Blogparade #gutgemacht – Die geheimen Superkräfte unserer Kinder

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Photo by Valeria Zoncoll on Unsplash

“Die Kleine hat sich gerade bedankt, als ich ihr eine Schüssel mit Trauben gegeben habe” schrieb mir mein Mann neulich, als er den Nachmittags-Kinderdienst hatte und ich im Büro saß. “Da geht einem das Herz auf” ergänzte er dann noch.

Die liebe Séverine aka. MamaontheRocks fragt in ihrer Blogparade, welche Dinge bei uns zuhause eigentlich gut laufen. Und obwohl ich natürlich finde, dass wir eine grandiose liebenswert chaotische Familie sind, musste ich erstmal ein wenig nachdenken. Und dann kam mir diese WhatsApp-Nachricht in den Sinn. Das Wort “Dank(e)” hat unsere Kleinste nämlich ganz frisch in ihren gerade explodierenden Wortschatz mit aufgenommen. Und wenn so ein pausbäckiges Fast-noch-Baby einen anstrahlt vor lauter Glück über eine Schüssel Trauben und stolz das neue Wort präsentiert, ja, dann möchte auch mein Mamaherz kurz überlaufen vor Rührung.
Aber woher kommen eigentlich diese höflichen Manieren?

Von wegen Knigge

So ein höfliches Kind  – da war doch was. Als unsere große Tochter nach einem Umzug mit 2 Jahren in ihren neuen Kindergarten eingewöhnt wurde, lobte die Erzieherin unser höfliches Kind. Sie schien ehrlich begeistert und berichtete, dass das bei weitem keine Selbstverständlichkeit mehr sei heutzutage. Für viele Kinder seien “Bitte” und “Danke” Fremdwörter. Stattdessen herrsche bei manchen Familien wohl ein rauher Ton. Und sie fragte mich, wie wir ihr das eigentlich beigebracht hätten?!

Tja, und da kam ich dann richtig ins Grübeln.  Denn im Gegensatz zu manch strenger Tigermutter auf dem Spielplatz, werde ich oft mit großen Augen angesehen, über was ich mir so alles anscheinend keine Gedanken mache. Ich zwinge meine Kinder nicht zum Bitte oder Danke sagen, ich zwinge sie ebenso wenig zum Hände schütteln, Küsschen geben oder Zähne putzen.
Ich stand ganz schön auf dem Schlauch, bis ich uns beim Abendessen beobachtete. Und nein, jetzt kommt keine geheime Zauberei aus meiner reichhaltigen Mama-Trickkiste. Die Kinder  – kunstvolle Pause – haben sich das einfach abgeguckt. Potzblitz! Kinder lernen durch Vorbilder. Tatsächlich. Welch eine Erkentniss. 🙂
Wir Eltern bedanken uns regelmäßig auch für kleine Dinge. Wir bedanken uns, wenn die Kinder uns eifrig beim Tischdecken helfen, wenn sie uns strahlend angekaute Kekse schenken oder mit großen Augen ihren angelutschten Schnuller vermachen. Das ist uns bis zu diesem Moment nur nie wirklich bewusst gewesen.

Und so freuten wir uns schon beim großen Tochterkind einfach über das neue Wort und übersahen, dass sie unser Verhalten ebenfalls kopierte und offensichtlich ziemlich gut damit fuhr.

Wieviele kleine große Dinge übersehen wir eigentlich?

Als ich mal wieder schimpfend Auto fuhr und die Frau vor mir als blöde Kuh bezeichnete, rief es auf einmal von der Rückbank: “Du doofe Maus!” Was war das denn jetzt? Der Grund war ganz einfach. Ich hatte in der Hektik des Alltags mal wieder völlig vergessen, dass meine große Tochter mit ihren 3 Jahren ja doch schon ganz schön viel versteht.

Zum Glück hatte ich mich beim Motzen für ein Tier entschieden, so weit funktionierte der Mama-Schimpfwort-Filter noch. Meine Tochter probierte jetzt aber alle möglichen Kombinationen aus. “Du blöder Schmetterling, du blöde Biene, du blöde Ameise.” Es war wirklich zum Schiessen und wir lachten Tränen.
Trotzdem schwor ich mir, beim nächsten Mal ganz auf die Schimpferei zu verzichten. Versuchen wollte ich es jedenfalls.  Denn die Große hatte mir schon öfter mitgeteilt, dass ihr das Angst mache. Und ich vergaß mich trotzdem immer wieder, sobald ich hinterm Lenker saß.

Worauf ich hinaus will?

Sobald unsere Kinder sich schlechte Angewohnheiten abgucken, werden wir aufmerksam. Es fällt uns auf. Wir ermahnen sie und uns und kommen vielleicht sogar in Erklärungsnöte. Auf jeden Fall aber bleibt etwas hängen.
Aber die vielen, kleinen positiven Dinge, die übersehen wir oft. Also ich zumindest. Ihr nicht auch?

Die zehn Minuten friedliches Miteinanderspielen der Geschwister wirken viel weniger auf uns, als die drei Minuten lautstarkes Zanken und Heulen. Das sie uns beim Einkaufen unbedingt mithelfen wollen, merken wir vielleicht gar nicht so recht, weil uns das Gezappel und Hin- und Hergerenne stresst.
Und das die große Tochter geduldig wartet, bis die Kleine fertig ist mit Weinen und getröstet wurde, und Mama dann erst weiter die Geschichte vorlesen kann, das fällt angesichts des Kleinkindterrors eben auch mal hinten runter.

Also yippieh ya yay unsere Kinder sagen gern und oft Bitte und Danke.

Aber ansonsten herrscht hier oft Bambule. Wir klettern und springen auch mal über Tische und Stühle, das Spielzeug fliegt im ganzen Haus rum, die Wäsche stapelt sich und ohne unseren geliebten Saug-Roboter würden wir wohl im Staub ersticken. Wir sind wirklich alles andere als perfekt. Und wenn ihr euch mal über ein besonders höfliches Kind wundert, dann freut euch einfach über das Kind. Und fangt bloß nicht an zu zweifeln, warum eure Kinder das nicht tun. Und vielleicht habt ihr ja auch nur fünf ziemlich gute Minuten dieses Kindes erwischt. 😉

Haben eure Kinder auch geheime Superkräfte, die euch erst aufgefallen sind, als euch andere darauf aufmerksam gemacht haben? Ich freu mich von euch zu hören.

 

Love, eure Sonja <3

4 thoughts on “Blogparade #gutgemacht – Die geheimen Superkräfte unserer Kinder

  1. Bitte und danke finde ich so wichtig als Respektbezeugung gegenüber seinen Mitmenschen. Wie schön, dass das bei euch so toll von alleine klappt!
    Die Waldorfpädagogik baut bis zur 2. Klasse ganz auf die Immitation von Vorbildern. Ich bin da nicht tief genug drin, um das wirklich beurteilen zu können, aber ich bin doch überzeugt, dass da eine Menge dran ist. Bedauerlich ist nur, dass sich das dann doch verliert. Gerade in Sachen Schimpfwörter kann ich da bei meinem Fünftklässler keinen ganz großen Einfluss mehr vorweisen (wenn er auch wenigstens genau zu unterscheiden weiß, welche Wörter er nicht über die heimische Türschwelle bringt). Aber bitte und danke sagen auch meine Großen immer noch zuverlässig (meistens 😉 ).

    1. Ich glaube ja, dass auch die älteren Kids das noch verinnerlicht haben, was sie sich mal von Mama und Papa abgeguckt haben. Und dann kommt ne intensivere Phase des Abgrenzens und Ausprobierens. Aber iwann besinnen sie sich doch wieder auf ihre “Kinderstube”. 😋

  2. Liebe Sonja
    Ein toller Beitrag zur Blogparade. Ich bin mit etwas Verspätung alle am Nachlesen. Ich glaube, da hast du einen Nerv getroffen. Selbst bin ich schwer davon überzeugt, dass wir mit Vorleben fast alles bestimmen. Kinder schauen sich eben alles ab.
    Liebe Grüsse, Anita

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