Mein Kind kommt in die Schule – aber ich heule nicht! Oder?

Spielen im Garten geht in jedem Alter. Nur die Spiele ändern sich.

Es sind die letzten Tage im Kindergarten für unsere Große. Die letzten 4,3,2,1 Male morgens durch die Tür hüpfen und direkt losspielen. Die letzten Male Morgenkreis und Spiele und Basteln und alles kennen und die Große sein.

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Zeit, sentimental zu werden. Aber nicht nur für meine kleine, große wackelzahnige Räubertochter, sondern vor allem für mich, ihre Mama. Sagt das Internet. Ach, sage ich zum Internet, ich bin ja gar nicht so eine Mama. Ich bin sooo froh, dass die Kinder groß sind. Im Leben würde ich nicht tauschen wollen mit all den Eltern, die nachts nicht schlafen können und den halben Tag Windeln wechseln und vollgespuckt werden und und und.

Ja, liebe Sonja, sagte da das Internet. Das mag sein. Aber da hast die Rechnung ohne deine Hormone gemacht. Und was soll ich euch sagen, da hatte das Internet wohl recht. Nur kurz am Babyjungen der Nachbarin geschnuppert, die seidigen Babyhändchen gestreichelt und schon ist es dahin, das Gefühl von Standhaftigkeit und Stolz über das Erreichte. Ach, dieses Kindchenschema – es wirkt. Auch bei mir.

Vielleicht doch noch mal…. stop. Stop, stop, erinnere dich an all den Stress, sage ich mir mantraartig vor. Die blanken Nerven, die chaotischen Tage, das Durcheinander, die Wäscheberge… aber ach, was schiebt sich vor die Linse? Die ersten Krabbelversuche. War das nicht goldig? Das erste Wort (Nein. Effizient genutzt für laaange Zeit), das erste Mal Mama, das Babyschwimmen, der erste Urlaub als Familie und huch…. nein, ich hab nur was im Auge!! Und fuck, das war doch wirklich erst gestern!

Sie werden ja sooo schnell groß!

Na, mögt ihr diesen Satz auch so wie ich? Gerne verwendet wird er von allerlei Menschen, die bereits die Ehre hatten, Nachkömmlinge großzuziehen. Omas, Opas, Tanten, Onkel, die Frau beim Bäcker, die Nachbarin. Denn eines haben sie alle bereits am eigenen Leib erfahren: die Zeit rast, wenn wir damit beschäftigt sind, unsere Kleinen beim krabbeln, laufen, größer und selbstständiger werden, zu begleiten. Eben noch freust du dich über das erste Zähnchen, das unter Tränen das Licht der Welt erblickt; schon liegt ebenjenes in der Dose und du spielst wartest nachts auf die Zahnfee.

Sie werden ja wirklich schnell groß!

Diese Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. Und all die Tanten und Onkels werden jetzt müde über mich lachen. Denn natürlich hatte ich das abgetan. Natürlich hatte ich abgewunken und mit meinen müden Augen geblinzelt. Und natürlich hatte ich es nicht geglaubt. Kam mir die Zeit zwischen all dem Pippi-Kacka-Schlafentzug doch bisweilen vor wie zähes Kaugummi, war sie nach dem nächsten Wegnicken tatsächlich – schnipps – vorbei.

Wie und vor allem wann ist denn das passiert?


Das eben noch kleine Würmchen kommt zwar immer noch zum Kuscheln. Aber plötzlich bist du umschlungen von ellenlangen Armen und Beinen, die doch so gar nicht zu dem (nicht mehr ganz so) kleinen Wesen neben dir passen wollen. Das dazu gehörende Köpfchen wächst ebenfalls nicht nur zuverlässig aus allen Hütchen und Mützchen heraus, es stellt auch immer komplexere Fragen zum Universum und allem Drumherum, die ich doch selber gar nicht beantworten kann. Die Zeit ist ja tatsächlich relativ!! Soviel zur Theorie.

In der Praxis staune ich noch immer jeden Tag genauso wie am Anfang über das, was meine beiden Mäuse Neues lernen und ausbrüten. Nur das WAS hat sich eben verändert. Heute blicke ich erschrocken zum Trampolin, wenn da plötzlich Saltos geübt werden oder muss wie aus dem Nichts beantworten, ob es denn den Osterhasen jetzt wirklich wirklich (mal im Ernst) gibt und by the Way Mama, das mit dem Weihnachtsmann, das wart ihr doch auch, oder?

Ich kann es nicht leugnen. Es geht eine kleine Ära vorbei gerade. Eine anstrengende, nervenaufreibende, zauberhafte Ära mit jeder Menge Popcorn und Glitzer und Einhornkacka oben drauf.

Tränen lügen nicht

Und wieder ein Satz fürs Phrasenschwein. Aber ja, verdammt. Ich heule doch. Ein bisschen. Und das ist okay.
Es ist in Ordnung, emotional zu sein. Denn es ist ein verdammtes Wunder, einem Menschen beim Großwerden zuschauen zu dürfen! Und es darf traurig sein, wenn Zeiten vorüber gehen. Indem wir es betrauern, gestehen wir eben jener Zeit auch all die wunderbaren Momente zu, die sie uns gebracht hat. Also raus mit den Taschentüchern! Töröö!

Verschniefte Grüße und peinliche, coronataugliche, digitale Umarmungen aus der Fremde an all die Eltern da draußen, die gerade ein Schulkind begleiten:

I feel you! Stürzen wir uns in diese neue Phase mit all der naiven Kraft, die uns auch durch die Baby- und Kleinkindtage getragen hat. Das wird dann schon!

Love, eure Sonja ❤

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