Warum ich mir neben Job und Kindern Raum für Hobbys schaffe.

Kennt ihr diese Interviews, in denen Stars zu ihrem Werdegang befragt werden? Dieser Moment, wenn verwackelte Videoaufnahmen Sänger*innen mit Bürsten in der Hand vor der Familie zeigen oder wenn winzig kleine Hände noch etwas ungeschickt über Instrumente huschen…

Photo by Nadi Whatisdelirium on Unsplash

Werden diese Künstler also befragt, wie oder wann sie zum Singen, zur Musik generell oder zur Kunst gekommen sind, dann antworten sie unisono “Ich hab das schon als Kind gemacht” oder “Das gehörte einfach schon immer zu meinem Leben”.

Nun lässt sich mein kleiner Blog und mein Geschreibsel für Tageszeitungen, Zeitschriften und Co sicher nicht mit den Werken von Lady Gaga und Konsorten vergleichen. Aber dieses Gefühl, eine Leidenschaft schon ein ganzes Leben lang auszuleben, das kenne ich sehr wohl.

Wie machst du das eigentlich alles?

Der Bogen, den ich heute spanne, wird etwas länger. Aber ich denke und hoffe zum Schluss vervollständigt sich das Bild, das ich euch heute zeichnen möchte.

Zufälligerweise betreibe ich mein Hobby seit vielen Jahren in der Öffentlichkeit, was dazu führt, dass ich sowohl in der digitalen als auch in der realen Welt immer wieder angesprochen werde. Spätestens seit ich Mutter bin, ist die mit Abstand am meisten gestellte Frage wohl diese: “Wie machst du das eigentlich alles?”

Das Alles” meint in der Regel meinen ziemlich vollgepackten Alltag. Ich arbeite in einer 3/4 Stelle in Teilzeit, denn ich leite seit gut einem halben Jahr gemeinsam mit einer Kollegin im Job Sharing eine Abteilung. Ich pendel vier Tage die Woche 70 Kilometer zu dieser Stelle und wieder zurück. Ich habe zwei Kindergartenkinder, die im Sommer drei und fünf Jahre alt werden. Ich bin im Elternbeirat und engagiere mich immer mal wieder bei den Grünen im Ort.

Und ach ja, ich blogge und werde im Rahmen dessen auch immer wieder zu Veranstaltungen eingeladen. Nebenbei arbeite ich seit gut zwei Jahren an einem Buchprojekt, welches so langsam vorwärts geht, dass ich möglicherweise irgendwann einmal eine Auszeichnung für den längsten Atem der Welt bekommen werde. (Schön wärs, ne?!)

Das ist zugegebenermaßen nicht wenig und ich habe mir auch fest genommen, in diesem Sommer ein paar dieser Tätigkeiten abzugeben oder zurückzufahren. Denn ehrlich, jede arbeitende Mutter kennt den Spagat zwischen Büro und Kinderturnen, zwischen Meetings und Hausaufgabenkontrolle und zwischen schlechtem Gewissen und Freude über berufliche Erfolge. Und das allein langt eigentlich schon aus, um den Kopf und den Alltag reichlich zu füllen.

Wie zur Hölle kommst du da noch zum bloggen?

Ganz einfach. Ich lasse die Wäsche Wäsche sein, sehe über das Spielzeug-Chaos hinweg und mache das, was mir gut tut. Schreiben. Schreiben bringt Ordnung in meinen Kopf, der den ganzen Tag und leider auch allzu oft nachts rattert. Außerdem bin ich die wahrscheinlich schlechteste Hausfrau unter der Sonne und wer von uns macht schon gern Dinge, in denen wir nicht gut sind?

Schreiben ist für mich Selbstliebe. Ist Achtsamkeit und Runterfahren. Innehalten und Reflektieren. Die Zeit, die ich mir für das Schreiben nehme, nehme ich mir für mich. Ganz schön egoistisch, oder? Im ersten Moment schreibe ich das nicht für euch Nutzer da draußen, wie man das heutzutage so macht, sondern ganz für mich allein. Und weil ich so egoistisch bin, hoffe ich, dass ich Menschen erreiche, denen es ähnlich geht wie mir und mit denen ich mich austauschen kann. Von denen ich lernen kann und mit denen ich meine Gedanken weiter sortieren kann. Weil – vielleicht gehen die ja auch in eine vollkommen falsche Richtung? Und dann seid ihr mein Korrektiv.

Als ich vor über zehn Jahren mit meinem ersten Blog begonnen habe, war ich noch Studentin. Ich bloggte über Musik, über Festivals, über Beauty und am Ende doch auch immer über mich. Und schon damals durfte ich erfahren, dass immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, mich nun wirklich zu nackig gemacht zu haben, eure Resonanz besonders groß war.

Ich kann nicht beurteilen, ob meine Texte im klassischen Sinne gut sind. Ich kann nur sehen, wie viel ihr kommentiert, liked oder teilt. Wie oft ich angesprochen oder eingeladen oder auch verlinkt werde. Wenn ich authentisch bin, mache ich mich immer wieder verletzbar. Aber ich öffne auch meine Tür und bekomme oft genau dann die größten Geschenke von euch.

Still not Superwoman

Deswegen schreibe ich in der Regel auch über Dinge, die mich selber bewegen. Und dann fließen die Worte nur so aus mir heraus. Zu Schreiben ist also in meinem Alltag keine Bürde, sondern mein ganz persönlicher Aus-Knopf. Das bedeutet aber übrigens nicht, dass ich Texte immer so zwischen Büro und Kindergeschrei aus dem Ärmel schüttel. Im Gegenteil. Wenn ihr sehen könntet, wie viele begonnene Blogbeiträge in meinem Archiv schlummern, würdet ihr euch wundern. Oft fehlt mir eben auch schlicht die Zeit. Seit meiner Elternzeitvertretung im Führungsteam habe ich deswegen auch meinen Veröffentlichungszeitraum radikal zurückschrauben müssen. Anstatt zwei Texte in der Woche zu veröffentlichen und diese in den sozialen Netzwerken zu verbreiten, schreibe ich so ein bis zwei Texte im Monat.

Meinen letzten Text über entspannte Mütter habe ich beispielsweise an zwei Wochenenden geschrieben. Am ersten Sonntag hab ich die Rohfassung gemacht und am Sonntag danach dann Korrektur gelesen, verbessert, veröffentlicht und verbreitet. Und Fun Fact: Auch dieser Text lag jetzt knapp zwei Wochen auf Halde, bis ich ihn mal fertig geschrieben hatte…

Das Alles” passiert also nicht wirklich gleichzeitig. Kommt eine neue Aufgabe dazu, muss ich selbstverständlich woanders abspecken. Superkräfte habe ich nämlich leider immer noch nicht. Und wo der Brief aus Hogwarts bleibt… na ja.

Warum ich das alles erzähle?

Weil mir nichts ferner liegt, als hier das Bild der niemals schlafenden, weinenden, verzweifelnden Super-Power-Mum zu verbreiten. Ich will hier kein Mombashing sondern Empowering. Hier soll sich niemand schlecht fühlen, weil er oder sie mehr oder weniger “schafft”. Und weil ich mich zwar immer über nett gemeinte Worte freue, aber ganz bestimmt keinen Orden dafür erwarte, wie sehr ich meinen Alltag zuballer. Vielleicht schreibe ich in ein paar Jahren ja auch darüber, wie verblendet ich mit Mitte 30 war und wie das Leben als Aussteigerin und Achtsamkeits-Lehrerin auf Bali nun ist?! Who knows.

Kommen wir also zu den Superstars zurück. ich hab zwar als kleines Kind auch mit der Bürste in der Hand gesungen und getanzt, aber ganz offensichtlich hat es trotzdem nicht zur Weltkarriere gereicht.

Meine Leidenschaft ist schon immer das geschriebene Wort gewesen.

Geschichten und Menschen faszinieren mich und ich kann gar nicht genug davon bekommen. Ich habe (Bilder-)Bücher mit der Taschenlampe unter der Bettdecke verschlungen, noch bevor ich richtig lesen konnte. Später habe ich ganze Büchereien durchgelesen und ungezählte Nachmittage damit verbracht, in meinem Sitzsack rumzulümmeln und Seite über Seite von ungezählten Büchern zu verschlingen.

Und als ich dann endlich schreiben konnte, konnte ich damit gar nicht mehr aufhören. In meinem Keller hüte ich ein ganzes Sammelsurium aus Tagebüchern, Gedichten und Kurzgeschichten, die ich seit meiner Kindheit schreibe. Und nur wegen dieser Leidenschaft bin ich überhaupt zu meinem Beruf und meiner Berufung – dem Journalismus – gekommen. Als ich mich bei einer Tageszeitung vorstellte, hatte ich nichts außer ein paar Songtexten und Gedichten im Gepäck. Und so wurde irgendwann aus dem Hobby ein Beruf.

Ihr könnt also sehen, ich brauche das HIER ganz ganz dringend. Und deswegen werde ich mir immer Raum dafür schaffen. Manchmal heißt das, dass ich abends auf dem Sofa beim Netflixen schreibe. Ein andermal sitze ich mit Laptop auf den Knien im Garten, während die Kinder hindurch turnen. Und ganz bestimmt verbringe ich viel zu viel Zeit an meinem freien Montagvormittag vor meiner Kiste und schreibe. Und bin dann ziemlich glücklich.

Gibt es Leidenschaften, die euch schon euer ganzes Leben begleiten? Ihr wisst ja, Kommentare sind Bloggergold. Also schreibt mir doch. Ich freue mich.

Love n peace, eure Sonja

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3 thoughts on “Warum ich mir neben Job und Kindern Raum für Hobbys schaffe.

  1. Ich habe mir eigentlich erst vor ein paar Jahren Hobbies gesucht. Ich bin keine von denen die irgendwas „schon immer“ gemacht hat. Vor 13 Jahren bin ich zum Bloggen gekommen. Habe das einschlafen lassen und blogge seit ein paar Montane wieder. Für mich ist das ein Hobby. Auch Meditation und Yoga und Sport sind seit einiger Zeit meine Hobbies. Mein Leben ist jetzt voller. Im positivesten Sinne des Wortes und ich plane die Zeit dafür fest ein. Das sind sozusagen „Termingeschäfte“. Aber ich weiß, dass ich es sonst vernachlässigen würde.
    Ich finde bewundernswert wie du das mit Kindern schaffst.

  2. Lesen gehört auf jeden Fall zu dem, was ich schon immer getan habe. Das Lesen habe ich dann auch zu meinem Beruf gemacht, als Buchhändlerin war es immer am Wichtigsten für mich, das richtige Buch zu finden für die, die danach fragten.
    In den letzten Jahren ist meine Kirchengemeinde zu einer meiner Leidenschaften geworden, obwohl sie und ich nicht immer eine stressfreie Beziehung führen 😉
    Schreiben ist für mich irgendwie die logische Folge des Lesens, es gab auch mal die Idee zu einem Buchprojekt, aber erstmal bleibe ich bei der Kurzform und blogge mit zunehmender Intensität. Dabei geht es mir ähnlich wie dir, ich schreibe, um für mich Dinge zu verarbeiten, und ich schreibe sie öffentlich auf, weil ich denke, dass es andere gibt, die sich ähnliche Gedanken machen (oder zumindest dringend machen sollten…).

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