Das hier ist ein Plädoyer für mehr #lazyparenthood. Gerade in der Weihnachtszeit. Entspannte Elternschaft? An Weihnachten?? Wie soll das denn gehen?

Oh du besinnliche Weihnachtszeit?

In der Theorie klingt das simpel. Einfach mal fünf grade sein lassen, auch mal eine TK-Pizza servieren, wenns grad stressig wird. Die Kinderzimmertüren einfach schließen und das Chaos dahinter ignorieren.. mir fällt das super schwer. Denn ich will doch eine ganz andere Mutter sein. Eine, die alles im Griff hat. Die backt und kocht und bastelt und milde lächelnd Hausaufgaben kontrolliert. Eine die arbeitet und ein Vorbild für ihre Kinder ist. Die auf gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung wert legt. Die stets gut gelaunt ihren Kindern ein Vorbild ist. Aber ganz vielleicht ist das ein bisschen viel verlangt.. oder?

Denn in der Realität bin ich ja nicht “nur” eine Mutter, die 24/7 um ihre Kinder herumhüpft.

Ich bin auch ein eigenständiges Wesen mit eigenen Bedürfnissen und – ich trau es mich kaum zu sagen – einem eigenen Leben. (Liebe Vollzeitmamas, no offense. Es ist okay, wenn ihr rund um die Uhr um eure Kinder herumhüpfen mögt und das genießt. Es passt nur nicht zu mir.) Ich habe einen Vollzeitjob, schreibe nebenbei hier auf dem Blog oder in Kurzform auf Instagram oder in Langform Bücher. Ich habe eigene Freund:innen, die ich viel zu selten sehe und eigene Hobbys, für dich ich viel zu wenig Zeit habe. Ich kann also gar nicht den ganzen Tag milde lächelnd die Mutti aus der 90er Jahre Werbung sein. Und ehrlich gesagt will ich das ja gar nicht. Aber auch wir heute haben uns mit all unserem DIY und unseren Ansprüchen in eine ganz schön schwierige Ecke manövriert. Auf Instagram posten wir Bilder unserer perfekten Familien, unserer stets aufgeräumten und stylisch eingerichteten Häuser. Und natürlich machen wir alles selbst. Ob Plätzchen, Laternen oder Seife – es gibt keinen Bereichm, der nicht nur #diy #handmade oder #minimalismus ins peferkt ausgeleuchtete Licht gestellt werden könnte.

Natürlich ist es pädagogisch sinnvoller, die Pizza gemeinsam mit den Kindern zu backen anstatt die nur eh nur halb so gut schmeckende Discounter-Variante in den Ofen zu schieben. Unbestritten ist es ein Erlebnis für die Kinder, wenn wir die Plätzchen gemeinsam backen. Und genauso unbestritten wird es ein Riesenchaos und ich sitze nach zehn Minuten inmitten des Mehlstaubs allein am Tisch und steche Sterne oder Einhörner (wer hat sich das eigentlich ausgedacht) aus klebrigem Teig.

Genauso unbestritten habe ich mir jedes Jahr eine neue “Kleinigkeit” für die Adventskalender der Mädchen ausgedacht. Weil man das so macht als gute Mutter. Ich habe gebastelt und genäht, Kleinigkeiten besorgt, um jedes aber auch jedes Jahr am 30. November bis tief in den Abend Tütchen zu füllen.

Und ich hasse basteln. Wirklich. Denn ich bin nie über den Kindergartenstatus hinausgekommen. Meine Laternen oder Weihnachtssterne sehen immer noch aus, wie die einer Fünfjährigen. Immer klebt der Kleber an den falschen Stellen, schneidet die Schere schlecht, bin ich unkonzentriert oder von vornherein latent genervt, weil es doch nie so wird, wie ich mir das vorstelle.

Deshalb habe ich dieses Jahr eine unpopuläre Entscheidung getroffen.

Ich bastle nicht mehr.

Auch keine Adventskalender. Ich habe gerade zu Weihnachten auch so genug zu tun. Vorsichtig fragte ich also die Kinder, was sie wohl von gekauften Kalendern (Rabenmutter Superalert) halten würden. Und wisst ihr was? Sie fanden die Idee richtig gut. Die Kinder freuen sich total und fiebern ihren Kalendern schon jetzt entgegen und rätseln, was sie wohl bekommen. Die Große, derzeit im Dauer-Hogwarts-Fieber bekommt einen Harry Potter Lego Kalender und die Kleine bekommt einen von der Sendung mit der Maus. Sie liegen bereits gut versteckt im Keller. dazu gibt es für jede einen eigenen kleinen Kalender mit Schoki. Punkt, aus, fertig. Das ist nicht nachhaltig. Ich weiß. Aber es ist das, was wir jetzt brauchen. Denn da um uns herum ist neben der Vorweihnachtszeit auch wieder diese nervige Pandemie, die wieder anzieht. Und in dieser Zeit brauchen die Kinder auch ihre Mutter. Und die braucht ihre Nerven. Und wenn die mit Harry Potter Lego beruhigt werden können, dann sei es drum. Ich muss auch nicht die gesamte Nachhaltigkeit der Welt alleine schultern. Dafür habe ich in diesem Jahr mein Auto verkauft, um die Umwelt zu schonen. Ich finde das sind erstmal ein paar Karmapunkte, die ich noch gut habe.

Dieses Jahr am 30. November werde ich nicht bis tief in die Nacht Haarspangen, Radiergummis und Schokobonbons in Tütchen füllen, sondern die fertigen Kalender einfach nur nach oben holen und aufstellen. Und dann koche ich mir einen Glühwein. In der Mikrowelle. Und dann freu ich mich über eine Weihnachtszeit, die ein kleines bisschen fauler sein darf. Denn Weihnachten ist auch für Mütter da.

Ernstgemeinte Frage zum Mentalload rund um Weihnachten: teilt ihr euch die Vorbereitungen auf oder gibt es einen Elternteil, der bzw die den Löwenanteil übernimmt? Ich freu mich von euch zu hören.

XXX, eure Sonja

1 Comment

  1. Finde ich uneingeschränkt gut.
    Bei unseren Töchtern haben wir, sobald sie aus dem Grundschulalter heraus waren, die Adventskalender durch Adventssonntag-Frühstückstisch-Überraschungen ersetzt. War eine Win-Win-Situation, weil weniger Tüdelkram durch die Wohnung fliegt und unvermeidlich eher früher als später im Staubsauger landet.
    Und weil meine Nerven geschont werden. Weil die Mädels mehr davon hatten bzw. die Jüngste immer noch hat, wenn es einmal in der Woche eine besondere Seife, ein Buch oder eine hübsche Kladde gibt oder was sonst so angesagt ist.
    Letztes Jahr gab es sogar im ganzen Haus nur eine sehr minimalistische Weihnachtsdeko. Gut, jedes Jahr muss es nicht so sparsam sein, aber die Zeiten, wo bei mir nach Totensonntag das große Dekorieren ausbrach und bis zum 1. Advent alles fertig war, die sind endgültig vorbei.
    In den letzten Jahren hat es sich so entwickelt, dass wir den ganzen Advent so gestalten, wie der Name sagt: Wir bereiten uns peu à peu auf die Ankunft von Weihnachten vor. Das darf dann auch gern die gesamten vier Wochen dauern.
    Wenn ich in den nächsten Tagen dazu komme (neben der Arbeit in der Buchhandlung rattert die Nähmaschine – nicht für die Kinder ) schreibe ich mal einen Beitrag, vielleicht machen da ja noch mehr mit?
    Liebe Grüße, Anja/Annuschka

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