Eine 3 und eine 8 prangen da auf meinem Kuchen und wenn das kein Zeichen ist, dass ich so langsam eher nicht mehr mitteljung, sondern mittelalt werde, was dann?

Ein Muffin auf einer Hand
Happy Birthday to me! Früher war mehr Party..

Aber was macht das mit mir? Und warum berührt mich diese Zahl? Liegt es vielleicht daran, dass um die Große 4 ein Riesentheater gemacht wird? Liegt es am generellen Jugendwahn unserer Gesellschaft oder daran, dass Frauen ja grundsätzlich am besten gar nicht älter werden sollen? Frauen und Vierzig, das füllt Seiten über Seiten in Klatschspalten. Der Fuckabilty-Faktor, nach dem wir uns ja bemessen lassen sollen, sinkt in den Keller, je älter wir werden. Bleibt nur die Chance, als Milf noch ein bisschen abzuräumen? Aber wer von uns will sich ernsthaft diesem Diktat unterwerfen? Vermutlich ist es eine Mischung aus all dem gepaart mit dem Wissen, dass manche Dinge nun wirklich endgültig vorbei sind, die ich sehr zelebriert habe.

Ein Geburtstag während einer Pandemie lädt ja wie kein anderer zum innehalten und nachdenken ein. Morgens gehe ich spazieren. Allein im eiskalten Wind. 38 denke ich, das ist verrückt. Ich erinnere mich lebendig an den vierzigsten Geburtstag meiner Mutter. Ordentlich feiern geht in jedem Alter. Das weiß ich. Und dennoch bin ich einigermaßen sprachlos darüber, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Mein halbes Leben teile ich nun mit meinem Mann. Als wir uns kennenlernten, waren unsere Eltern nur wenig älter als wir jetzt.

Und doch hat sich das Gefühl des Erwachsenseins noch immer nicht so recht eingestellt.

Obwohl ich mich morgens genau danach anhöre, wenn ich die Kinder ermahne endlich ihre Zähne zu putzen und ihre Zimmer aufzuräumen. Natürlich bin ich längst genau das, was da in dem Pass steht. Eine erwachsene Frau, die mitten im Leben steht. Eine Frau mit zwei Kindern, eine Frau, die sich ehrenamtlich engagiert. Eine Frau, die schon vieles erlebt hat. Eine Frau mit Lachfalten um die Augen. Eine Frau mitten im Job, mitten im Leben, die nicht immer nur rumalbert, sondern auch Verantwortung übernimmt.

Ich bin eine Millenial. Ich bin eine von denen, über die sich die TikTok Kids lustig machen.

Ich liebe meinen Seitenscheitel aber werfe meine Skinny Jeans allzu gerne über Bord, denn psst.. ich hab Wide Leg Jeans in den 90ern schon heiß geliebt und freue mich derbe über diese Rückkehr. Aber eines wird deutlich: da sind jetzt andere, die das Ruder übernehmen. Ich bin nicht mehr eine von den jungen Wilden mit den neuen Ideen. Und das ist okay. Und doch auch immer noch etwas ungewohnt.

Gerade wir Millenials haben es zelebriert: das anders sein. Wir haben provoziert mit bunten Haaren und Piercings und Tattoos und der Liebe für dieses damals so neue Internet. Wir haben getanzt auf der Loveparade und haben gesellschaftliche Konventionen infrage gestellt. Haben für freie Liebe gekämpft und Ehe für alle und das Leben war wild und frei und die Möglichkeiten scheinbar unendlich.

Und dann hat die Welt sich weiter gedreht.

Und es passierte das, was mit all den Generationen vor uns passiert ist und wir wollten es doch lange nicht wahr haben. Aber auch wir wurden erwachsen. Endgültig. Wir wurden ruhiger und sesshafter, haben Kinder bekommen und all das war wunderbar und vollkommen okay.

Und obwohl ich all das weiß, bleibt da diese innere Diskrepanz. Denn ich fühle mich eigentlich wie immer in den letzten zwanzig Jahren und ich bin noch längst nicht satt. Vielleicht fühle ich mich nicht mehr so unbesiegbar, nicht mehr so als läge die ganze Welt vor meinen Füßen. Aber in mir ist noch immer ein großer Hunger auf mehr. Ich will meine Seele füllen mit Momenten und Erinnerungen, mit Gerüchen und Geschmäckern, will mich nicht gewöhnen an Dinge, die irgendwie gleich bleiben sollen.

Vielleicht ist das naiv, vielleicht beschreibt das aber auch am besten den mir innewohnenden grundsätzlichen Optimismus und die Neugier auf das Leben. Und vielleicht ist genau das mein Struggle.

Ich habe gar kein Problem mit der Zahl 38. Ich stehe eher staunend daneben und frage mich, wann das passiert ist.

Ich fühle mich in der aktuellen Lebensphase ziemlich wohl. Aber ich bin auch voller Lebenslust und Energie und Neugier. Endlich wieder. Nach einer schweren persönlichen Phase und einem Jahr, Himmel was für ein Jahr war das denn bitte? Ich will die Welt sehen, wenn diese Pandemie endlich vorbei ist. Denn ich höre noch immer meinen geliebten Opa, der mir mit über 90 Jahren ins Ohr flüstert: “Das Leben ist kurz, mein Mädchen. Genieße es. Mit allen Sinnen. ”

Kann es einen besseren Rat geben? Und vielleicht ist die vierzig auch deshalb so ein Ding, weil so vieles klar wird. Ich muss nicht mehr die Coolste und Verrückteste sein. Aber ich darf. Auch jetzt, wenn mir danach ist. Und nur das zählt.

Also, dann werd ich wohl so langsam wirklich älter. Was soll’s. Kommt wir tanzen ein bisschen durch unsere Küchen, denn die Clubs sind ja eh geschlossen. Aber gute Laune gibt es kostenlos, wenn wir sie nur zulassen.

Wie geht es euch mit dem Älter werden? Macht ihr euch Gedanken darüber oder lässt euch das ganz kalt? Oder habt ihr all das schon lange hinter euch und lächelt ihr gerade über mich? Lasst es mich wissen in den Kommentaren oder lasst auch gern ein Like da.

XOXO, Sonja ❤

3 Comments

  1. Herrlich geschrieben. Vielen dank 🙂
    Ich fühle mich mir 43 auch immer noch nicht erwachsen. Wie alt muss man da werden? Aber als Mann wächst man ja ab 15 nur noch und bleibt geistig minderbemitelt 😉

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