Wieviel Wut passt in einen Tag? Willkommen in der Autonomiephase!

Wieviele Neins passen in ein Kind? Und wie sehr kann man eigentlich dagegen sein? Wer glaubt Teenager seien die wahren Helden des Widerstands, der hat vergessen, wie wütend eine falsch abgebrochene Banane machen kann.

Kleinkinder sind krass.

Unsere kleine Zaubermaus feiert gern Parties. Oder tanzt uns halt auf der Nase rum… Wie sich das gehört. 😉

Sie sind radikal. Und komplett ihrer Idee verfallen. Nur welche das gerade ist, ist für verzweifelte Eltern nicht immer leicht heraus zu finden. Vielleicht hast du den Stuhl falsch ran geschoben. Vielleicht sollte der Teddy anders sitzen. Vielleicht wollte das Kind selber das Wasser einschenken. Vielleicht war es aber auch einfach schon den ganzen Tag mies drauf.

Also eigentlich ja auch schon heute Nacht. Denn hier kommt das Neueste über die Autonomiephase.

Wutanfälle kann man nämlich auch nachts haben. Nimm das Mama. Und wasch dir schon mal die Ohren. Die klingeln von meinem Gebrüll? Tja, da musst du jetzt durch. Ich hab nämlich gerade erst angefangen.

Wenn du dachtest, du wüsstest wie der Hase läuft, nur weil du schon mal ein Kind da durch begleitet hast, dann kann ich nur laut lachen.

Denn wie auch sonst, unterscheiden sich die Bedürfnisse der lieben Kleinen hier ganz schön. Kind 1 wollte trotz schlimmster Wut in den Arm? Das ist ja schön für Kind 1. Interssiert Sprössling Nummer Zwei aber nicht im Geringsten. Das verkriecht sich lieber rückwärts krabbelnd unterm Tisch und brüllt immer dann laut auf, wenn du vorsichtig versuchst, dich ihm zu nähern. Gefühle spiegeln? Klappt vom anderen Ende des Zimmers eher so semi gut.

Der Zorn des Kindes wird über dich kommen

Egal was du versuchst. Ab einem gewissen Punkt kannst du es einfach nicht mehr richtig machen. Dann muss es einfach raus. Und ja du weißt es. Du hast die einschlägige Literatur gelesen. Und doch, es ist und bleibt eine Herausforderung, die gemessen am Temperament des Kindes ganz schön heftig ausfallen kann.

Und dann kommen da ja leider auch noch so Sachen, die für uns piefige Eltern nicht verhandelbar sind. Auf der Straße sitzen bleiben und die nächste halbe Stunde dort aus vollem Hals zu schreien und dabei den Verkehr zum Erliegen zu bringen… Sorry. Geht halt nicht.

Allein – es juckt den Nachwuchs nicht. Wenn die Wut kommt, dann kommt sie. Und dann muss sie raus. Das das leider an den Nerven aller Beteiligten zerrt, vor allem wenn das im Halbstundentakt passiert, ja da können die Kleinen nun auch wieder nichts für. Trotzdem, manchmal ist es echt schwer zu ertragen…

Da helfen auch keine Schulterklopfer von anderen Eltern. Die Glücklichen können sich schließlich einfach vom Acker machen. Während du da sitzt und auf das Kind einredest und verdammt nochmal versuchst, die Ruhe zu behalten, aber MEINE FRESSE IST DENN VIELLEICHT AUCH IRGENDWANN MAL WIEDER GUT MIT DIESER SCHEISS-BANANE????

Die Wut ist ansteckend

Das ist ja das Schlimme. Auf mich zumindest überträgt sich die Erregung des Kindes sofort und unerbittlich. In meiner Brust zieht und schmerzt es und auch ich möchte diese Anspannung am liebsten loswerden, in dem ich laut schreie und stampfe und Türen schlage, bis alles raus ist. Aber natürlich will ich das nicht. Und ich versuche es zu unterdrücken. Immerhin habe ich ja über 30 Jahre mehr Erfahrung darin, meine Gefühle zu regulieren.

Es klappt. Mal besser und mal schlechter. Ja das ist leider so. Auch ich kann das nicht immer so gut kontrollieren. Mich von den Gefühlen anderer abzuschotten – eh ein Problem. Hallo HSP. Die Gefühlsexplosionen von Kindern sind da eine ganz besondere Herausforderung.

Vor allem, wenn das Kind anfängt nachts zu wüten, weil die Decke falsch ist oder das Bein anders liegen soll oder sie nicht weiß, ob sie lieber bei Mama oder Papa im Arm schlafen möchte oder oder oder… Und dann schläft sie nach einem einstündigen Brüllanfall wieder ein. Und ich liege da. Und bin ganz aufgeregt. Und das Herz pocht und der Kopf dröhnt und der Wecker tickt. Und ich bräuchte auch jemanden, der mir hilft, runter zu kommen.

Ommmm – Augen auf und durch


Chill mal Mama!
Photo by David Clode on Unsplash

Es hilft natürlich dennoch nichts die Augen vor der Situation zu verschließen. Kinder in der Autonomiephase lernen gerade etwas Existentielles. Und das ist aufwühlend. Nur – es geht nicht ohne. Wenn dein Kind gerade im Halbstundentakt wütet, dann musst du das genauso annehmen und durchstehen wie jede andere Entwicklungsstufe eben auch.

Kompromisse anbieten, Alternativen aufzeigen – das kann im besten Fall klappen, um dein Kind vor der Wut-Spirale zu bewahren. Manchmal muss man die schlimmen Gefühle aber auch einfach aushalten. Denn natürlich haben sie ihre Berechtigung, egal wie schwer das für uns Erwachsene ist.

Und natürlich sollen die Kleinen eben auch selber lernen, die schlechten Gefühle auszuhalten, um so etwas wie eine Frustrationstoleranz überhaupt erst zu entwickeln. Und nach und nach werden sie lernen, wie sie mit Enttäuschungen umgehen können.

Und bis dahin hilft eben nur: Ommmmm – es ist alles ein Phase! Haltet durch! Ich versuch es auch! Love n peace, eure Sonja


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4 thoughts on “Wieviel Wut passt in einen Tag? Willkommen in der Autonomiephase!

  1. Sehr treffend beschrieben und auch für mich als „Großvater“ gut nachvollziehbar. Auch wenn „das Enkelchen“ bisher relativ wenig Wut in sich hat. Und meine Töchter diesbezüglich recht pflegeleicht waren. Damals.
    Grüße,
    Matthias

  2. Oi, mit 2,5 sind wir grade auch mitten drin in der Autonomiephase.
    Und oft kann ich ja sogar verstehen, warum er traurig oder wütend ist. Es ist echt nicht leicht, ein Kleinkind zu sein. Und wenn das verdammte Lieblings-Paw-Patrol-T-Shirt in die Wäsche muss, ist das halt echt ein kleiner Weltuntergang.
    Ich würde ihn da so gerne trösten. Aber ich hab auch einen von der Sorte, die man in so einem Moment nicht anfassen darf.
    Was mich wirklich fertig macht, ist wenn die Wut in Kampf umschlägt. Er schlägt und kratzt und tritt und beißt und dass macht mich zum einen selber unsäglich wütend und zum andern emotional einfach fix und alle. Ich hoffe, das lässt bald wieder nach.
    Was bei uns manchmal hilft, ist mit/von seinem „Wutmännchen“ zu sprechen. Das ist das kleine Männchen in seinem Kopf, dass komplett austickt und macht, dass die Hände hauen und die Füße treten. Und dem er sagen soll, dass es nicht okay ist, anderen weh zu tun.
    Die Distanz, die das rein bringt, hilft zumindest alle paar Wutanfälle mal. Und ist sogar Gehirnphysiologisch korrekt: Das Wutmännchen ist die Amygdala, die auf Flucht oder Kampf schaltet. Und wenn er mit seinem Wutmännchen spricht, dann aktiviert das die Frontallappen, die die Emotionen dann irgendwann wieder in den Griff kriegen.

    1. Hey Annette, oh das mit dem Wutmännchen find ich gut. Das werd ich mal probieren. Wir hatten mal ne Geschichte mit nem Wutelefanten, dass fand die Kleine aber gar nicht gut… Ich wünsch dir auch alle Kraft und ganz viel Durchhaltevermögen, auch für die Kämpfe. Das ist wirklich hart auszuhalten. Was bei uns ganz gut hilft, um aus der Wut rauszukommen, ist unser “wie lieb hab ich dich Spiel” Ich fange an mit, weisst du eigtl wie lieb ich dich hab? und dann rate ich und sage, “bis zur decke und zurück” und die kleine schüttelt ganz doll ihren kopf und schreit nein. Und dann rate ich wieder: bis zum Himmel un zurück? nein. bis zu den Sternen und zurück? Und irgendwann sind wir dann beim Mond und die maus lächelt wieder. und wenn sie bis dahin nicht wieder lächelt, erzähle ich ihr, was ich alles lieb habe. ihre zehen, ihre Füße, ihre beine, ihre arme, ihre energie, ihre kraft, ihr lachen… was mir so einfällt. Und danach geht es dann meist wieder… 🙂 ganz liebe grüße, sonja

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