Was wurde eigentlich aus… zuckerfrei ernähren mit Kindern? Ein Rückblick auf ein halbes Jahr (fast) ohne Zucker

Ihr Lieben, Anfang des Jahres habe ich meine Ernährung umgestellt und euch davon berichtet. Zuerst hatte ich gefastet, danach auf komplett zuckerfreie Ernährung umgestellt. Seitdem sind nun fast sechs Monate vergangen. Hier ist meine Zwischenbilanz.

Photo by Melissa Belanger on Unsplash

“Ach guck mal, du greifst ja auch wieder zu” raunte meine Kollegin mir grinsend zu, als ich mir einen der wirklich umwerfenden Schoko-Muffins aus dem Einstands-Kuchensortiment der neuen Kollegin schnappte. War nun also alles wieder wie vorher und ich hatte dem zuckerfreien Leben wieder abgeschworen? Nun, nicht ganz.

Nach einem halben Jahr kann ich auf einige Monate des Auf und Ab zurückblicken und mit Überzeugung sagen, dass ich für mich einen sehr gangbaren Weg gefunden habe, der sich trotz aller Widrigkeiten sehr von meiner Ernährung zuvor unterscheidet. Aber fangen wir von vorne an.

Von null auf hundert? Ein Zuckerschock und seine Folgen

Zwei Monate lang hatte ich extrem konsequent darauf geachtet, überhaupt keinen Industriezucker mehr zu mir zu nehmen. Keine Schoki im Büro, kein Kuchen, genaues Prüfen jeglicher Brotsorten und vor allem haargenaues Prüfen der Zutatenlisten in der Kantine, in der ich an vier Tagen in der Woche zu Mittag esse. Es war mitunter anstrengend, aber da ich mich insgesamt extrem gut und ausgeglichen fühlte und stets Trockenfrüchte und Nüsse dabei hatte, ging es meist ganz gut.

Belohnt wurde ich nicht nur mit guter Laune und Energie, sondern auch mit einer ziemlich guten (und faltenfreien!) Haut und (auch nicht zu verachten) mit langsam aber stets weiter purzelnden Kilos. Endlich! Nach Jahren des Zunehmens fühlte sich das verdammt gut an.

Doch dann kam der Rückfall.

Im Rückblick scheint mir mein Verhalten echt wie das, was Süchtige beschreiben, wenn sie versuchen, clean zu werden. Was war passiert? Ein intensives Arbeitsprojekt mit viel Hirnschmalz und Überstunden und massenhaft Süßkram rund um die Uhr direkt vor meiner Nase. Nach zwei Tagen war mein Widerstand gebrochen und ich aß. Und aß. Und aß. Gummibärchen, Schokolade, Eis – Zuckerbomben über Zuckerbomben und ich konnte mich kaum noch zügeln.

Wie eine Süchtige versuchte ich dem Stress (den ich mir mitunter selber machte) mit jeder Menge Zucker (und Kaffee) entgegenzuwirken. Dass das nicht gut gehen konnte, hätte man sich denken können. Der Stress wurde durch den ständig wieder rasant abfallenden Zuckerspiegel nur noch schlimmer. Stimmungsschwankungen deluxe waren die Folge und schließlich am Ende der zweiten Woche hatte ich dann abends den totalen “Meltdown”. Zwei Stunden Stau im Feierabendverkehr und ich heulte und wütete hinterm Lenkrad, als wäre sonst etwas passiert.

Nachdem das Projekt schließlich beendet war, versuchte ich zu meiner “Null-Zucker-Variante” zurückzukehren. Und natürlich schaffte ich es nicht. Ich schwor jeden Montag diese Woche einfach schnell ein Fasten-Wochenende einzuschieben und verwarf den Gedanken regelmäßig Samstagmorgens am Küchentisch.

Slow Reducing – Schritt für Schritt zurück ins zuckerfreie Leben

Ostern bei der Familie schlemmte ich dann, als gäbe es kein Morgen. Und wurde in den Tagen darauf mit heftigen Bauchschmerzen belohnt. Das war der Moment, an dem nicht erneut die Reißleine zog.

Mein Magen hatte mir schon in den letzten Jahren nach und nach Signale gesendet. Nach vielem Hin und Her hatte ich so die für mich extrem überraschende Diagnose der Laktoseunverträglichkeit erhalten. Seitdem hatte sich mein Zustand ständig verbessert. Nun war es also wieder an der Zeit, auf meinen Körper zu hören.

Zuhause ist das kaum noch ein Problem. In unseren Küchenschränken sucht man Industriezucker inzwischen vergebens. Das Kochen und Backen hat sich mittlerweile verselbstständigt und ich habe in Datteln, Reissirup und Kokosblütenzucker verlässliche Verbündete gefunden, die ich je nach Geschmack verwende und alle gut vertrage.

Unterwegs bin ich nun aber etwas entspannter und mache mich nicht mehr verrückt, wenn ich dem absoluten Heißhunger auf den besagten Schokomuffin der Kollegin erliege. Das bleibt inzwischen nämlich die Ausnahme. Wo ich früher einen Muffin nach dem anderen gefuttert hätte, kann ich heute einen genießen und es dann auch dabei belassen. Oft genug greife ich aber ganz intuitiv eher zu frischen Äpfeln, ohne groß darüber nachzudenken. Dank des schrittweisen Zurückfahrens des Zuckerkonsums bin ich nun fast wieder dort, wo ich vor meinem Rückfall stand.

Auf den eigenen Körper hören ist das A und O!

Es klingt so abgeschmackt, aber es ist wahr. Mein Körper sagt mir, was ich vertrage und was nicht. Ich muss nur genau hinhören. Allzu oft gehen wir über unsere eigentlichen Bedürfnisse hinweg, dabei spiegelt uns unser Körper ziemlich genau wieder, was er mag und braucht. So kann ich mittlerweile sehr genau sagen, dass mein Magengrummeln am Abend durch das Essen des Industriebrotes verursacht wird. Und da ich selten Lust darauf habe, mich nach dem Essen schlecht zu fühlen, greife ich meist doch auf andere Lebensmittel zurück.

Es ist und bleibt aber ein steter Prozess. Es bleibt ein ständiges Ausprobieren und weiter abwägen, welche Lebensmittel mir gut tun und welche nicht. Und während ich immer wieder genau dorthin spüre, programmiere ich meinen Kopf immer weiter um. “Ich gönne mir etwas” hat nichts mehr mit Schokolade, Pommes oder Kuchen zu tun. Im Gegenteil. Ich gestehe mir ein, wenn ich Lust darauf habe. Bin mir aber auch bewusst, dass ich mir gerade eher etwas zumute. Aber – auch das ist abgeschmackt (und wahr) – die Dosis macht das Gift.

So wie ich ab und an ein Glas meines Lieblingsweines (Gewürztraminer Spätlese, hmhh..) trinke, so esse ich nur noch ab und an Zuckerhaltiges. Damit fahre ich im Alltag meist ziemlich gut.

Und die Kinder? Ist zuckerfreie Ernährung mit Familie vereinbar?

Ja. Allerdings bin ich hier noch undogmatischer. ich koche und backe komplett ohne Industriezucker. Das ist für alle in Ordnung. Die Süßigkeiten, die hier vor allem durch Festtage wie Ostern und Weihnachten massenhaft ins Haus finden, sind nicht verboten. Aber rationiert.

Die Kinder dürfen sich jeden Tag etwas der Süßigkeitenkiste aussuchen. Manchmal auch zweimal. Das ist okay. Oft genug greifen auch sie aber erstmal zum Obst, dass hier überall jederzeit zugängig ist und von dem wir seit der Umstellung wirklich kleine Massen vernichten.

Ansonsten vertraue ich sehr darauf, dass die Kinder noch ganz gut in ihren eigenen Bauch hinein hören. Sie selber sollen die Experten für ihre Körper bleiben. “Mach mal die Augen zu und horch ganz tief in deinen Bauch” ist deswegen ein oft gehörter Satz hier. Egal ob es darum geht, das Sättigungsgefühl zu erspüren oder zu horchen, was der Köper gerade braucht. Und manchmal ist das eben auch ein Schokoladen-Muffin. 🙂

What to read: Lust auf Süßes – ganz ohne Zucker

Werbung // Da ich mich mittlerweile mit gut verträglichen Alternativen auskenne, hatte das Buch “Zuckerfrei mit Kindern”, das ich als Rezensionsexemplar bekommen habe, keine großen Überraschungen mehr für mich parat. Mittlerweile bin ich ziemlich geschult darin, welche natürlichen Süßungsmittel zu welchem meiner Rezepte passen. Doch auch ich konnte hier nochmal tolle Anregungen finden, um ein bisschen Abwechslung in die Küche zu bringen.

Im Buch sammeln die Autorinnen Elisa Täufer und Loreen Eiffler vom Blog Fräulein Immersatt über 70 einfache Rezepte “für die ganze Familie”. Einfach trifft es tatsächlich ziemlich gut. Wer in der Küche fit ist, wird hier keine besonders verrückten neuen Kreationen finden. Doch in der Familie muss es eben oft schnell gehen und Kinder lieben sowieso die unkomplizierten Gerichte, von daher passt es für uns ziemlich gut.

Inzwischen dient es mir als Nachschlagewerk für allerlei Leckereien, die ich sonst immer wieder über Pinterest nachschaue, weil ich mir dann doch nicht genau merken kann, was zum Beispiel alles in die goldene Milch gehört. Backen und Süßes überwiegen in diesem Buch definitiv und so finden sich reichlich Rezepte für Mandel-Zitronenkuchen, Quarkstollen und Co und eher weniger für Gemüse-Muffins oder Kichererbsen-Pfannkuchen. Das ist sicherlich ausbaufähig. Doch im herzhaften Bereich ist es eben auch nochmal leichter auf Industriezucker zu verzichten.

Blick ins Buch:

Fazit: Ich schätze, dass mein Alltag inzwischen zu 80 Prozent aus zuckerfreier Ernährung besteht.

Das ist für mich momentan ein Umgang, der mich außer Haus nicht komplett handlungsunfähig macht und mir erspart, mich nur von getrockneten Datteln und Nüssen zu ernähren. Ich spüre aber auch, dass es mir weiterhin gut tut, auf mich zu achten. Deswegen kann ich nicht ausschließen, dass es nicht doch auch wieder mehr wird.

Aber wenn die neue Kollegin wieder diese Schokomuffins mit geschmolzenem Kern dabei hat, werde ich wohl wieder zugreifen. Und das ganz ohne schlechtes Gewissen. 🙂

Und wie haltet ihr es so mit der Familien-Ernährung? Seid ihr alle auf einer Wellenlänge oder gibt es unterschiedliche Ernährungsweisen in euren vier Wänden? Erzählt doch mal. Ich freu mich.

Love n peace, Sonja

Achtung Werbung // Das vorgestellte Kochbuch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar vom Riva-Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

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