebt zu, ihr hattet solche Bilder doch auch im Kopf! Einzig – diese blöden Schlaflieder sind in einer so dermaßen hohen Stimmlage geschrieben, wer trifft denn bitte diese Töne?

Ich hab es trotzdem probiert. Immerhin bin ich die Tochter eines Musikers. Das kann ja nicht sein, dass ich an so etwas Trivialem wie LaLeLu scheitere. Das Schöne ist ja, du hast jeden Abend wieder die Chance deine Performance zu verbessern. Und irgendwann hast du so einigermaßen einen Flow und die paar ganz hohen Töne kann man auch ruhig ein bisschen verschlucken. Die größte Hürde ist hier aber nicht die Tonlage. Nein, die Einschlafzeit meiner Kinder ist ein viel größerer Endgegner. So ein durchschnittliches “Schlaf Kindlein Schlaf” dauert ja nunmal keine 30 Minuten. Oder länger. Also fängst du wieder von vorne an. Und nochmal. Und nochmal. Mit den ersten zwei Zeilen zumindest. Weil, wer kann sich den Rest bitte merken? Oder wusstet ihr, dass in der zweiten Strophe von “Guten Abend, gute Nacht” Christkindleins Baum vorkommt? Also für mich war das neu.

Aber ich kann ja improvisieren. Ein paar Zeilen guten Abend, dann leuchten die Sternlein am Himmelszelt und irgendwann, wenn alles, aber wirklich alles durchgedudelt ist und Mama geistesabwesend summt und summt, dann kann es auch passieren, dass ich plötzlich den Mann im Mond von den Prinzen singe. Ob das nun wieder besser ist? Es darf bezweifelt werden.

Ole, ole, ein Hoch auf die Technik

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Ja, ich gebe es zu. Ich habe meine abendliche Gesangskarriere bereits wieder beendet. Allenfalls bei Extrawünschen der Mädels lasse ich mich zu einem kurzen Comeback überreden. Ansonsten darf der CD-Player ran. Kein hipper Holzplayer, keine süßen Tonpüppchen, ein völlig schnöder und dennoch solider Kinder-CD-Player, den die Damen auch selber bedienen können, um standesgemäß die 3000. Folge von Bibi und Tina durch das Kinderzimmer schallen zu lassen.

Dieses pragmatische Ding, dass mich auch ein bisschen sentimental an meine Kindheit in den 80ern erinnert, hat uns den Ars.. gerettet. Die Kinder haben eine CD mit über 30 (!!!) Schlafliedern zu ihrem Favoriten erkoren. Und die läuft jetzt jeden Abend. Ich hab es ja gesagt, Rituale sind sehr wichtig! 🙂

Das mit dem Einschlafen klappt jetzt wieder richtig gut.

Spätestens beim vierten Lied schläft die Erste. Also ich. Manchmal gewinnen aber auch die Kinder. Vor dem Kinderbett der Kleinen liegt jetzt trotzdem wieder eine Matratze. Mit Kuscheldecke. Besser ist das. Es ist aber auch so schön gemütlich unterm Sternhimmel und wenn dann noch “Schlaf Anne” läuft, hach, da kann ich mich so richtig fallen lassen…

 

So und jetzt gute Nacht ihr Lieben! Schlaft gut und träumt was Schönes. Love, eure Sonja <3

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