Warum Selbstfürsorge keine esoterischer Quatsch ist – oh du besinnliche Weihnachtszeit!

Liebe dich selber! Gute Idee. Photo by Cristi Tohatan on Unsplash

Die letzte Woche vor Weihnachten ist angebrochen. Juhu! Ich weiß nicht wie es euch geht, aber wenn ich mich so umhöre, dann bedeutet das für viele von uns Folgendes: nur noch eine Woche Vollgas und dann endlich runterkommen und ausspannen. Also nach den Feiertagen.

Vorher müssen ja noch Wagenladungen Essen angekarrt und zubereitet werden. Geschenke fehlen vielleicht noch, Mutti packt und backt und rotiert. Die Kinder rotzen und husten derweil fröhlich vor sich hin. Schlaf wird mal wieder überbewertet und wer jetzt noch arbeitet, weiß, im Büro drehen auch nochmal alle ein bisschen durch. 

Alles ist wichtig – Echt jetzt? 

Wenn wir da mal ganz ehrlich sind, dann gäbe es sicherlich Dinge, die wir wie man im Büro so schön sagt “runter priorisieren” könnten. Muss ich wirklich nochmal mit dem Kindergarten Plätzchen backen? Muss Oma vor Weihnachten nochmal besucht werden? Muss das Konzept für den Chef echt noch in dieser Woche fertig werden oder guckt der es sich vielleicht eh erst Mitte Januar an? 

Muss ich immer erreichbar sein? 

Für mich zählt auch die viel gelobte Erreichbarkeit zu eben diesen Dingen, die ich aus Selbstschutz runter drehe. Und zwar nicht nur für den Chef. Er möge mir verzeihen. Das gilt auch für Kolleg*innen, die Kindergarten-Eltern, für Verwandte und Bekannte, ja bisweilen sogar für meine eigene Mutter. 

Denn mal ganz ehrlich, was ist so wichtig, dass ich es unbedingt in den nächsten fünf Minuten erledigen muss? Die Kinder! Ja genau. Aber sonst? Wenn nicht gerade dringende Notfälle anstehen, können die meisten ach so wichtigen ToDos ja doch noch ein bisschen warten. 

Muss ich alles mitmachen? 

So unter uns: Ich werde auch nicht besser, wenn ich alles gleichzeitig mache. Im Gegenteil. Je mehr oben drauf kommt an Aufgaben, umso mehr fällt eben auch unten wieder durchs Raster. Multitasking macht blöd, sagt eine meiner liebsten und ältesten Kolleg*innen schon seit Jahren.

Geldgeschenke für ausscheidende Kollegen? Ich bin diejenige, die kurz vorm Ausstand um die Ecke kommt und fragt, ob ich nicht doch noch meinen Fünfer dazu tun kann. 
Kuchen backen für den Elternbeirat? Ich bin diejenige, die IMMER kauft, aber selten backt. Weil wann? 

Katzensitter für unseren geliebten Theo organisieren, weil wir an den Feiertagen die Omas besuchen? Hups, äh könnt ihr morgen? 

Gut, sagt ihr jetzt vielleicht, du wirst schusselig. Ich nicht. Okay. Gesund ist das trotzdem nicht. Und deswegen habe ich ein großes Problem mit Menschen, die mit eben dieser Erwartungshaltung durch die Welt laufen – Du musst immer reagieren, immer sofort zurückschreiben, immer ans Telefon gehen.

Warum hast du meine Mail noch nicht gelesen, was sagst du zum neuen Rundbrief im Kindergarten, warum meldest du dich nicht, du hast doch meine WhatsApp gelesen, hilfst du beim Flohmarkt, warum nähst du nicht mehr, warum kannst du nicht Freitags vormittags zuhause sein und den Techniker ins Haus lassen, warum ist dein Vorgarten nicht gezupft und die Kinder nicht gestriegelt? 

Stress macht krank – Echt jetzt!

Wer immer auf 150 Prozent fährt, der bekommt irgendwann die Quittung. Wie lange wir das aushalten, ist aber individuell anders. Deswegen ist es auch so schwierig das zu definieren – dieses was denn nun zu viel ist. 

Es gibt aber Anzeichen. Die gibt es immer. Wenn du selber schon mit Gereiztheit auf die kleinsten Anfragen reagierst, hm, dann könnte das so ein Zeichen sein. Auch andauernde Schmerzen im Kopf oder im Rücken, immer wieder kehrende Erkältungen, Magenbeschwerden bis hin zu den Klassikern wie Tinnitus oder Bluthochdruck. Unser Körper zeigt uns oft unsere Grenzen. ( Die Uni Bielefeld hat das hier mal ausführlich aufgeschrieben. 

Wie oft wurde ich mit den Kindern krank, und war eigentlich heilfroh, dass damit alle Termine der Woche hinfällig waren. Weil es einfach zu viel war. 

Die eigenen Grenzen kennen ist eine Stärke 

Es ärgert mich deswegen echt maßlos, dass ich in so vielen Bereichen nicht einfach sagen kann, das ist mir zuviel.  Dieses Eingestehen wird als Schwäche empfunden und gewertet. Und das kann einfach nicht sein. Wir beuten uns selber aus und feiern uns auch noch dafür.

Der Stärkere gewinnt und wer am längsten im Büro gesessen hat, war bestimmt am Fleißigsten. 

Daran ist so Vieles falsch. Und das macht mich traurig. Ich möchte meine Aufgaben gut machen. Is doch klar.  Und das kann ich nur, wenn es mir selber gut geht. Ansonsten falle ich bei der nächsten Belastungsprobe – und die wird kommen – um, wie ne alte Kuh, die nachts von Teenies geschubst wird. 

Und jetzt kommst du! 

Deswegen ist Selbstfürsorge eben kein esoterischer Quatsch. Und das mit der Achtsamkeit eben auch mehr als ein netter Spruch im Coffeetable Bildband. Wenn ich ein wertvoller Teil der Gesellschaft bleiben soll, dann brauche ich auch Raum für mich. Und diesen immer wieder freizuschaufeln und auch zu achten, ist eben alles andere als schwach.

Es zeugt von Stärke auch mal NEIN zu sagen. Das war schon immer so. Nur gehen wir allzu gern über die Bedürfnisse von anderen hinweg. Und das muss endlich aufhören. 

Und jetzt abschalten!

Habt ihr als Kinder auch so gerne Löwenzahn geguckt? Peter Lustig ist ja einer meiner Alltime-Kindheitshelden. Und der wusste es damals schon, irgendwann ist es Zeit zum abschalten. 

Habt eine schöne und hoffentlich auch besinnliche restliche Weihnachtszeit! Love, eure Sonja ❤ 

 


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