Jetzt also die verlängerten Ferien. NRW hat sie schon beschlossen. BaWü überlegt anscheinend. Unser Kindergarten hat ebenfalls spontan verlängert…. Trotz der Ankündigungen, Schulen und Kitas offen zu halten, trotz der vielen Worte, die Belastung von Eltern nicht weiter erhöhen zu wollen. Der Druck steigt.

Raugehen in die Natur. Einatmen, ausatmen. Zumindest das hilft ein wenig.

Und er kommt schleichend. Die Sorge, die sich wieder ausbreitet, die Nachrichten, die einprasseln. Quarantänezahlen, Schulschließungen, Studien über (Nicht-)Infektionsraten bei Kindern. Und immer wieder einlesen, abwägen, einordnen. Dazu abgesagte Martinszüge, Reitstunden und Kindergeburtstage und die Sorgen, ob und wie wir die Omas sehen können. Vom Opa in Irland mal ganz zu schweigen.

“Mama, aber Weihnachten bleibt bitte wie immer, ja?” die Vierjährige schaut mich aus großen Augen an. Auch an ihr zieht das alles nicht vorbei. Und es schmerzt. Obwohl ich weiß, dass wir noch immer auf der Sonnenseite stehen. Es tut weh. Immer wieder.

Ist das so schlimm, wenn die Ferien zwei Tage länger sind?

Nun könnte man sagen, gut, die paar Tage, die machen den Kohl auch nicht fett. Zumindest wenn man die Betreuungsfrage mal außen vor lässt. Aber Hand hoch – wer von euch berufstätigen Eltern hat denn noch Extra-Urlaubstage in petto? Nach diesem Jahr voller Ausfälle und wochenlangem, teilweise monatelangem Homeschooling und Homebetreuing? Es dürften meiner bescheidenen Schätzung nach nicht allzu viele sein.

Wenn mein Kind für diese zwei Tage dann aber nicht mehr in die Schule geht, sondern in die Ferienbetreuung muss und da dann auf ganz andere Kinder trifft, als in seiner Klasse, dann ist doch das ganze Prinzip wieder über den Haufen. Also wird das Kind wohl wieder zuhause rumhüpfen, während ich versuche “nebenbei” zu arbeiten. Das hat ja im Frühjahr schon so toll geklappt. Nicht.

Ehrlich ich kann den Reflex von Politiker*innen verstehen. Es klingt ja auch so schön einfach, ein paar Tage dranzuhängen. Und Ferien klingt auch netter als Schließung.
Was mich daran stört? Der Fokus.

Wieder werden Kinder in ein Licht gestellt, das sie als potentielle Gefahr für die Gesellschaft zeigt. Aber Kinder sind auch Teil dieser Gesellschaft. Sie sind außerdem so ganz nebenbei unser aller Zukunft und man kann es nicht genug sagen, auch Kinder haben Rechte und Bedürfnisse.

Ah da bist du ja wieder, lieber Aktionismus

Wenn rund um Schulen und Kitas die Inzidenzzahlen wirklich geringer sind als in anderen Bereichen, warum ausgerechnet hier weiter verschärfen? Ich versteh es nicht. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass wir schon wieder dabei sind, unsere Besonnenheit über den Haufen zu werfen. Warum können wir nicht in Ruhe abwarten, wie die Zahlen sich verändern? Es war doch klar, dass wir nicht vor Ablauf von zwei Wochen sehen werden, ob die jetzigen Maßnahmen (genug) Wirkung zeigen.

Auch Meldungen darüber, wie viele Kinder gerade in Quarantäne sind, verfälschen das Bild und das ärgert mich. Denn die wenigstens davon sind erkrankt. In vielen Fällen werden noch immer ganze Klassen oder Jahrgänge in Quarantäne geschickt, ohne das genauer geprüft wird (werden kann), wie nah der Kontakt mit dem gemeldeten Coronafall war. So kamen bei unserem Kindergarten zuletzt auf einen gemeldeten Coronafall im Personal rund 50 Kinder in Quarantäne. Keines davon wurde im Anschluss positiv getestet. Die Quarantänezahl sagt also im Grunde nicht viel aus. Warum sie so ins Zentrum stellen?

Maßnahmen ja, aber bitte mit Augenmaß

Und wieder sage ich dazu, ich bin davon überzeugt, dass wir uns einschränken müssen. Ich glaube daran, dass uns Masken und Abstand helfen und als Asthmatikerin werde ich mich impfen lassen, sobald ich an der Reihe bin. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir wieder dabei sind, das Augenmaß zu verlieren. Und ehrlicherweise bin ich es auch ein wenig leid, immer wieder auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern hinweisen zu müssen. Ich wünschte, wir könnten alle etwas besonnener miteinander umgehen. Mit Mitgefühl und Respekt und Anerkennung der hohen Belastung für viele, viele Menschen gerade.

Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit bedürfnisorientierten Entscheidungen?

Ich weiß, wir Deutschen tun uns schwer mit Freiwilligkeiten. Aber nur mal so als Gedankenexperiment: Könnten wir nicht den Eltern freistellen, ob sie ihre Kinder zuhause beschulen? Es gibt nämlich andererseits auch zahlreiche Familien mit Hochrisikogruppen daheim, die froh über eine Extraportion Sicherheit wären und derzeit auch nicht so dürfen, wie es den Umständen angemessen wäre. Nebenbei würde es Angebote vor Ort automatisch schon ein wenig entzerren, wenn diese Kinder zuhause lernen dürften.

Und könnten wir nicht andererseits für die Eltern, die Betreuung zuhause nicht leisten können, Schule und Kita vor Ort anbieten? Nicht jede*r hat eine große Familie, auf die im Zweifelsfall zurückgegriffen werden kann. Nicht jede*r besucht aber damit auch an Weihnachten unendlich viele Familienmitglieder. Es ist eben alles sehr individuell.

Ich finde, wir könnten einander mehr zuhören und aufeinander Acht geben. Das ist doch eigentlich auch gar nicht so kompliziert, oder?

XXX, Sonja

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